Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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vorhanden, so genügten diese dem Bedürfnisse doch keineswegs,
und wie eifrig man in Beschaffung solcher war, beweist der
Umstand, daß wenige Jahre nach Eröffnung der Druckerei
dieselbe schon in dreiundzwanzig Idiomen setzen konnte. Ein
großer Teil der neuen Typen wurde von Stephan Pao-
lino geschnitten und von Sotile gegossen, ein anderer Teil
gelangte wohl durch die Missionäre, für deren Bedürfnisse die
Anstalt ja hauptsächlich thätig sein mußte, in dieselbe, und
wieder einen Teil verdankte sie dem Kriegsglück. So erhielt
sie z. B. die cyrillischen und glagolitischen Lettern, die Hans
Ungnad, Freiherr von Sonnegg für seine Druckerei in Tü-
bingen von Johann Hartwach hatte schneiden lassen und die
von Simon Auer gegossen waren. Diese Druckerei, vorzüglich
dem Dienste der neuen Lehre geweiht, ging nach dem Tode
des Besitzers ein, die Typen wurden von einem Ort zum an-
dern verbracht und sielen endlich nach der Schlacht bei Nörd-
lingen den Kaiserlichen in die Hände, bei welcher Gelegenheit
sie Kaiser Ferdinand II. dem Papste schenkte und dieser sie
der Propaganda überwies, so daß ein eigener Zufall den
Zweck, für welchen die Lettern bestimmt gewesen, gerade in sein
Gegenteil verkehrte. Im Laufe der Jahre brachte es die
Druckerei zu einem bedeutenden Typenreichtum, mit dem einst
keine Druckerei zu konkurrieren vermochte; man setzte in allen
Sprachen und Idiomen als: abyssinisch, schrift- und vulgär-
arabisch, armenisch, kirchen- und vulgär-persisch, türkisch, syrisch,
hebräisch, rabbinisch, tibetanisch, malabarisch, samaritanisch,
birmanisch, japanisch, chinesisch, bulgarisch, brahmanisch, stran-
gelochaldäisch, nestorianchaldäisch, koptisch, schrift- und vulgär-
georgisch, griechisch, glagolitisch, illyrisch, serbisch, russisch, sans-
krit und ungezählten anderen Idiomen.
Wie es im Zwecke des ganzen Instituts lag und wie
wir auch schon oben erwähnten, war die verlegerische Seite
der Druckerei hauptsächlich und in erster Linie der Missions-
thätigkeit geweiht. So gingen denn zahllose Grammatiken und
Wörterbücher, dem Unterricht der Zöglinge geweiht, aus ihr
hervor, ferner die Nitualbücher des Kultus und schließlich
Andachtsbücher. (Schluß folgt.)
Dir katholische Psarrstrlle zu St. Martin in
Leutkirch.
VII.
Chronologie der Pfarrer.
, Mitgeteilt von Rud. Roth, senior.
(Schluß.)
24) Joh. Deschler von Mindelheim wurde am 25. Sept.
1660 als Pfarrer angestellt. Er war auch Dekan, starb
aber schon im Jahre 1669.
25) Joh. Christoph Mohr von Reichenau, vorher Marien-
kaplau. Er wurde wegen des damaligen Prozesses der beiden
Klöster Stams und Weingarten von dem Bischöfe in Konstanz
als Pfarrer von Leutkirch 1670 eingesetzt und starb am
3. Mai 1676. Noch in demselben Jahre ernannte der Bi-
schof von Konstanz
26) Joh. Franz Mohr, Licentiat der Theologie von
Bregenz. Derselbe hat vier ewige Jahrtäge mit 700 fl. ge-
stiftet ; unter ihm ist der Psarrstadel gebaut worden. Er starb,
erst 32 Jahre alt, am 21. April 1685.
27) Franz Ignaz Kolb, ebenfalls Licentiat der Theo-
logie, wurde noch 1685 vom Bischöfe für die St. Martius-
pfarrei in Leutkirch angestellt; auch dieser Pfarrer wurde
Dekan. Er kaufte in Balterazhofen drei Güter in der Ab-
sicht, ein Armenspital für die Pfarrei zu gründen, konnte

aber leider seinen edlen Zweck nicht mehr ausführen, dcMb
erst 47 Jahre alt, starb er am 4. Mai 1697.
