Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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von seinen Soldaten genng zu leiden. Noch bunter trieben
es die französischen Truppen, die ihnen im November desselben
Jahres unter dem Kommando des Marschalls Guebriant folgten.
Sie besetzten Neuhaus, hielten da und in der Umgegend ihre
Winterquartiere und trieben Raub und Brandschatzung. Das
Jahr 1643 brachte kaiserliche, schwedische, sächsische und baye-
rische Truppen, die alle eine Zeit lang hier lagen.
1645 im April wurde Nenhaus von den Franzosen unter
Marschall Turenne besetzt, die Stadt erobert, zum Haupt-
quartier gemacht (der Feldherr selbst wohnte im Schlosse),
Kontributionen und Lieferungen ausgeschrieben. Am 5. Mai
1645 kam es zur blutigen Schlacht bei Herbsthausen, zwei
Stunden voir Mergentheim, in der die Franzosen von dem
bayerischen Generalfeldzengmeister Grafen Franz von Mercy und
dem kaiserlichen General Johann von Werth geschlagen wurden.
Man hatte geglaubt, Turenne werde sich von Schwäbisch Hall
aus gegen die Donan wenden, da zog er plötzlich, um sich
über dem Maine mit den Hessen zu vereinigen, ins Franken-
land, besetzte den Tanbergrnnd von Rothenburg bis Bischofs-
heim und blieb persönlich in der Mitte in Mergentheim.
Mercy hatte sein Hauptquartier in Fenchtwangen und ließ
absichtlich das Gerücht verbreiten, er ziehe sich gegen die Altmühl
zurück, während er in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai in
aller Eile durch die zerstreuten französischen Quartiere durch-
zog und mit Tagesanbruch in der Gegend von Herbsthausen
stand. Turenne hatte bald Nachricht von der Annäherung
der Bayern erhalten; weil er aber glaubte, dieselben wenden
sich gegen Crailsheim, ließ er einen Teil seiner schnell zu-
sammengezogenen Truppen auf den Bergen um Mergentheim
ein Lager beziehen, während er die anderer: Crailsheim zu
dirigierte. Etwa drei Stunden von Mergentheim traf der
bayerische Vortrab auf diese Franzosen, welche sich sogleich zu-
rückzogen. Aber der Bayer machte unter dem Schlachtrufe
Lancta IVlaria einen raschen Angriff auf die von den Fran-
zosen besetzten Dörfer Adolzhansen und Herbsthausen; die
Dörfer wurden fast ganz niedergebrannt, und der Feind zog
sich in das nahe Wäldchen zurück. Hier wurde der rechte
Flügel der Franzosen geschlagen, der linke, der auf einer An-
höhe stand, brachte die Bayern zur Flucht. Da brachte der
bayerische Oberst Hans Jakob Kolb mit drei frischen Schwa-
dronen die Fliehenden znm Stehen, Johann von Werth kam
vom linken siegenden Flügel mit seiner Reiterei, und so wurde auch
der linke Flügel der Franzosen geschlagen. Nocheinmal sam-
melte sich ein Teil der französischen Infanterie in und bei
Herbsthausen, aber er wurde zerstreut. Turenue zog sich gegen
Mergentheim zurück; unterwegs begegnete ihm ein französischer
Oberst, der seine drei Kavallerieregimenter ihm hatte zu Hilfe
bringen wollen; nochmals stürmt er mit diesen in die Schlacht;
aber auch sie wurden geschlagen und in der Erbitterung größten-
teils niedergehanen.
Nun erst floh Turenne nach Mergentheim, aber auch
hier war seines Bleibens nicht mehr: Werth war mit seinen
Reitern zugleich mit den Franzosen in die Stadt eingedrungen.
Die Franzosen zogen nun über Bischoföheim nach Hammel-
burg und Fulda. Mercy zog am Abend iu Mergentheim
ein und ließ seine Truppen das von den Franzosen abgesteckte
Lager beziehen. An demselben Tage noch ergab sich die 200
Mann starke Besatzung des Schlosses Neuhans, unter der 170
Deutsche sich befanden im Dienste des Vaterlandsfeindes, o
der Schmach! Da siel dem bayerischen General eine köstliche
Beute in die Hand: das Silbergeschirr Turennes, zwei mit
Geld beladene Maulesel und eine von dem Würzburger Bi-

