Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

Seite: 7
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den Abraham; 1567 Nathan mit seinem Sohne. 1578 hatte
aber dieser Jude schon 2 Häuser, eines in der Inden-, das
andere in der Nonnengasse, das jedoch von keinem Semiten
bewohnt werden durfte. 1583 wohnte nebst Nathan auch
hoch Wolf als Hintersasse in der Holzäpfelgasse und 1594
jn der Hadergasse, 1599 war Jud Mayer allein vorhanden
w der Holzäpfelgasse, 1615 bekam er einen Kollegen an
Alexander, von denen jeder ein halbes Haus hatte; 1621
aber hatte Mayer 2 und Alexander keines; 1625 hatte auch
dieser eines aber ein anderer, Namens Joseph, keines, und die
Äritwe des Mayer wohnte im Hauszins. Das Jahr 1631
svar der Judenschaft günstig: Salomon von Hüttenheim be-
kam den Schutz und kaufte von den Erben des Alexander
Und Joseph das Haus in der jetzigen Judengasse mit herr-
schaftlichem Konsense. Im Jahre 1638 befindet sich schon
Ua diesem Hause der Brunnen zu den jüdischen Reinigungen
Und die Synagoge. Jetzt war der Hauptschritt gethan, und
ks ging immer leichter. 1642 erhielt Manasses, der Sohn
des Salomo, die Erlaubnis, sich Häuser zu kaufen (er mußte
§lso Gelder besitzen), und schnell waren es wieder 5 Haus-
haltungen, welche sich so sehr vermehrten, daß 1704 schon
bei 40 „jüdische Seelen" hier waren. Der gutkatholische
Hoch- und Deutschmeister Johann Kaspar von Stadion redu-
zierte die Zahl der Juden 1638, denn den ärgsten derselben,
^Holf, Hajnm und Moses, wurde die Auslage gemacht, binnen
eines Vierteljahrs das ganze Ordensgebiet zu verlassen, aber
1656, den 4. Juni, erhielt von dem Deutschmeister Erzherzog
Leopold Wilhelm zum erstenmal der Jude Salomo und seine
beiden Söhne Manasses und Löw für sich und ihre Nachkom-
men ewigen Schutz gegen die Verbindlichkeit, in Gemeinschaft
Mit den Juden in Ailringen, Edelfingeu, Jgersheim und Mar-
kelsheim 11 herrschaftliche Jagdhunde und die zum herrschaft-
kicheu Dieust nötigen Postpferde zu halten. Von demselben
Deutschmeister erhielten sie auch den 1. Mai 1658, nachdem
eine Synagoge schon länger bestanden, die Erlaubnis zum
^au einer neuen. 1663 wurde sie zwar geschlossen, aber in
bkinselben Jahre wieder eröffnet und ein Rabbiner gestattet.
(Fortsetzung folgt.)

^as Kloster und die Klosterkirche in Nerercheim.
Bon Pfarrer A. G.
(Fvrtschuiig.)
^ Weitere schwere Zeiten kamen über das Kloster, als die
Mmilie des Stifters ausstarb. Gemäß der Bullen der Päpste
"rban II. (1088—1099) und Honorins II. (1124—1130)
^ar es dein Kloster anheimgegeben, bei Erlöschen des Grün-
bkrhauses sich selbst einen Schutzherrn zu wählen. Der Wort-
gut der Bulle möge hier ein Plätzchen finden: x eorum vero
^dvocutus, ^rmmcliu vixerik, praedictus ülius nosker klnrt-
Lomes Imdeutur, et ejus kilii, si loco illi utiles
^stiterint; alias lratres ipsi, <^uem voluermt, in olücium
Ministern lrujus adsciscant.« Doch wurde ans diese und
Midere Bullen keine Rücksicht genommen und Gras Ludwig
Öttingen nahm ans eigener Machtvollkommenheit Besitz
(Mn Kloster und dessen Eigentum, »^nno 1258, <xuo obiit
mrtmanus Lenior Ludovicus Lomes Oettin§anus; l^ie-
Mklreim cum omnilaus ad id pertinentibus occupnvit, at-
lrinc praedicti Lomites etiam lrujus loci advocati
^serunt.« Wie eine etwas spätere Ehronik vom Jahre
47i vermeldet, hat „der Herr Abbt und Eonvent zu Neres-
gelobet, wie die Herren Grasen von Oellingen ihre
^Mztev gekauft (!?) haben, für sich und ihre Nackü'ommen sich