28) Moriz Waibel von Breitenfeld, Dr. der Theologe'
aus Thiengen im Klettgau, wurde nach dem Prozesse dM
beiden genannten Klöster vom Abt in Weingarten zum ersten
male wieder, erst 26 Jahre alt, am 26. September 1697 aC
Pfarrer in Leutkirch ernannt. Pfarrer Dr. Waibel studiert
im Collegium Oermunicum in Nom und war Hoskapk'M
des Bischofs von Konstanz. Auch dieser Pfarrer war in je"M
kritischen Zeit während des spanischen Erbfolgekrieges von
1701—1714 ein eifriger und besorgter geistlicher Hirte uw
Wohlthäter der Armen. Wie einst Pfarrer Mancher, so stM
Dr. Waibel auch bemüht, die Kirche im Innern auszuschmück^
und zu verschönern. Sehr vieles, was er für dieselbe aM
schaffte, geschah aus eigenen Mitteln. Man kann wohl vv
Recht alles dasjenige, was von Pfarrer Mancher erwähch
wurde, auch auf ihn anwenden. Dr. Waibel war ein ebenst
gelehrter Mann als ein würdiger Seelsorger. Im Jahre l^st
erschien von ihm ein Buch unter dem Titel: „Geistlich^
Schatz, oder heilsame Betrachtungen über alle sonn- und stch
täglichen Evangelien und auf alle Tage des Jahres rc." SeM
hinterlassenes Vermögen vertestameutierte er in drei Teile "w
zwar: einen Teil den Armen, den zweiten den bedürftig^
Kirchen und den dritten Teil seinen nächsten Verwandtem
Auch er stiftete laut Testament vom 22. Februar 1734 znst^
Stipendien im Betrage von 3500 fl. und zwar 1) für ^
Studierenden aus der Familie 2000 fl. und 2) zur EriM'
nung eines Handwerks 1500 fl. Dieses letztere Stipendium
soll abwechselnd für Stadt und Land vergeben werden. PsarC)
Dr. Waibel starb nach 45jähriger segensreicher Wirksam^
1742.
29) Alfons Feser von Weingarten ward am 29.
tober 1742 als Pfarrer hier angestellt. Unter diesem PfaN'^
wurde 1752 die Inkorporation der Pfarreinkünfte mit de>>,
Kloster Weingarten vollzogen. Er starb im Alter von
Jahren am 30. Oktober 1757. Das Kloster Weingarts,
machte von seinem erworbenen Rechte Gebrauch und stcm)
hieraus den nachfolgenden Pfarrer mit einem bedingten
trag an, und zwar noch im gleichen Jahre, es war dieses
30) Konrad Ignaz Purtscher, Licentiat der Theolog^
Notarius apostolicus, des Bischofs von Konstanz geistlich'
Rat. Pfarrer Purtscher war vorher schon 19 Jahre lach
Pfarrer in Hagenau am Bodensee; auch er verschönerte
Kirche und war sehr friedliebend und ebenfalls ein gelehsth
Mann. Pfarrer Purtscher machte ein Legat von 200 st. st'
den Musikchor und starb am 10. Mai 1786.
01) Joh. Dom. Rittler aus Aichach bei Weingarten-
war vorher 9^2 Jahre Pfarrer in Hasenweiler und ein lci"
licher Bruder des letztverstorbenen Abtes in Weingarch''
Stadtpfarrer Rittler wurde wie sein Vorgänger unter kch
gleichen Bedingungen am 10. Juni 1786 als Pfarrer in L^
kirch ernannt; er war ein edler, achtbarer Charakter, ein st-'
eifriger und strengrechtlicher Seelsorger, treu und fest in seiM
Neligionögrundsätzen, dabei sehr friedliebend, tolerant und
thätig gegen jedermann, ohne Unterschied der Konfession, M'!,
deswegen auch von allen geliebt und geschätzt. In AbhaltuM
des C
Ritus.
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Pfarrei konnten stets ihre Schulbücher bei ihm unentgeuu
in Empfang nehmen. Während der langen Kriegs- und
rungsjahre war auch Rittler ein Wohlthätcr der Armen- Z,
seiner letzten Krankheit ließ er viele seiner dürftigen Schuld'''

ottcsdienstes hielt er sich streng an den katholtjcv .
Weniger Sinn und Geschmack hatte er dagegen
istlicke Knust. —- Die armen Kinder in der arochst
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