schöfe dem französischen Marschall geschenkte Equipage mit
6 Pferden. Ebenso mußte sich am folgenden Tage die 250
Mann starke französische Besatzung des Schlosses in Mergent-
heim ergeben; hier wurden viele Pferde, Munition, die Kriegs-
kasse und die von Turenne geraubten Schätze erbeutet. Fast
alle Häuser iu Mergentheim wurden aber auch mit Verwun-
deten angefüllt, die deutschordenschen Unterthanen allein be-
gruben gegen 2000 Tote. Der Verlust wurde aus beiden
Seiten zu je 6000 Mann geschätzt.
Als im Jahre 1777 die Straße von Mergentheim nach
Herbsthausen angelegt wurde, mußte ein Hügel abgetragen
werden, unter welchem sich viele tausend Knochen von Men-
schen und Pferden, sowie Lederzeug fanden.
Doch Turenne hatte von dem schönen Mergentheim nicht
für immer Abschied genommen: Ende Juni 1645 wurde das
Taubcrthal schon wieder von ihm besetzt, Mergentheim und
Rothenburg erobert und dem ersteren wieder die Ehre des
Hauptquartiers zu teil, während Königsmark zu Grünsfeld,
Gnise zu Königshofen und Enghien zu Bischofsheim lagen.
Letzterer kam auch am 15. Juli 1645 nach Mergentheim, 1646 und
1647 lag ein schwedischer Oberst auf dem Neuhaus mit seiner
Truppe. Er hielt die Festung für so mächtig, daß er 1647
an den schwedischen Feldmarschall Wränget schrieb, mit einer
ganz geringen Besatzung könne Neuhaus längere Zeit einer
großen Armee Widerstand leisten. Das zeigte sich auch als-
bald wirklich: Im Februar 1647 kam der schwedische Mar-
schall Königsmark mit all seinen, besonders iu Schwaben ge-
raubten Schätzen, die er auf dem Neuhaus in Sicherheit
brachte, hier an. Aber bald kamen die Österreicher unter
Johann von Werth und belagerten die Festung volle drei
Wochen. Sie konnten dieselbe jedoch nicht erobern, obwohl
über die vier schwedischen Regimenter im Neuhaus nur eine
Frau, die Gemahlin des Königsmark, das Kommando führte.
So blieben die Schweden in: Besitz der Festung sogar
bis nach dem westfälischen Frieden, nämlich bis zum Eude
des Jahres 1650. Es waren Exekutionstruppen, die sich acht-
zehn Tage lang hier aufhielten, um eineu Teil der dem frän-
kischen Kreis auferlegten, mehrere Millionen Thaler betragenden
Brandschatzung zu erheben. Sie räumten Neuhaus und das
fränkische Land erst dann, als sie die enorme Kontribution
gänzlich erhoben hatten. Das waren die Leiden nur eines
kleinen Fleckchens deutscher Erde während des 30jährigen
Religions- und Bruderkrieges. Nichts als Verödung und Ent-
völkerung in den fränkischen Ländern, Raub, Mord, Plünde-
rung, Verwüstung durch Feuer und Schwert, 1634 und 1635 Miß-
wachs, Pest und Teuerung, so daß sogar das Pfund Pferdefleisch
20 kr. kostete, unausgesetzte Bedrückungen und Einquartierungen,
von Freund und Feind, wiederholter Neligionswechsel, das ist
in kurzen Zügen das Gemälde jener Zeit. (Forts, folgt.)

Miszellen.
Lahberg in der Klosterschule zu Salem. — In dem Eister-
cieuserreichsstift Salem (oder Salmansweiler) war schon seit langer
Zeit eine Lehranstalt mit Pensionat eingerichtet, in welche auch Freiherr
Jos. v. Lahberg, der nachmals so bekannte Germanist und Sammler,
in seinen jüngsten Jahren gegeben worden war. Meister „Sepp von
Eppishanseu" wuhte nachmals viel von der harten Zucht darin zu er-
zählen, wie die Schulzimmer nie geheizt gewesen und die Tinte im
Winter zu Eis gefroren sein soll und wie er einmal einst, ein sechs-
jähriger kleiner, mit rotem Mäntelchen angcthaner Junker sich ans dem
Weg zur Kirche weinend vor Frost auf den Schnee geworfen habe. -
U. W. besuchte auch der zu Salem i. I. 1774 geb. st Bischof Joh. Bapt.
v. Keller die überhaupt im vorigen Jahrhundert zahlreich frequentierte
Klosterschnle daselbst. I'. eclc.

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Bolksblatt".
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