Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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Bücher der Zeit 8

Aufklärendes zur WeltLage*

^^rgendwie ist dieser Krieg aus der Lage der europäischen Staaten
^t zueinander hervorgegangen, für welche die Geschäftsträger in Paris,
^FPetersburg ,Wien, Belgrad usw. nichts als Exponenten waren. Irgend«
wie war diese „äußere^ Lage bestimmt nicht nur von geschichtlichen Er-
innerungen, einflußreichen Geschäftleuten, militärischen Hetzern, sondern
auch von den feineren Erlebnissen des Rassegefühls, der geistigen Kultur,
der sozialen und zivilisatorischen Entwicklung, der Verfassungwesenheiten.
Dieser Gedankengang bildet die Brücke von heute nach rückwärts zu dem
Buch „Völker, Fürsten und Vaterländer^ von Carl Techet. Mcht
viele Bücher wird man heute mit so viel Gewinn an bedeutsamer Welt-
erkenntnis lefen. Das geht schon aus dem stofflichen Inhalt hervor. Techet
fucht das Wesen Europas von innen her zu bestimmen, in drei großen
Leilen, von denen der erste rassenwissenschaftlich, der zweite kulturwissen-
schaftlich, der dritte politisch-soziologisch gehalten ist. Äber den ersten ist
wenig zu sagen; er ist nicht mehr und nicht weniger als die kürzeste und
eindringlichste Zusammenfassung dessen, was die Wissenschaft über Wesen
und Bedeutung der Rasse bisher hervorgebracht hat an Lrkenntnis und
an Kritik. Daß die Kritik hier raummäßig beinahe überwiegt, darf niemand
verwundern. In den letzten Iahrzehnten ist von blendenden Schriststellern.
eine Unsumme von Phantastik bis in die Kreise der halb oder gar nicht
Gebildeten hinein verbreitet worden. Gerade auf diesem Gebiet aber,
auf dem die unmittelbare Lebenserfahrung so vielen Menschen Stoff zum
Nachdenken bringt, bedarf es der kritischen tzaltung ganz besonders; auf
wMigen liegen unzulässige Verallgemeinerungen, voreilige Schlüsse und
Entscheidungen so nahe wie hier, zu denen indessen jene Schriftsteller gerade-
zu anleiten. Anderseits sind gerade diese Gruppen von gesellschaftwissen--
schaftlichen Fragen so wenig geklärt, daß eine vorurteillose Beschäftigun§
damit für die Bildung der Lebensanschauung oder gar für praktische Ent-
scheidungen nur sehr wenige Grundlagen ergibt. Die schärfsten Köpfe
der Wissenschaft haben diese bescheidnere Einsicht grundsätzlich längst fest«
gelegt, von Bastian, Virchow und Ratzel bis zu Schallmayer, Ranke, tzoer«
nes, Zollschan, tzertz, Vierkandt, Schurtz. Aber trotz ihrer Arbeit kann
noch heute kein Buch auf rein kritische Kapitel verzichten, das sich nicht nur
an Fachleute wendet.

Im zweiten Teil untersucht Techet Europas innere Zusammensetzung
nach Rasse, Nationalität, Geistigkeit, kultureller Entwicklung. Den wich-
tigsten Schluß gibt wohl das s5. Kapitel („Internationalismus oder Euro-
päanismus?"), Hier stellt der Versasser ungemein lichtvoll das Gemeinsame

^ Techet, Völker, Fürsten und Vaterländer, W S. (L. Ioachim, Mün--
chen), geb. (2 M. Ruedorffer, Grundzüge der Weltpolitik in der Gegen-
wart, 252 S. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttg.), geb. 6,50 M. Arndt,
Grundzüge der auswärtigen Politik Deutschlands, 83 S. (Diederichs, Iena),
geh. (,20 M. Handbuch der Politik, 3 starke Bände (Dr. Rothschild,
Berl.), geb. H0 M. v. Wiese, Politische Briefe über d. Weltkrieg, M S.
(Duncker L Humblot, München), 2 M. Deutschland u. d. Weltkrieg,
686 S. (B. G. Teubner, Leipzig), geb. 9 W. (auch in 2 Feldpost-Bänden zu
haben). Steffen, „Krieg und Kultur", 20^ S., geb. ^ M.; „Weltkrieg und
Imperialismus", 25^ S., geb. ^,50 M. (beide im Verlag E. Diederichs, Iena).

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