Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Fritz Boehle in unsrer Kunst

ls ich mit Langbehn, dem „Rembrandtdeutschen", das letzte Mal
zusammen war, kamen wir im Gespräch auch auf seinen „heimlichen
^d^Kaiser" und dann darauf, ob etwas wie „das vielersehnte tzelden-
kind" unsrer Kunst wohl schon im Wachsen sei. Das ist lange her, ich
weiß nicht mehr genau, was Langbehn im einzelnen von Voehle sagte, der
damals ja noch ein ganz junger Bursche war, aber daß er von ihm im
Zusammenhange mit dem „heimlichen Kaisertum« sprach, mit dieser Lr-
innerung irr ich mich schwerlich. Hat Boehle in seiner Münchner Zeit
mit Langbehn verkehrt und ihm Gleiches mit Gleichem vergolten, oder
ist das ein Zufall, daß sein reitender Ritter mit der Fahne wie ein
Bildnis des Rembrandtdeutschen wirkt? Äbrigens gab und gibt es ja
nicht wenige, die von Bohle auch ähnlich dachten und denken. Von diesem
ganz augenscheinlich Starken und ganz auffällig „Andern", der in der
Zeit der Salon-, Tee-, Kaffee- und Kunst-Börsen-Klüngel sich vor Kol-
legen, Kritikern, Kunstmaklern und Enthusiasten mit Riegeln und Grob-
heiten verbarrikadierte und der sie allesamt doch immer wieder zu sich
Zwang.

„Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem andern zu"
— ich mache mir unbekannten Leuten keine Besuche. Aber Boehle
mußte ich damals sprechen, als ich mich entschlossen hatte, die Kunst-
wart-Mappe über ihn zu bringen, denn schreiben tat er nicht. Ich fragte
also in Frankfurt. „Einer der Boehle aufsuchen willl^ Schon der Ge-
danke schien ihnen belustigend, und nun begann ein Anekdotengeschwirr.
In der Nähe der alten Brücke fand ich seine Werkstatt endlich, obgleich
nicht Name noch Zeichen dran stand. Klopfen, Rufen, Pfeifen einmal, drei-
mal, alles bleibt stumm. Also tret ich eben ein. Da reitet mächtig vor mir
der ungeheure Riese Kaiser Karl auf seinem weißen Gigantenpferd, aber,
wie im Gefängnis, im Gerüst. Davor ein schmauchender Arbeiter. Wo
der Herr Boehle sei? Eine Deutung mit dem Daumen über die Schulter
nach oben. Auf dem Gerüst droben einer im Kittel an Karls Kopf. Als

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2. Roveinberheft (XXX,
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