Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

Page: 37
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mit periodischer kirchengeschichtticher Weltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Rottenburg.


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Ntit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten herausgegeben
von vr. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenzen wollen gefl. direkt an vr. Engelbert Hofele, Pfarrer in Unnnendorf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. 10. Stuttgart, den 15. Mai 1888. Z. Jahrgang.

Inhalt: Bericht des vr. Reichnrdt, Gesandten der schwäbischen Prälaten ans dem Reichstag zn Augsburg 1559, über die am 24./25. Februar
1559 in der Frauenkirche zn Augsburg für Karl V. gehaltene Totenfeier. Mitgcteilt von De. Giesel. — 0LtnloLU8 Luperiornm et
liectorum LoIIeLli 8. 7- Uottenbur^ensis. (1648—177z.) (Schluß.) — Die ehemaligen nenn Kaplaneien in Lentkirch. Bon ihrem Ur-
sprünge an bis zur Jetztzeit oder bis zn deren Aushebung und Einziehung. Mitgeteilt von Rnd. Roth, 8en. — Bilder ans der Geschichte
Mergentheims. Von Prof. Sambeth in Ailingen. (Fortsetzung.) 12. Wiederherstellung des Kapuziner-Klosters. — Berichtigung. — Lit-
terarisches. — Beilage: Augsburger „Reformatoren". Historisch-kritischer Beitrag zur Geschichte der „Reformation" von Dr. Patrizins
Witlmann, Ritter des päpstlichen St. Gregorius-Ordcns. (Fortsetzung.)

Bericht des Vv. Rrichardk, Gesandten der schwä-
bischen Prälaten aus dein Reichstag ;n
Augsburg 1560
über die am 24.Z25. Februar 1559 in der Frauen-
kirche zu Augsburg für Karl V. gehaltene
Totenfeier.
Mitgcteilt von Ile. Giesel.
Nachmittags 2 Uhr wurde die Prozession aus dem kaiser-
lichen Palast folgendermaßen ausgestellt und ging auf einer
Bretterbrücke bis in den Dom: zuerst die Schüler, die ganze
städtische Klerisei, eine große Anzahl Prälaten ans Schwaben
Und Bayern, der Erzbischof von Salzburg, geführt von den
Bischöfen von Gurk und Lavant, zuletzt der Kardinal von
Augsburg, Otto Truchseß von Waldburg, geführt vom Dom-
Propst von Freising und Propst Rem.
Darauf kam das kaiserliche Hofgesind, die Gesandten der
Städte, der Rat zu Augsburg, 12 Trompeter, 13 Pferde, 13
Fahnen, die 4 Grbämter mit der Krone, Scepter, Reichsapfel,
Panner und dem Schwert in der Scheide, nach unten gekehrt.
Darauf folgten die Gesandten von Fürsten, Prälaten und
Grafen, der Kurfürst von Mainz, die kurfürstlichen Ge-
sandten, 4 Herolde, des Reiches Marschall mit dem bloßen
Schwerte, die Kaiserliche Majestät mit dem goldenen Vließ
Und nach Ihrer Majestät die 4 Personen, so die Klage neben
Ihrer Majestät geführt. Auf beiden Seiten gingen 200 arme
Personen, in schwarze Kutten gekleidet mit brennenden Wind-
lichtern, daran kaiserliche Wappen hingen.
Wie nun jeder in die Frauenkirche gekommen, blieben die
Bischöfe, Prälaten und der ganze Klerus unten in der Kirche,
die Kaiserliche Majestät samt den Gesandten und Botschaftern
gingen auf den hintern Chor, stellten sich auf die rechte Seite,
Neben Ihrer Majestät der Erzbischof von Mainz, die Ge-
sandten von Trier, Köln und Brandenburg. In der Mitte
stunden die Gesandten, die neben dem Kaiser die Klage führten,
nämlich die Botschaft aus Spanien, Erzherzog Karl, die Bot-
schaft aus Polen und der Herzog von Bayern mit dem gol-
denen Vließ. Auf der linken Seite stunden als Vertreter des
Hauses Österreich Truchseß Wilhelm, der Bischof von Trient, der

Gesandte des Deutschmeisters, die Gesandten von Bamberg, Würz-
burg, Eichstätt, Augsburg, Worms, Speyer, Konstanz, Freising,
Brixen, Regensburg, Passau, Gilg, Kempten und der Vertreter
der schwäbischen Prälaten auf dem Reichstag Doktor Neichardt.
Die Gesandten der Pfalz, Sachsens, Pommerns, Hessens
und Württembergs begleiteten den Kaiser nur bis zur Kirche,
dann machten sie Kehrt. In der Kirche wurden die Vigilien
gar andächtig gehalten, und jedermann harrte bis 6 Uhr
aus. Alsdann ritt der Kaiser wieder in seinen Palast zurück.
Samstag den 25. Februar ritt der Kaiser nach 6 Uhr
wieder in die Frauenkirche, vor demselben die kurfürstlichen
Gesandten, die 4 Herolde, des Reiches Marschall mit dem
bloßen Schwerte, nach denselben die 4 Kläger, die anderen
Gesandten und das Hofgesind. In der Kirche waren alle
Bischöfe und Prälaten in ponkikicalidus.
Ans der Tumba unter dem oaskrum Uoloris war ein
„gülden Stuck", worauf die rechte kaiserliche Krone, des
Reiches Apfel und das Scepter lagen. Das Seelenamt sang
der Kardinal von Augsburg, nach dem Evangelium hielt der
Bischof die lateinische Trauerrede, in welcher er fast eine
Stunde lang das Leben und die Tugenden Karls V. schil-
derte. Nach derselben wurden die 13 Pferde und 13 Fahnen
um den Altar geführt und wurde dabei geopfert. Darauf
ging der Kaiser samt den 4 Klägern und allen Gesandten,
deren jeder eine weiße brennende Kerze, in welche das Opfer
gesteckt war, trng, auch zum Opfern. Die Kerzen wurden vor-
dem Altar dem Kardinal, der einem jeden die Patene zum
Kusse reichte, überantwortet.
Das osllciuni solenne hat der Erzbischof von Salzburg
gesungen und wurden dabei die kaiserliche Orgel und Kantorei
mit allen Instrumenten gar herrlich dazu gebraucht. Nach dem
Gottesdienst ritt der Kaiser wieder in seinen Palast zurück.

LatÄloZ'U8 8uv6k4or'um et, keetovum Lolle^ii 8. 4.
kkotbeiidvrZ'6N3i8. (1648—1773.)
(Schluß.)
23) ?. Maxim. Pisiorini 1722—1725. Er tritt
1722 im Verzeichnis der Patres als Rektor auf; Näheres fehlt.
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