Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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wird sie auch jenseit der Grenzen eine unsrer wichtigsten sein. Denn die
Organisation der Bildung und Kultur in Deutschland selbst bedeutet ja
nur eine Vorarbeit zu der viel größeren, vor der Deutschland stehen wird,
wenn nach dem Kriege die Verhältnisse der Welt auf lange wieder ge«
regelt sein werden. Die größere Aufgabe heißt: Kulturpolitik!

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Es scheint, daß der Gedanke der Kulturpolitik gerade reif wurde in
unsern Tagen; denn nun regt er sich ja an allen Enden. And die deut«
schen Gelehrten, die ihn aufgenommen hatten, fanden, daß das Binde-
glied zwischen den Deutschen und den von ihnen zu kultivierenden Völ-
kern die Auslanddeutschen sein müßten. Lamprecht betonte, daß man
diese Deile unsres Volkes überhaupt erst richtig kennen müßte, und grün-
dete eine „Gesellschaft für Erforschung des Deutschtums im Auslande^.
Das sollte für ihn eine Grundlage sein für das weitere Ziel einer „Gesell-
schaft für deutsche auswärtige Kulturpolitik". Wenn diese Gründungen
eine Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft darstellten, so dachte
auch die „Gesellschaft für Islamkunde" durch die Wissenschaft eine Grund-
lage für tzandel und Verkehr von höherem Kulturwert zu schaffen. Zu
gleicher Zeit gingen auch die Kreise unseres tzandels und der Groß-
industrie von ihrer Seite aus dem Gedanken der Kulturpolitik nach.
Linige von den Ganzgroßen unter unsern Wirtschafts- und tzandeW»
männern wollten die Sache gleich so angreifen, wie sie etwa in der
tzamburg-Amerika-Linie zu wirken pflegten. Eine „Deutsche Welthan-
delsgesellschaft" sollte alle Einzelbestrebungen zusammenfassen und sollte
außer wirtschaftlichen praktischen Aufgaben auch die Pflege kulturekßer
Propaganda des Deutschtums (durch Schulgründungen usw.) übernehmen.
Vorläufig kam es noch nicht dazu: die widerstreitenden kleineren Inter-
essen unter den deutschen tzandels-, Industrie- und Landwirtschaftskreisen
vereitelten noch den Plan. Die Teile nur blieben — immerhin, auch
diese waren noch beträchtlich groß. Ahnlich wie die neu entstehende „Welt-
wirtschaftliche Gesellschaft^, die gegründet wurde, um fremde Völker wissen-
schaftlich zu erforschen und daraufhin den wirtschaftlichen Verkehr mit
ihnen zu gestalten, sollte eine Reihe von kleineren Vereinigungen wirken.
Ls entstanden in rascher Folge eine deutsch-chinesische, eine deutsch-türkische
und eine deutsch-griechische Gesellschaft oder Vereinigung, die im einzel-
nen übernehmen sollten, was die Welthandelsgesellschaft im großen hatte
Leisten wollen. Ob diese etwas überhasteten Gründungen reiche Früchte
gebracht hätten, läßt sich gerechterweise nach den unbedeutenden Anfängen,
die bis zum Kriegsbeginn vorlagen, nicht beurteilen. Und der Krieg
stellte ja auch diese Räder alle still.

Sie müssen stillstehen, da sie alle den praktischen Gedanken, die
Ausführung ihrer Absichten erstrebten. Aber es gibt noch eine wichtige
theoretische Frage zu lösen, und daran mitzuarbeiten wäre für uns,
die wir nicht mit der Waffe in der Hand dem Vaterlande dienen dürfen,
eine Aufgabe auch in der Kriegszeit.

Kann die Kultivierung neuer Länder ganz Aufgabe des Staates

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