Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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junger Freund hat recht!" rief begeistert der Friedliche. „Aus der Lrde selbst,
aus ihrer inneren Struktur entspringt die große politische Umwandlung, die
einmal verwirklicht niemals mehr den Unterschied zwischen Völkern der
Mitte und Randvölkern gestatten wird. Daß die erste weltumspannende
Völkervereinigung auf der neuen politischen Erdkugel leider unter dem
Zeichen des Hasses gegen die Völker der bisherigen Mitte erfolgte, daß
sie kein Kind der Liebe war, mögen wir bedauern, aber es darf uns nicht
erschrecken. Die gewaltige Umwandlung vom Kreis zur Kugel erfolgte
als Katastrophe, weil die Menschen zu kurzsichtig waren, um diese Neuig-
keit vorherzusehen, und zu wenig organisiert, um sie rechtzeitig in ruhige
Bahnen zu leiten. Ietzt aber, da wir endlich einsehen, was eigentlich vor-
geht, wäre es höchste Zeit, daß die Wenschheit sich nicht länger von der Ent-
wicklung überraschen und nachschleppen läßt, sondern, daß sie mit eigenen
Gedanken einen Schritt vorausgeht. Da wir leider zurzeit auf die Geistes-
welt unserer Feinde keinen Einfluß ausüben können, sollten wir, die Völker
der einstigen Mitte, damit beginnen, unsere eigene Anschauung richtig zu
stellen. Mußten wir uns bisher vor jedem mächtigen Nachbarn fürchten,
so können wir dies als die Weisheit der Vergangenheit ansehen und dürfen
uns jetzt freuen, wo rmmer ein Volk der Erde sich frei und groß entwickelt,
gerade wir dürfen ihm neidlos zusehen und helfen in Fortschritt und Wachs-
tum; denn es ist unser eigenster Gewinn. Wir dürfen aus vollster Seele
das werden, was unsere großen Dichter und Denker längst sein wollten:
Freunde der Menschheit. Kein Volk der Erde kann vielleicht so vorbehaltlos
und neidlos das Wort aussprechen: Völker der Erde, entwickelt euch; strebt
alle empor, ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens, und je besser
und kräftiger jedes von euch wird, desto runder wird die Erde! Auch für
unsere heutigen Feinde wird das Bestreben, tzaß zwischen uns und ihnen
zu säen, bald eine überwundene Klugheit der Vergangenheit sein. Also
lasset uns abrüsten!"

Doch der Kriegerische fügte bedächtig hinzu: „Abrüsten ist ja ganz gut,
wenn wir gleichzeitig erreichen, daß auch unsere Nachbarn die Kugelgestalt
der Erde ganz und voll auf sich wirken lassen." Karl Brockhausen, Wien

Produktionszwang im Kriege

^^^-iemand streitet mehr darüber, daß es dem Einzelnen in diesem
» Kriege nicht freistehen darf, zu verbrauchen, was und wieviel er
^mag. Heftiger als je aber wogt noch immer der Streit darüber,
ob die landwirtschaftliche Erzeugung durch politische Zwangsmaßnahmen
gefördert, oder ob sie nicht vielmehr durch solche beeinträchtigt werden
müßte.

Irgendwie hat die Anwendung äußeren Zwanges im Wirtschaftsleben
immer üble Folgen; am meisten in der Landwirtschaft. tzier kommt es für
die Erzeugung in besonders starkem Grade auf die Initiative, die äußerste
Selbstaufbietung des Erzeugers, die klügste Ausnützung vieler nur für
ihn wahrnehmbarer Möglichkeiten an. Aber der Krieg ist ein Aus-
nahmezustand, der Ausnahmemaßnahmen erheischt. Volkswirtschaftliche
Freiheit mag das einzig Richtige sein, sobald ein Wirtschaftsorganismus

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