Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Schutz- und Trutz-Abende

Eine Bitte des Dürerbundes

t^-Ans scheintz die Zeit ruft nach einer neuen Art von Volksabenden.
H^Zur Rnterhaltung? Auch: wenn es hergeht, wie jetzt, so sollen
^^wir erst recht nichts beiseite lassen, wäs durch edleren Genuß die
Sinne und die Seelen erfreuen kann. Aber nicht nur zur Unterhaltung.
Auch, um die Gemeinsamkeit zu stärken mit denen drinnen und mit denen
draußen. Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes
Leid: es sind nicht die Schlechtesten, welche jetzt dahejrn das tzohe wie das
Geringe geschwisterlich aufnehmen nnd verarbeiten wollen. Die sich gegen-
seitig nützen wollen, — wo das nicht durch die Tat sein kann, wenig«
stens durch Rat. Helfen beim Durchhalten und dazu über dem Klein--
lichen und Bedrückenden das Starke und Stärkende immer gegenwärtig
zu halten. Mit denen draußen wollen wir im Geiste beisammen sein,
ihre Feldpostbriefe, ihre Feldzeitungen brauchen nicht immer bloß für
den da zu sein, der sie in der tzand hat. Wenn sie draußen Kameraden
sind, sind wir drinnen der Kameraden Verwandte und Freunde, und
also auch 'wieder unter uns Kameraden. Es sind nicht die Schlechtesten,
die das Bedürfnis fühlen, neben dem, was jeder für sich gewinnt, ge-
meinsam mit den Volksgenossen das geistige Nährkorn dieser Zeit zu
ernten.

Beim Nüchternsten zu beginnen: man kann sich nützen, indem man
Kaus- und Küchenerfahrungen nicht bloß plaudernder Weise, sondern
geordnet und ernsthaft bespricht. Wie bereite ich dieses Gericht zu, wie
das, und wenn ich's nicht bekommen kann, wie ersetze.ich's? Nach der
Nahrung kommt die Kleidung dran. Durch das Beraten kann ein ge«
meinsames Taten vorbereitet werden. Und nicht bloß unter dem Ge-
danken des engsten Kreises: es braucht Vorträge und Aussprachen darüber,
welche die weiteren Zusammenhänge beleuchten. Fragen der Wohnung,
der Siedelung, der Bodenreform mit allem Für und Wider sind jetzt
mindestens schon „angewärmt", sie dürften allmählich „brennend" wer-
den. Auch rechtliche Fragen stellen die Kriegsverhältnisse. Dann blickt
die wesentlichste aller Zukunftsfragen, die Kinderfrage herein. Erziehungs-

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Novemberheft ^9^6 (XXX, 3)
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