Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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bis zur Jetztzeit nach authentischen Quellen bearbeitet und
geschildert haben, wollen wir in möglichster Kurze auch noch
die Hilsspriesterstellen, die Kaplaneien oder Benefizien, in einer
nach urkundlichen Quelle bearbeiteten Darstellung geben.
Wir müssen uns jedoch gestatten, bei den zwei ältesten,
noch bestehenden Kaplaneien etwas länger zu verweilen und
die Sache gründlicher zu behandeln.
Der kirchliche und religiöse Sinn der Parochianen der
alten Mntterkirche zu St. Martin in Lentkirch hat sich ans
dem tiessten Altertum voll Generationen zu Generationen bis ans
unsere Heit fortererbt. Dem christlichen Volte war ganz
besonders daran gelegen, daß die Gottesdienste recht feierlich
gehalten und die Pastoration in dieser ausgedehnten Pfarr-
gemeinde auch ausreichend versehen werden konnte. Zn diesem
Behufe wurden bald von einem, bald von mehreren Bürgern
zusammen Stiftungen gemacht und dieselben bei dem Stadt-
magistrat hinterlegt, damit derselbe, wenn die Stiftungen eine
ansehnliche Höhe erreicht hatten, Zehnten, Gülten, Renten und
Zinsen antaufen und eine Kaplaneistelle mit dotationsmäßigem
Einkommen errichten konnte. Hiezu war vor allem nötig, daß
man zuerst die Genehmigung und, Bestätigung des Patronats-
herrn der Pfarrstelle zu St. Martin, des Abtes in Stams,
sowie des Fürstbischofs und seines Domkapitels in Konstanz
einholte.
Wir wollen nun diese gestifteten Kaplaneien, deren Stifter
und die von denselben ansgesetzten Stistnngsmittel der Reihe
nach folgen lassen. Wir beginnen mit der ältesten noch be-
stehenden Kaplaneistellc.
I. Die Kaplanei a 6 1i e n t n m lVl n r i n in Vir ^ ine m
et ) o n 11 n e m Unpti 8 tnm et ) o n ir n e m Tvair § e -
1 ist am aus dem Kirchhofe, gestiftet 1345—1418.
Der Bürger Hans Ruprecht in Lentkirch stiftete und er-
baute zunächst eine Kapelle unter diesem Namen ans dem
Kirchhofe. (Derselbe lag damals um die St. Martinökirche und
wurde l540 ans den jetzigen Begräbnisplatz verlegt.) Die
erste diesbezügliche Urkunde stellte der Pfarrer Simon von
Geroldseck ans und lalltet dieselbe also:
„In Gottes Namen Amen.
Wir Symoil Herr ze Gerolzegg und Kirchherr ze Lnt-
kirch ns der Haide tuhn knick Allen die diesen Brief sehen oder
hören lesen, und vergehn öffentlich das wir mit guter Betrach-
tung durch Gott und unser Seelen willen erlaubt habend, dem
Erbaren Mann Johannsen Luprecht Burger zu Lntkirch zu
Banen und ze stiften Gott ze Lob und ze Eren, die Eapell
in dem Kirchhof der vorbenannten unser Kirchen ze Lntkirch'
doch also mit dem Gedinge (Bedingniö) das er diese Capelle
besorgen lind bewidmen soll, das sie uns und unfern Nach-
kommen vorbenannter Kirche kein Schaden sei, und daß zn
wahrer Urkund, so gebeil wir mit diesem Brief besiegelt mit nn-
serm Jnsiegel. Der Brief ward geben ze Lntkirch do man
zelt von Christi Geburt dreizehnhundert und fünf und vierzig-
stes Jar, am Samstag nach Michaeli (am 4. Oktb. 1345)."
