Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

Page: 188
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dcn Roscn die Ungehcuer im allgemeinen noch nicht. Ich würde aber doch den
„Verantwortlichen" empfehlen, auf ihre Schutzbefohlenen besser Obacht zn geben.
Denn ganz sicher schiene mirs bei dieser Llmgebung sonst nicht, ob etwa an
des lieblichen Kindes ,Stelle bald doch nnr die Rosen zu finden sein würden.

Die Kopfleiste dieses Heftes ist Ansschnitt aus einem jener Dürerschen
Apokalhpsen-Bilder, die wie Prophetengesichte in die Gegenwart hernberblicken,
das Schlußstück ist ebenfalls eine Dürersche Zeichnung.

(?^as Klavierstück „Linsamkeit" von Gerhard Schjelderup, das wir in
-^diesem Heft nach der Handschrift veröffentlichen, mag manchem auf dsn ersten
Blick launenhaft, vielleicht sogar arm an Gehalt erscheinen. Wer sich rückhaltlos
in es versenkt dürfte aber bald anders empfinden. Nicht unkünstlerisches An-
einanderreihen von Einfällen erblicken wir, sondern die Sprache eines reifen
Tondichters, der, im Bann einer starken, völlig reinen Naturstimmung, traum-
haft sicher den Ablauf seiner Eindrücke und Empfindungen aufzeichnet. Wnnsch-
loses Lauschen auf die leisen Flutbewegungen des Windes, auf das Säuseln
der Blätter und den fernen Zug der Vögel; tiefes Aufatmen, schmerzliches
Aufseufzen im anklingenden Gefühl allmenschlichen Ungenügens; langsam kehrt
die Ruhe wieder, einschläsernd fast, cin Vogellaut erklingt, ein Falter wiegt sich
im Sonnenstrahl, bis zuletzt Natur ihr Kind wieder gütig zu sich nimmt und
Pans geheimnisvolle Flöte dem Amzauberten seltsam erklingt. — Ls versteht
sich von selbst, daß der Spieler dem Stück jeden noch so leisen Zug vonPirtuosi-
tät, jede Glätte und pedantische Genauigkeit fernhalten muß. Es will zuerst
studiert und beherrscht sein, aber dann wird seinen ganzen Neiz nur lebendig
machen, wer zu improvisieren versteht, wer von Lakt zu Takt den zartesten
Schwankungen der Stimmung Ausdruck verleiht. So gespielt, wird es einen
weltfernen, aber innigen Zauber ausüben. F G

Herausgeber: Qr. b. e. Ferdinand Avenarins in DreSdcn-Blasewih: vcrantwortlich: der
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In Slterreich-Nngarn jar hcrausgabe n. Schristleltnng verantwortlich: »r.Richard Batka in Wien XIII/s —
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