Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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Aber so sehr dieser Gewerkschafter für die ihm folgenden Arbeiter nnd
zunächst nur für sie schreibt, — er verliert doch nicht den Blick aufs große
Ganze des sozialen Organismus, von dem auch die Arbeiterschaft nur ein
Teil ist, auf Staat und Volk. „Das Arbeiterinteresse", so hebt er nach-
drücklich hervor, „deckt sich vollkommen mit dem Interesse der Gesamt-
heit in Bezug auf die möglichste Entfaltung aller produktiven Kräfte'st
Beide werden durch die Ausnutzung des Bodens nach Gesichtspunkten des
privatwirtschaftlichen Vorteils, die von seiner Behandlung als Ware her-
rührt, gehindert an der Verteilung der Bodenschätze und der Verwendung
des Bodens selbst im Sinne der Erzielung der größten möglichen Kraft
zur Gütererzeugung.

Klar und deutlich ist der Punkt herausgearbeitet, an dem am besten sicht-
bar wird, wie in unserer mammonistischen Wirtschaftsordnung der als aller
sozialen Pflichten ledig angesehene Einzelne mit seinem sittlich so sragwürdi-
gen Recht auf Profit in allen Lagen im Mittelpunkte steht. Weniger deut-
lich tritt das Bestreben zutage, hinter den materialistischen Grundgedanken
dieser Wirtschaftsordnnng, daß Wirtschaften in der Beschaffung von Sach-
gütern sich erschöpfe, zurückzugehen auf die seelischen Vorgänge, die den
eigentlichen Ausgangspunkt aller wirtschaftlichen Tätigkeit darstellen. Von
außen gesehen, muß diese Betrachtung an den Anfang den Menschen stellen
als Verbraucher von Gütern und Leistungen, ausgestattet mit dem pri-
mären Anrecht auf solchen Verbrauch. Von innen gesehen, erhebt sich hier
aber die weitere Frage, wieweit die Ausübung dieses Anrechts, dessen
Gebrauch das ganze wirtschaftliche Getriebe in Bewegung setzt, auf wahre
Kulturwerte, wieweit aber auf bloße Scheinwerte gerichtet ist. And die
soziale Tugend der Wirts chaftlichkeit tritt ins Licht in ihrer ganzen
großen Bedeutung als grundlegende Voraussetzung und wesentlicher Be-
standteil jeder Ansdruckskultur, die das ganze Volk erfassen und umfassen
will. Aber der Weg ist in seinem Anfang wenigstens gebahnt, das Ziel
ist geschaut: größte Entfaltung aller schaffenden Kräfte! „In der Beschäf-
tigung mit der Bodenfrage", sagt Brauer in seinem vorhin erwähnten Auf-
satz, „erschließt sich der Sinn für die Bedeutung von Gesamtheit und Einzel-
mensch; kein Schlüssel zwar ist hier gegeben, der alle Rätsel des Lebens
löst, aber viele Fragen des öffentlichen Lebens lassen sich hier lösen, vor
denen sonst alles Bemühen verzagt, Abstand nehmen muß." Rnd am
Schluß seines Buches findet sich der tzinweis auf „das hohe Maß von
sittlichen Auffassungen", die die Voraussetzung bilden für die „Vergesell-
schaftung und soziale Organisation, die sich als natürliche Folgernngen aus
der Arbeitsweise ergeben". Sie führen mit innerer Notwendigkeit zu der
Arbeitskultur, in der sich der wahre Sinn alles auf echte Volkskultur ge-
richteten Strebens offenbart, — wenn nur der für den Anfang entscheidende
Schritt der Befreiung der schaffenden Kräfte in unserm wirtschaftenden
Volke getan wird. L. P. Heil

Vom Heute fürs Morgen

Eine Frage an die derttschen
Grotzgrundbesiher

ach der Besetzung Kurlands
durch die deutschen Truppen im

Iahre lyso haben sich die deutschen
Gutsbesitzer von Kurland zusammen-
getan und erklärt: sie seien bereit, um
der Zukunft des Landes willen ein

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