Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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mindestens mit einem dieser Ver-
eine durch ihren Obmann Dr. Io-
seph Scheiner in brieflicher Verbin-
dung war.^ Der weitere Bestand des
Vereines C. o. s. stellt sich daher als
staatsgefahrlich dar." Ebenso wer-
den der zweiten Organisation, die
ebenfalls ihren Sitz in Prag hat,
entsprechende Bestrebungen amtlich
nachgewiesen.

Diesen Tatsachen ließen sich leicht
weitere, nicht so deutlich durch amt-
liche Veröffentlichungen gedeckte
Mitteilungen anfügen. Die Art,
schwierige österreichische politische
Probleme im schlimmsten Sinne
literatenmäßig zu behandeln und
durch geistreiche Vergleiche sowie
durch unterhaltsame Angriffe auf
jenen eigens zu diesem Zweck
hergerichteten Popanz, den „Hof-
rat", zu erledigen, hat schon in
Friedenszeiten viel Rnheil gestiftet
und Ssterreich weithin in Mißkredit
Hebracht. In dieser Zeit aber darf
der Ssterreicher entschiedener als je
vom Verbündeten fordern, daß man
km Reiche mit Ernst und Sachlich-

keit die österreichischen Lebensfragen,
die sich zugleich als europäische
Kernfragen erwiesen haben, stu-
diere und alles Literatentum, das
vom „pikanten" Gegensatz zur nüch-
ternen Tatsachenerfassung lebt, zu-
rückweise. U

Gestnnungen und Meinnn-
gen

ie Menschen werden durch Gesin-
nungen vereinigt, durch Mei-
nungen getrennt. Iene sind ein Ein-
faches, in dem wir uns zusammenfin-
den, diese ein Mannigfaltiges, in
das wir uns zerstreuen. Die Freund-
schaften der Iugend gründen sich
aufs erste; an den Spaltungen des
Alters haben die letzteren Schuld.
Würde man dieses früher gewahr,
verschaffte man sich bald, indem man
seine eigene Denkweise ausbildet,
eine liberale Ansicht der übrigen, ja,
der entgegengesetzten, so würde man
viel verträglicher sein und würde
durch Gesinnung das wieder zu sam-
meln suchen, was die Meinung zer«
splittert hat. Goetbe

Rnsre Bilder und Noten

tzmi^u Bernhard Winters neuem Kaiserbildnis ist weiter nichts zu
^^sagen, als daß unser Blatt nur einen Ausschnitt wiedergibt. Das
^FGanze ist Brustbild. Der Kunstwart hat es in gleicher Größe wie das
Wintersche Hindenburg-Bildnis, also in Lebensgröße zeichnen lassen.

Wilhelm Steinhausen ist einer von denen, deren Kenntnis unser
Blatt zuerst in wirklich weite Kreise getragen hat; wir haben nicht nur
in unsern Mappen und Meisterbildern, wir haben auch in unserer Zeit-
schrift selbst so viele Bilder von ihm gebracht, daß eine festliche Umschau
ßetzt zu seinem Ehrentag dem älteren Leser im wesentlichen längst Vertrautes
zeigen würde, — wenn der Charakter der „Kriegsausgabe" sie jetzt zuließe.
Ehren wir Steinhausen lieber dadurch, daß wir ihm eine stattliche Mappe
widmen! Die ältere „Steinhausen-Mappe" des Kunstwarts ist vergriffen,
ersetzen wir sie, sobald die Zeitverhältnisse das erlauben, durch eine
erweiterte neue! Bis dahin müssen wir den, der sich jetzt mit dem
Frankfurter Meister näher beschäftigen will, allein auf die kleineren andern
Veröffentlichungen verweisen. Auf die eben bei Keutel in Stuttgart er-
schienenen „Tagebuchblätter", die den Landschafter Steinhausen zeigen,
auf die bei Scholz in Mainz erschienene „Kunstgabe" „Göttliches und
Menschliches", aber auch auf die zusammenhängenden Bilderreihen: die
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