Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

Page: 20
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der»; beschränken sich aus zwei, in den beiden Seitenschissen.
Es führen zn ihnen vom Hauptportal aus zwei Freitreppen,
mit gußeisernen, nach spätgotischen Mustern ansgeführten Ge-
ländern.
Drei weitere Glasgemälde zieren die Fenster des Eh ors. !
Alle sind von dem nun verstorbenen, hochangesehenen Möbel-
fabrikanten und Kommerzienrat Friedrich Wirth in Stuttgart
und seiner Witwe Wilhelmine, geb. Wörnle, gestiftet. Das
mittlere, nach den Kartons des früheren Direktors der Kgl.
Kunstschule, Bernhard von Neher gefertigt (C. c. I. 1863,
Nr. 9, S. 144), stellt den segnenden Heiland in seiner Glorie
dar, unter sich die vier Evangelisten. Zu diesem kamen im Jahr i
1884 noch zwei Bilder: das (heraldisch) rechte mit dem Brüder- ^
paar St. Petrus und St. Andreas, das linke mit St. JakobuS
mnjor und St. Paulus. (Fortsetzung folgt.)
Das Nlmer Münster.
(Aus deu 1820er Jahren von einem unbekannten Dichter.)
Zugleich ein Erin n erungs blatt an dieAussichten
des Münsteransbaues vor über 60 Jahren.
Aus dem heitern Laude Frauken,
Wo die Kunst, die hohe, blüht,
Rasch mit fröhlichen Gedanken
Ensingen, der Meister, zieht.
Nach dem Land der schönsten Franc»»,
Nach der Wiege höchster Kraft,
Nach des reichen Schwabens Gauen,
Führet ihn die Wanderschaft.
An der Donau blühendem Strande
Winket Ulm, die freie Stadt,
Die ihn fern vom Heimatlandc
Freundlich «ungeladen hat,
Das; er ans zum Himmel führe,
Einen heil'gen Gottes-Dom,
Dessen Haupt die Sterne rühre,
Und sich spiegle tief im Strom.
Traulich in der Bürger Mitte
Sitzt er dort, ein teurer Gast,
Ihre edle, schlichte Sitte
Seine ganze Seele fasst.
„Dieser Adel, diese Stärke,
Diese milde Frömmigkeit,
Sie verbildlicht in dem Werke,
Spricht er, für die Ewigkeit!"
In der Nächte tiefem Schweigen,
Sinnt er ob dem heil'gen Ban,
Und die kühnen Mauern steigen
Bald gefügt zum Himmelblau.
Lustig schlingen sich im Tempel
Rund die Säulen schlank und leicht,
Und der ew'gen Schönheit Stempel
Zeigt er, glänzend, unerreicht.
Und des Turmes Pfeiler heben
Sich beucht vom Wolkenduft.
Wundersam durchbrochen schweben
Schwere Quader in der Luft.
Weiter streckt und immer »veiler
Hoch den Leib der Niese vor,
Und als eine Himmelsleiter
Wendet sich die Trepp' empor.
Doch des Meisters Wangen bleichen,
Und sein Haar wird silbergran:
Die Vollendung zn erreichen
Bon dem schönen Gottesban,
Will mit Jugendblnt er ringen;
Immer höher, himmelwärts
Dehnt der Geist die mäcbt'gcn Schwingen —,
Da zerbrach das alte Herz.'

In dem Don» ist er begraben,
Keinem ist die Gruft bekannt.
Könnt' ein schön'res Grab er haben,
Als das Werk von seiner Hand?
Wer im Heiligtum gestanden.
Hat von Ahnnngsschnn'r dnrchbcbt
Wohl in tiefster Brust verstanden,
Das; sein Geist darinnen webt.
Schön in prücht'gem Zuge »vollen,
Wo vor Gott der Priester traut,
Zn des Domes ernsten Hallen
Festlich Bräutigam und Braut.
Wenn die Chorgesänge schweben,
Wenn die Orgel brausend klingt,
Will's die Betenden durchbebcn,
Das; sein Geist mitspiclt und singt.
Unvollendet schan'n den Tempel
Wir betrübet und entzückt,
Noch hat keine Hand den Stempel
Der Vollendung aufgedrückt.
Bon Jahrhundert zu Jahrhundert
Steigt der Geist ans seinen: Grab,
Blickt vom Tnrmeskranz verwundert
Ans die neue Welt herab.
Einst, so geht die alte Sage,
Wird der Meister aufersteh'n,
Wenn die Welt die goldnen Tage
Alter Kunst wird wiederseh'n,
Wird vollenden seinen Tempel,
Kränz' ans Kränze, schlank und leicht,
Mit der ew'gen Schönheit Stempel,
Göttlich glänzend, unerreicht.
Jetzt ist freilich der Ausbau des Hanptturmes, welche
uvch vor 25 Jahren auch die kühusteu Hvffuuugeu sich nicht
träumeu ließen, kein — Traum mehr, vielmehr nur noch eine
kurze Frage der Zeit; und für die jetzige Ulmer Generativ
ist es eine wahre Lust, denselben und damit eines der deut-
würdigsten Ereignisse Ulms, wenn nicht das denkwürdigste, er-
leben zu dürfen! ?. Deck.

Das Nreuzfest und der groste Kreuzparkikel in
der Klosterkirche^ zu Wiklingen.
Genanntes Fest wird begangen zur Erinnerung an die Ce
Höhung des hl. Kreuzes durch die Kaiserin Helena. Hier (in Wib-
lingen) wird cs besonders festlich abgchalten, weil in hiesiger Klo-
sterkirche ein Partikel des hl. Kreuzes aufbewahrt wird. Derselbe
hat eine Höhe von 15 cm, von den beiden O.nerbalken h^
der obere eine Länge von 4 cm, der untere von 6^2 cutz-
Die ganze Reliquie war bis zur Säkularisation des Kloster?
(1806) in reines Gold gefaßt, jetzt besteht die Fassung ciu?
Messing und Glas. Der Partikel befindet sich hier seit dein
Bestehen des dem hl. Martinus geweihten Benediktinerklosters
zu Wiblingen, welches das erlauchte Bruderpaar HartmauN/
regierender Graf zn Kirchberg, und dessen Bruder Otto, Graf
zu Brandenburg, im letzten Jahrzehnt des elften Jahrhunderts
unter Papst Ilrban II. gründete. Beide Grafen hatten bell
erste»; Kreuzzug unter Gottfried von Bouillon mitgemacht
(1093—1099) und nach den vorhandenen Urkunden diesen
Teil des Kreuzes Christi »pro ladorig praemio« in JernfaleiN
erhalten. Das Kloster hatte sich stets großer Gunst von
seiten seiner Stifter und deren Nachkommen bis zn ihreiN
Aussterben (1220) zu erfreuen, und dieser Umstand trug ge-
wiß nicht wenig dazu bei, daß in früherer Zeit das Kreuzsest
großartig begangen wurde. Zur Zeit der Säkularisation tatst
das Fest mehr und mehr in Vergessenheit und nimmt erst feit
den letzten Jahrzehnten wieder einen erfreulichen Aufschwung-

Stuttgart, Buchdrnckerci der Aktiengesellschaft „Deutsches Bolksblatt".
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