Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

Seite: 144
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Vom tzeute fürs Morgen

Gesellschast zur Erforschung
desDeutschtums imAusland

Man schreibt uns:

^Onlängst ist die Gesellschaft zur
^Erforschung des Deutschtums im
Ausland* mit ihrer ersten Ver-
öffentlichung hervorgetreten: Frie«
drich Teutsch, Die Siebenbürger
Sachsen in Vergangenheit und Ge«
genwart, Leipzig, K. F. Koehler, M6.
Der Krieg hat sie verzögert, der Krieg
sichert rhr aber auch erhöhte Teil«
nahme. Denn manchen wird es
treiben, jetzt, nachdem die Kriegs-
furie auch über Siebenbürgen dahin-
gerast ist, unsere dortigen Volksge-
nossen ungarländischen Staatsbür-
gertums, die Siebenbürger Sachsen,
näher kennen zu lernen. Der evan-
gelische Bischof und Historiker seines
Volks, der dessen Geschichte jetzt der
gesamtdeutschen Offentlichkeit erzählt,
ist der zuverlässigste Gewährsmann,
den man sich wünschen kann.

Äber das Buch hinaus verdient
die neue Gesellschaft selbst Aufmerk-
samkeit. Ihr Charakteristikum ist, daß
sie objektive wissenschaftliche Arbeit
in den Dienst des deutschen
Volkstums stellt. Aber bezeichnend
für die Schwierigkeiten, mit denen
A.nternehmungen diefer Art bei
uns zu kämpfen haben, ist ihre
Entstehungsgeschichte und Organisa-
tion. Schon mehrere Iahre vor ihrer
Gründung hatte sich in den engeren
Kreisen, denen die Förderung des
deutschen Volkstums im Ausland
schon damals am Herzen lag, die
Notwendigkeit ergeben, der prakti-
schen Anterstützungsarbeit eine völ-
lig unabhängige wissenschaftliche
Forscherarbeit zur Seite zu stellen.

* Ihre Geschäfte führt zurzeit Dr.
Traeger, Zehlendorf bei Berlin, Burg--
grafenstraße 7.

So kam denn eine „Zentralstelle zur
Erforschung des Deutschtums im
Ausland" zustande — aber über ir-
gend welche Mittel verfügte sie
nicht. Ls blieb bei der löblichen
Absicht, zu wirklichem Leben gedieh
sie nicht. Was die — inzwischen
sanft entschlafene — „Zentralstelle"
nicht leisten konnte, will die neue
Gesellschaft leisten. Sie will „die
Kunde vom Deutschtum außerhalb
des Deutfchen Reiches wissenschaft-
lich vertiefen und in weitere Kreise
tragen^, stellt sich also die Doppel«
aufgabe der Forschung und Popu-
larisierung. Erreichen will sie ihr
Ziel durch „Anregung und tzeraus-
gabe von Antersuchungen, Darstel-
lungen, Quellenveröffentlichungen,
Literaturübersichten und andere ge-
eignete wissenschastliche Mittel«. MU
Freuden zu begrüßen.

Freilich: vorläufig hat auch sie
keine Mittel. Daher ist sie nicht
in der Lage, von sich aus eigene
Forschungen in Angriff zu nehmen;
sie kann nur denen, die auf diesem
Gebiet arbeiten, eine gute Gelegen-
heit bieten, ihre Ergebnisse zu veröf-
fentlichen, und dadurch mittelbar die
Forscher anregen. Sie ist also sehr
viel weniger, als ihr Name besagt.

Da die Gesellschaft nach dem Mu-
ster älterer gelehrter Gesellschaften
gestaltet ist, kommt das, was ihr
eigener Lebensnerv ist, noch nicht
genügend zur Geltung. Bibliogra-
phische Arbeiten und Quellenpublika-
tionen — gut,- Forschungen dar-
über, was das deutsche Element ir-
gendwo auf der Erde früher ein-
mal geleistet hat — auch gut; aber
es gibt Dringenderes. Festzustellen,
wie viel Anteil z. B. die Deutschen
am Aufbau des nordamerikanischen
Angelsachsentums haben, ist höchst
interessant, aber eine Frage, deren
Beantwortung wir ohne Schaden den
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