sonsten im mindesten zu verharren, sondern gegenseitig zu thnn,
was sie die Herrschaft haißt, als ihr natürlicher Herr in
Ewigkeit". Vom Jahre 1371 finden wir weiter einen Be-
lehnungsbrief seitens des Kaisers Karl IV. (1347—1378),
dessen Inhalt wohl der Erwähnung wert sein dürste. Er
lautet ungefähr also: „Wir Karl von Gottes Gnaden Rö-
mischer Kayser. Zu allen Zeiten Mehrer des Reichs und
König zu Jerusalem. Verordnen und Tun kund äußerlich mit
diesem Briese, allen den, die ihn sehen oder hörend lesen, wo-
von der Edel Ludwig der ältere Krafe zu Oettingen, unser
und des Reichs lieber Getrewer, was mit seinen öfteren Briefen
unterricht, und erbetten hat, wir das an die Vogtey des Klosters
zu Neresheim, die er von uns (!) und dem Riche zu Lehen-
Würde, dem Edlen Ludwige etwannc Krafen Friedrichs zu
Oettingen, seines Bruders Eugkelen und andern seiner Ge-
schwistern und endlich verlaut habe und uns in demselben
seinem öfteren Briese demütiglich gebetten, daß wir dieselb
Vogtey den vorgen. Kindern geruhten gnediclich zu Verleyhen,
das haben wir durch manigerley Dienst, die uns und dem
Riche der ehgen. Ludwige oft williclich getan hat, und auch
mit sammt den Kindern noch tun soll Und mag in künfftigen
Zeiten, seine Bit gnädiclich erhöret, Und haben mit wohlbe-
dachtein Mute, mit gutem Rate Unser und des Richs Fürsten
Und Getrewen, die ehegen. Vogtey des Klosters zu Neres-
heim mit allen ihren Rechten, Frcyheiten, Nutzen und Zuge-
hördcn dem obgen. Ludwig dem jüngeren und seinen Ge-
schwistern, Krafen zu Oettingen gnädiclich verliehe:: und ge-
weicht. Mit Urkunde des Briefs versiegelt mit Unfern
Kayserl5ük May. Jnsiegelo — geben Zu Prag nach Christ's
Geburt: dreizehn Hundert Jar und darnach in dem ein und
sybenzingsteu Jare am Palm-Abend. Unserem Riche in den:
fünfunzwanzigsten und des Kavserthums irr dein Sechzehnden
Jahre."
Von dem Zeitpunkte an, als besagter Graf sich Neres-
heim unterworfen nach dein auch im neunzehnten Jahrhundert
schon vorgekommenen Grundsatz: „Gewalt geht vor Recht,"
hörten die Streitigkeiten zwischen den: neuen Schutzherrn und
dem Kloster Jahrhunderte lang nicht aus, Prozeß aus Prozeß,
Klagen über Unterdrückung in Unmasse wurden geführt, Klagen
über Ungehorsam und Widerspenstigkeiten wurden bei den
höchsten Instanzen vorgebracht, und damit das Unheil voll
war, so begann jene Zeit alsbald mit der traurigen Erschei-
nung, daß gegen den rechtmäßigen Abt Ulrich I. ein Gegenabt
Walter I. gewählt wurde. Dieses Schisma dauerte zwar nicht
lange, indem der Asterabt bereits im Jahre 1262 mit Tod
abging, Ulrich die Abtswürde zurückwies und ein fremder Abt
Dietrich II. gewählt wurde. Ihr Ende erreichten die Streitig-
keiten zwischen der Herrschaft Öttingen und dem Kloster Ne-
resheim erst im Jahr 1764, in welchem es als ein unmittel-
bares freies Reichsstift erklärt wurde, dessen Prälat beim
Reichstag Sitz und Stimme hatte. Den Vertrag nebst dem
Besitzstand des Klosters zu dieser Zeit werden wir, um der
Zeit nicht allzuweit vorzugreifen, später ansühren.
Wie über alle geistlichen Anstalten, Klöster, Schulen und
die katholische Kirche überhaupt, so brachen auch gewaltige
Stürme über das Kloster Neresheim herein in dem höchst
traurigen Nesormationszeitalter, und dann während des dreißig-
jährigen Krieges. Unterdrückung, Plünderung, Raub, Brand,
Brandschatzungen könnte man verschiedene Kapitel eines Buches
über den Zustand des Klosters zur damaligen Zeit übcr-
schreiben. Aber nicht nur dieses Klosters, sondern tausend
anderer, sei es in Deutschland, als der Sturm des Luthertums
sieb erhob, sei es in England, als Heinrich VIII. „Papst und
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