Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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gerrd-, Volks-, Soldatenheime usw.), eine großzügige Reform der Volks-
vergnügungen, durch welche das durchaus berechtigte Bedürfnis nach Freude
und Genuß, nach Erholung und Unterhaltung einwandfrei befriedigt wird.

Die Forderung alkoholfreier Iugenderziehung muß
unter Zusammenfassung aller Erziehungskrafte ihrer Verwirklichung näher»
geführt werden. Line ganz besondere Bedeutung hat jetzt das Wort: „Der
Iugend gehört die Zukunft".

Die Tätigkeit der alkoholgegnerischen Vereine, welche in den Iahren
vor dem Krieg ein gut Teil dazu beigetragen haben, das Verständnis für
die Maßnahmen der Behörden, die sich während des Krieges als notwendig
erwiesen, vorzubereiten und damit in ihrem Teil die Leistungsfähigkeit
und Widerstandskraft draußen und daheim zu stärken, muß noch ganz
anders als früher aus xcllen Kreisen heraus gestützt und gefördert werden.

Die Gebildeten müssen vorangehn: sie haben die Linsicht in die vorliegen--
den Schäden und Gefahren; sie wissen, was unserem Volke not LuL, welche
weltgeschichtlichen Aufgaben es zu lösen haben wird.

Die Besitzenden müssen vorangehn: ihnen stehen auf Grund ihres Be-
sitzes so viele edle und reine Genüsse zu Gebote, daß es doppelt unverant-
wortlich ist, wenn sie durch schlechtes Beispiel verführen und verderben.

Die oberen Schichten unseres Volkes voran: exempla trahunt! Worte
sind Zwerge, Beispiele sind Riesen!

Was unser Kaiser durch Studium der Geschichte des Medergangs alter
Kulturvölker, durch Beobachtung der Verhältnisse in unserem Volksleben
als feste Äberzeugung gewonnen und so oft ausgesprochen hat — schon
längst vor Beginn des Krieges! — hat er einmal in das knappe Wort
gefaßt, das für alle diese Arbeiten als Losungswort gelte: „Diejenige
Nation, die das geringste Äuantum Alkohol zu sich nimmt, die gewinnt/
Ia, Iie siegt nicht nur über die Feinde, gegen die wir jetzt in gewaltigem
Ringen und mit herrlichen Erfolgen ankämpfen, sie siegt auch über alle
Schwierigkeiten und Widerstände, über alle Feinde der Zukunft! sms

Immanuel Gonser

Bismarcks Erbe?

Zu Hans DeLbrücks Buch

ans Delbrücks Buch „Bismarcks Lrbe", das der Rllsteinsche Verlag
Hs^für i Mark in den tzandel bringt, ist in zwiefacher tzinsicht bemerkens-
^Fwert. Erstens, weil hier einmal ein „zünftiger tzistoriker" Bismarcks
Werk nicht nur als ein SLück VergangenheiL behandelt, sondern es mit
Gegenwart und Zukunft in Beziehung setzt, zum andern, weil hier in klarer
Gedankenführung ein bestimmtes politisches Zukunftsideal aufgestellt wird,
an dem die Geister sich scheiden. Kein Wunder, daß solch ein Buch heftige
Ablehnung wie begeisterte Zustimmung findet. Auf allen Seiten scheint
das Rrteil festzustehn. Aber uns Dünkt, das Buch wird zu sehr nur ab-
gelehnt oder nur gelobt. Es verlohnt sich, einmal ohne Rücksicht auf das,
was man selbst politisch von der Zukunft erhofft, ganz einfach Delbrücks
Gedanken nachzudenken und nachzuprüfen, schon weil man bei geistvollen
Männern auch aus dem lernt, was als irrig erscheint.

So kommt es mir hier nicht auf eine Beurteilung des Bildes an, das
Delbrück von Bismarck zeichnet, auch nicht auf eine Klärung der Frage, ob
wirklich die nachbismarckische innere und im wesentlichen auch die äußere
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