Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,2.1917

Seite: 36
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And doch noch einmal: Bluff
oder Blüff?

iner unsrer führenden Germa-
nisten, Geheimrat Behage^ in
GießeN) schreibt uns:

Wenn ich auf die schon früher
in diesen Blättern erörterte Frage
zurückkomme, so geschieht es, weil sich
hier an einem recht anschaulichen
Beispiel zeigen läßt, wie man in
solchen Dingen zur Entscheidung
kommen kann.

Bluff ist ein Wort echt germa--
nischen Ursprungs. Es könnte also
auch im Deutschen vorhanden sein.
Die für uns entscheidende Frage
ist also die: welche Gestalt würde
das Wort besitzen, wenn es im Deut--
schen von Beginn bis auf den heu-
tigen Tag gelebt hätte.

Das festzustellen, können wir
zwei verschiedene Wege einschlagen.
Wir können prüfen, wie in andern
Wörtern, die dem Englischen und
dem Deutschen tatsächlich gemeinsam
sind, sich das Verhältnis der Laute
gestaltet, wie der Laut x des Eng-
lischen sich im Deutschen wider-
spiegelt. Das heißt in unserm be-
sonderen Fall: wie werden andere
einsilbige Wörter des Englischen im
Deutschen ausgesprochen, die den-
selben Vokal besitzen wie englisch
bluff. Es entsprechen sich zum
Beispiel: lust — Lust, nut — Buß,
rump — Rumpf, smug — Schmuck,
smut —Schmutz, up-mundart-
lich uff, young — jung. Da-
nach ist für englisch bluff im
Deutschen Bluff, nicht Blüff
auszusprechen.

Das zweite Verfahren geht aus
von der Tatsache, daß mit dem eng-
lischen bluff das deutsche Wort
verblüffen verwandt ist. Wir
fragen, was tut das Deutsche in
andern Fällen, wenn sich neben
ein Zeitwort mit dem Vokal ü
ein einsilbiges Hauptwort stellt, das

den Vorgang selbst bezeichnet? Man
vergleiche Bund — verbünden,
Druck — drücken, Flucht —
flüchten, Furcht — fürchten,
Gruß — grüßen, Kuß — küs-
sen, Ruck — rücken, Schmuck
— schmücken, Sturz — stür-
zen, Zucht — züchten. Schein-
bare Gegenbeispiele wie Glück —
glücken und etwa Stück — zer-
stücken wollen nichts besagen, denn
Glück und Stück haben früher
Glücke und Stücke gelautet, sind
also mehrsilbig gewesen, und das e
der Endung ging auf noch früheres i
zurück, das in der Stammsilbe not-
wendig den Vokal ü hervorrufen
mußte. Dem Muster der übrigens
zahlreichen Paare entspricht also
Bluff — verblüffen, und es
führen somit beide Wege zum selben
Ergebnis, zur Forderung der Aus-
sprache Bluff. O. Behagel

Von anderer Seite werden wir
auf zweierlei aufmerksam gemacht.
Erstens: im tzolländischen gibt es
„bluf" für Prahlerei und „bluffen«
für prahlen — ausgesprochen wer-
den die Wörter aber blüff und
blüffen. Zweitens: mundartlich
haben wir im Deutschen auch „b l u f-
fe n". „Der Ofen blufft", das bedeu-
tet: er pufft und qualmt. Sollte viel«
leicht gerade das altgermanisch sein,
so daß daraufhin auch das eng-
lische to bluff zurückgeht? Einer,
der mit seinen Worten „blufft",
wäre demnach jemand, der einem
wie ein bluffender Ofen Gepuff und
Gequalm vormacht.

Aber nun, denk ich, wollen wir ,
diese kleine Aussprache endgül-
tig schließen, sonst könnte uns einer
vorwerfen, wir machen selber zu viel
Gepuff davon. Sie ist eingeleitet
worden, um gegen die englische Aus-
sprache eines gemeingermanischen
Wortes vorzugehn, in dem Punkte
sind wir ja einig. ^ A

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