Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

Page: 194
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/deutscherwille30_4/0238
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
über. Nun endlich rührt sich das
Neich. Mele werden ohne Zweifel
sofort die stärksten Bedenken dage»
gen haben — was in Sachen Kon-
zessionierung, obrigkeitlicher Zen-
sur und obrigkeitlicher Eingriffe auf
solchen Gebieten bisher erlebt ward,
ermuntert ja anch wirklich nicht zu
vorbehaltloser Instimmung. Und
doch ist die Staatsmacht eben auf
diesem Gebiete die einzige wirk-
liche Macht. Hoffentlich wird das
Gesetz großzügig genug angelegt,
datz es zu einer wirklichen Kino-
reform eine Grundlage bietet. And
wenn nicht — nun, so ist die Stunde
für die Kinoreformer gekommen, ihre
SLimme laut zu erheben, so daß der
Reichstag sie nicht überhören kann.

D.-B.

Kardis und KUmax

Zwei Spiele für Zwei*

ardis ist der Name eines alten
Spiels, das auch „Bohnenspiel"
genannt wird. Der Schah von Per-
sien hat es der Kaiserin Katharina
einst geschenkt, dann ward es verges-
sen. Lrst der unermüdliche Spiel-
kenner F. Iahn hat es im Balten-
land wieder entdeckt, und um 6 M.
oder um 71/2 M. kann man es heute
von den Iüllchower Anstalten be-
ziehen. Seine Vorzüge sind, daß es
zwar binnen wenigen Minuten ge-
lernt, aber nie ausgelernt werden
kann, daß es einerseits ohne jede
geistige Anstrengung auf gut Glück
und Zufall, anderseits aber auch
„aus Berechnung" gespielt und dann
recht verwickelt werden kann. Das

bundes. Callweh, München (9(^,
20 Pf.) und desfelben Verfassers glän-
zende Schrift „Der Kino und die Ge-
bildeten" (Volksverein, München-Glad-
bach (9(5, geb. ( M.). Häfker vertritt
den Gedanken eines Reichskinoanrtes.

" Vgl. den Beitrag „Vom Spiel
und von Spielen" im 2. Iuliheft des
„Deutschen Willen".

ist die schönste Art der Spiele „für
Iung und Alt"! Da es nur aus (2
„Gruben", das heißt: kleinen Ver-
tiefungen in einem Brett, und 72
Bohnen besteht, kann man es zur
Not auch im Freien — mit Lrd-
löchern, Steinchen oder Tonkugeln
spielen, ein Gewinn besonders für
unsere Soldaten im Felde. — Kli-
max ist ein domino-ähnliches Spiel,
das man aus Iüllchow in tzolz für
(1/2, in Ankerstein für 2^/4 M. be-
zieht. Ich schätze dieses Spiel höher
als Domino, da es erfolgreichere Be-
rechnung erlaubt, ohne jedoch rest-
los berechenbar zu sein — man ist
fast bis zuletzt wie beim Domino
von der Augenzahl der Steine ab-
hängig, die man aufnimmt —, und
da es weniger lange dauert und
häufigeren Wechsel in Gewinn und
Verlust aufweist. Auch dieses glück-
lich erfundene Spiel ist leicht zu ler-
nen. Für Lazarette und Lrholungs-
heime, auch zur Sendung in die
Ltappe scheint es mir höchst ge-
eignet. tz. tz.

Unter uns

^m hohen Greisenalter starb kürz-
Olich Karl Ientsch. Lr gehörte
nicht zu den älteren ständigen Mit-
arbeitern unseres Blattes, wohl
aber zu denen, die ihm in den letz-
ten Iahren immer näher kamen.
Seine große Bedeutung als zugleich
volkstümlicher und wissenschaftlicher
Nationalökonom, als Träger der
altkatholischen Bewegung, als kir-
chenpolitischer und theologischer, end-
lich als „freier" Schriftsteller auf
zahlreichen Gebieten des öffentlichen
Lebens und als kluger Autobiograph
kann niemand auf knappem Raum
würdigen. tzoffentlich finden sich
Freunde dieses ungewöhnlichen
Mannes, die sein reiches und frucht-
bares Lebenswerk einmal sammeln
und der Nachwelt erhalten. Welche
Frische ihm noch bis zuletzt eignete,
das wissen unsere Leser aus den Auf-
loading ...