Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

Seite: 187
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abcr kräftig geholfen hat es nicht.
Welches ist die „Stelle", die hier „be-
fehlen" kann, wer hat die Macht, da
endlich einzugreifen, daß nicht bloß
Geschäftsleute anordnen, was geführt
wird? Erste Listen von wirklich Gutein
durch geschäftlich nicht beteiligte Sach-
verständige zusainmenzustellen, wäre
ein Leichtes, und seit die Volksbil-
dungsvereine sich verbündet haben,
wäre die Stelle da, die solchen Anf-
trag ohne jeden Verdacht heimlichen
Profitmachens ausführen könnte. A

Vor dem neuen Zahrgang

ie Papierverhältnisse haben sich für
uns, l)ie wir infolge unsrer frei-
willigen Einschränkung gleich nach
Kriegsbeginn bei der späteren Zutei-
lung gar Zu knapp bedacht wurden, nun
nm ein Kleines aufgebessert; wir hof-
fen den Lesern fortan wieder mindestens
zwei „redaktionelle" Bogen geben zu
können und kommen dann allmählich
vielleicht auch wieder zu größerer
Schrift.

Den Kunstwart schon wieder ganz
unpolitisch zu machen, geht leider noch
nicht, es wäre eine Faulheit oder eine
Feigheit von uns, sagten wir jetzt:
die Sicherung dieses deutschen Hau-
ses ist nicht unser Beruf, das wir
dreißig Iahre mit haben einrichten
helfen — wenn's brcnnt, muß jeder zu-
greifen. Wem der Krieg die Ruhe

seiner Beobachtung nicht genommen
hat, der muß auch sehn, daß, was wir
wollen, keiner Partei dienen soll, son-
dern dem Vaterlande und dem Mutter-
volk insgesamt: zum Anhören auch des
Gegners bringen, zum Verstehn, wo man
nicht mitgehn kann, und also zur Ab-
weisung des Verketzerns, damit zur
Bündnisfähigkeit und will's Gott zu
einer Verbündung, die in den Nöten
der Zeit fester als Kriegsleim hält. —
Unser Blatt kostet vom Oktober ab
wieder H.50 Mk. vierteljährlich, also so
viel wie im Frieden. A

Das Vorurteil

lles, was Meinungen über die
Dinge sind, gehört dem Fndivi-
duum an, und wir wissen nur zu
sehr, daß die Äberzeugung nicht von
der Einsicht, sondern von dem Willen
abhängt, daß niemand etwas begreift,
als was ihm gemäß ist und was er
deswegen zugeben mag. Fm Wissen
wie im tzandeln entscheidet
das Vorurteil alles, und das
Vorurteil, wie sein Name wohl be-
zeichnet, ist ein Ärteil vor der Anter-
suchung. Es ist eine Bejahung oder
Verneinung dessen, was unscre Natur
anspricht oder ihr widerspricht. Es ist
ein freudiger Trieb unseres lebendigen
Wesens nach dem Wahren wie nach
dem Falschen, nach allem, was wir mit
uns im Einklang fühlen. Goethe

Unsre Bilder und Noten

^U^k^er jetzt nur aufs „Aktuelle" gestimmt ist, meint vielleicht auf den ersten
^/V^Blick auf Artur Michaelis' „Dummheit", diese Radierung solle der
Weltlüge gelten: der Mann vor dem Affenschädel da sei wahrscheinlich
einer von der Entente, der sich aus dem Tierkopf einen Vochekopf zurecht-
phantasiere. Aber so ist es nicht gemeint, der Künstler hat wohl eher einer
antidarwinistischen Stimmung Ausdruck geben wollen. Er erlaube uns, daß wir
auch davon absehen, dieweil man über den Darwinismus sehr verschieden
denken, nicht nur „kann", sondern auch „darf" — für uns handelt es sich
hier nicht um die Gedanken von Michaelis über Darwin, sondern um die
Lharakteristik eines Pfuschdenkers als solchen, die er gibt. Für uns gilt sein
Blatt der Dummheit an sich, die ja auch sehr gelahrt und sehr denkerisch aus-
sehen kann. Dem Riesentier Dummheit, das über der flachen Stirn eine
hochfrisierte Tolle hat, so daß es aussieht, als sei immerhin zureichender
Raum für Gehin: drunter, und die aus aller Verschlafcnheit doch ihre tzand
zu weiscm Dozieren hebt.

Lassen wir auch dahingestellt, wie nah oder fern etwa Ferdinand
Staegers Zeichnung „Selige Kindheit" mit dem Wclttreiben jetzt zusam-
menhängt. Nein, in dcm Alter, das Staeger uns zeigt, stören einen zwischen

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