Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

Seite: 182
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ist zumeist rot oder rot und dunkelblau (sächsische Nationalfarben), in
neuer Zeit vielfach schwarz. Die Zeichnung ist reich, sehr hübsch und außer-
ordentlich mannigfaltig; originell, zum Teil ganz köstlich sind besonders
die Tierleisten; auch die Motive mit ausgesparten Tierfiguren, bei denen
die ihrerseits schön gezeichnete Stickerei den tzintergrund bildet, sind inter-
essant. Die alten Muster sind von Ernil Sigerus gesammelt und in
Mappen Herausgegeben worden/

Trotzdem es sich um einen deutschen Stamm handelt und trotzdem auch
jährlich tzunderte sächsischer Studenten deutsche A.niversitäten beziehen,
ist ihr Land und ihre heimische Kultur in Deutschland gemeinhin un-
bekannt geblieben. Die Sachsen lebten, umgeben von den hohen Karpathen,
wie in einem fernen Versteck; nun die Deutschen über die Berge zu ihnen
drangen, mögen sie ihrer wunderschönen tzeimat und ihrer so hart er-
strittenen deutschen Kultur nicht mehr vergessen, wie auch die Sachsen stets
eingedenk bleiben werden, daß ihnen ihr unsagbar geliebtes Vaterland
jetzt durch deutsche tzilfe wiedergeschenkt wurde. Else Sigerus

* Emil Sigerus, „Siebenbürgisch-Sächsische Leinenstickereien", 2 Bde., Her-
mannstadt, H. Aufl. Vgl. auch vom selben Verfasser die Mappen: „Durch
Siebenbürgen" und „Burgen und Kirchenkastelle". Kunstwart und Dürerbund
haben auf diese ebenso schönen wie wichtigen Veröffentlichungen schon früher
hingewiesen.

Bom tzeute fürs Morgen

Spätsommerstille

ieviel großes Geschehen wirkt
sich jahraus, jahrein in der
Landschaft aus! Aber hat man
schon bemerkt, wie still alles
kommt, wenn man von den Stür-
men des Vorfrühlings oder Spät-
herbstes absieht?

Nun ist etwas nicht mehr da und
etwas Neues ist gekommen. . . das
ist immer eine Erkenntnis, wenn wir
uns nach den Tagen einer Entwick-
lung beMnen! — Der Frühling ist
tot; die Sonne steht mit vielem wei-
ßem Licht und mit tiefen dunklen
Schatten über dem Land — aber
wie das alles kam: das war ganz
leise, fast unmerklich. Leise, unmerk-
lich, wie das junge leichte Frühlings-
grün und -blühen starb; es ist etwas
aus dem Land gegangen; und etwas
anderes ist da; die Abergänge
werden immer rätselhaft bleiben.

Noch ist das Blühn; und es wird
bleiben bis in den späten tzerbst;

aber jede Iahreszeit hat ihr Blühn;
wie der Frühling blüht, das ist ein-
malig und unsagbar fast. Wenn es
vorbei ist, so macht das der Sommer
mitseinemBlühnnicht gut; ersetztes
nur fort; aber seine Schönheit ist
eine andere. Sie ist dunkler, ver-
träumter, stiller. Alles Grün der
Landschaft, der Wälder, Haine, Parks,
Gärten, das im Frühling so viel-
fältig war, das alle Abtönungen des
Grün zeigte, hat sich ausgeglichen;
es ist ein großes dunkles Grün
übrig geblieben. — Das Blühen hat
auch meist tiefere dunklere Farben;
Geranien, duftschwere Nelken, Ro-
sen; die Gärten stehen voll Blüten
wie im Frühling; aber es schaut
sich ganz anders an; die Beete im
einzelnen, die Gärten im ganzen.
— Etwas ist gegangen; aber man
kann schwer sagen: was — das Laub
der tzecken, der Bäume ist dichter
geschlossen; die Bäume halten in
ihren Kronen dichtes schwebendes
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