Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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Deutsche und französische Hochschulen

dem blinden Haß gegen Deutschland, in den sich vor allem
^M-Ldie französische Intelligenz hineingeredet hat, einem Haß, dem der
^(^Weltkrieg neue Nahrung gab, ist es nicht ohne Interesse, Außerungen
über das höhere Anterrichtswesen Deutschlands von französischen Sach-
kennern aus der Zeit vor dem Kriege sich ins Gedächtnis zurückzurufen.
War dies doch eine Zeit, in der hervorragende Franzosen sich noch eine
gewisse Klarheit über deutsches Wesen zu schaffen versuchten und in der
eine diesem gespendete Anerkennung noch als Beweis der Objektivität
gebilligt werden konnte; freilich nur, wenn gleichzeitig die französische
Aberlegenheit in allen geistigen Dingen immer aufs neue betont wurde.

tzeute liegen die Verhältnisse anders: Selbst in der Intelligenz
erblickt man im Kriege einen lang vorbereiteten heimtückischen Aber«
fall. Deutschland, so heißt es, das durch die große Aber«

zahl seiner Truppen die unendlich viel tapferere und intelligentere
französische Armee überwältigt habe, erkannte, daß es jetzt seinerseits
der Aberzahl gegenüberstehe. Es wendete ein teuflisches Mittel an,
um dem gemeinsamen Vorstoß von drei Großmächten zu widerstehen,
nämlich eine Organisation, die seine Kraft vervielfältigt, indem sie den
einzelnen zum willenlosen Sklaven der leitenden Persönlichkeiten macht.
Mit andern Worten: Man erkennt aus den Ergebnissen des Krieges, daß
der „Militarismus" nun auch die deutsche Intelligenz überwunden habe,
ja man liest aus den Außerungen der deutschen Kulturkreise mit Schrecken,
daß diese sich des Zustandes bewußt sind, sogar sich rühmen. Man kann
also in Paris nicht mehr bloß eine „Kriegspartei^ des Aberfalles Frank«
reichs zeihen, sondern macht das ganze Volk dafür verantwortlich, dessen
Tun und Denken sich seit auf den Plan zusammendrängte, den Krieg
gegen Frankreich vorzubereiten, gegen jenes Land, das das Licht der Welt
ist: Deutschland kämpft also für den Sieg der Finsternis; sein Tun und
Denken ist von verbrecherischen Trieben beherrscht.

Diese Gedanken bereiteten sich schon in Friedenszeiten vor. Denn
schon damals erblickte man in jedem Fortschritt Deutschlands einen mehr
oder minder böswilligen Angriff auf Frankreich, in der mit Sorge be«
obachteten Organisation des geistigen Lebens eine gegen Frankreich gerichtete
Bedrohung. Das erschwerte selbst den Franzosen, die nach Deutschland
mit der Absicht kamen, sich über hier herrschende Zustände zu unter-
richten, die Klarheit des Blickes: Sie verfielen immer wieder ins Ver«
gleichen, in ein Abwägen zwischen beiden Nationen, ohne zu bemerken,
daß sie als Partei naturgemäß dabei nicht zu einem richtigen Arteil kommen
könnten. Denn ihre vorgefaßte Parteiansicht hatte in ihnen den Gedanken
der Aberlegenheit Frankreichs zu einer unumstößlichen Wahrheit sich ent-
wickeln lassen, so daß sie alle dieser widersprechende Tatsachen als Schein-
ergebnisse besonderer feindlicher Umstände glaubten sich selbst und ihren
Volksgenossen erklären zu müssen.

So schilderte dicht vor dem Kriege ein Professor der Medizin an der
Aniversität Bordeaux, Dr. Rene Cruchet, auf Grund einer umfassen-
den Bereisung Deutschlands die deutschen Aniversitäten in einem starken
Bande: „Les universites allemandes au XXe siöcle" (Paris (9^)-

Das Buch ist reichlich gespickt mit Ausfällen gegen die Deutschen. Man
lese zum Beispiel den Absatz über die Universität Straßburg, um sich

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