In einer Urkunde vom 24. Juni 1350 gestattete der-
selbe Pfarrer Herr voll Gerolzeck, lim den Ban dieser Kapelle
richtig ausführen zu können, daß der Stifter, Hans Luprecht,
einen kleinen Teil der Hofstatt oder des Pfarrwiddnms daselbst
überbauen dürfe, und verzichtete für sich und alle seine Nach-
saszikel Nr. 423. Nr. 424, 350 und 6511>: dir Originaldokumente der
Kaptanei Uli keatnm Kuriam vircrinem, el /nti. el Molimin.
; Roths Geschichte von Leutkirch und der Leutkirchcr
Heide II. Bd. S. 109—145 und die Mauchcrsche Pfarr- Mid Kirchen-
chronik.

solger ans jeden rechtlichen Anspruch dieses kleinen Grund-
stückes.
Der Stifter, Hans Luprecht, hatte für Bewidmnng oder
Dotierung bereits Sorge getragen. Laut einer Urkunde vom
23. April 1348 erwarb er sich eine Zillsgülte von zwei
Malter Korn und zehn Schilling-Pfennige von einem Hose
in Adelshardshofen, welche er als Fnndation dieser Kapelle
schenkte. Hans Luprecht stiftete für sich und seine Familie einen
ewigen Jahrtag mit 15 Schilling-Pfennige Konstanzer Münze,
der alljährlich in dieser Kapelle gehalten werden sollte. In
dieser Urkunde heißt es wörtlich also:
„Aus Lupfen Gesäß (Anwesen) in Mittelhofen fünf
Schilling-Pfennige, von Blänken Gesäß in derselben Vorstadt
gelegen vier Schilling-Pfennige, ans Mayen Gesäß daselbst
in Mittelhofen gelegen drei Schilling Pfennige, von Kaspar
Wänzen Gesäß in der niederen Vorstadt drei Schilling-Pfen-
nige. Beglaubigt mit dem Stadtsekret-Jnsiegel am 4. Juli
1357." (Siehe Archiv pro 1885 Nr. 12, S. 95.) Hans
Luprecht stiftete noch weiters eine Zinsgülte mit zwei Malter
Haber und sechs Schilling-Pfennige auf Dotzmanns Hof in
Mittelhofen (Untere Vorstadt) gelegen.
War Hans Luprecht schon für die Erbannng und Unter-
haltung der Kapelle besorgt gewesen, so bemühte er sich und
sein Sohn Feiten Luprecht und seine Nachkommen, die Ein-
künfte derselben zn vermehren nnd für Anlegung eines Grund-
stockes Sorge zn tragen, um so nach und nach eine eigene
Kaplaneipfründe errichten zn können. Friken Luprecht hatte
am 21. Januar 1386 eine Zinsgülte von zwei Malter Haber
nnd drei Schilling-Pfennige ans einem Hofe in Wnchzenhofen
für diese Kapelle angetanst.
Ans einer Urkunde, welche leider nnr hälftig leserlich ist,
kann man nnr so viel entziffern, daß derselbe Luprecht den
Zehnten in Maggmannöhofen nnd verschiedenen andern Ge-
höften (Pfarrei Franenzell, bayerisch) sich erworben nnd den-
selben ans folgende Weise verschenkt hat. Es solle hievon
die Pfarrstelle in Urlan (diese Orte gehörten damals
dorthin in die Pfarrei), die Pfarrstelle Franenzell und llg
diese Kirchhoskapellc resp. spätere Kaplanei das Bezugsrecht
dieses Zehntens haben. Die Sache wurde dann so gehalten,
daß der Bezug dieser Zehntrechte zwischen diesen drei Stellen
jährlich oder auch je nach drei Jahren wechselte.
Diese Urkunde ist beglaubigt mit des Pfarrers llli in
^Franenzell, des Stadtpfarrerö, Dekan, Ledergerber in Leut-'
kirch und des Stadtamannö Hans de Burg Jnsiegel in Lent-
kirch am 15. März l406. (Schluß folgt.)

-Bilder ans der Geschichte -Mergentheim;;.
Von Pfarrer Prof. Sainbeth in Ailingen.
(Fortsetzung.)
Zum Glück erfuhr auch meine Vaterstadt die Wahrheit
des Wortes: „Unter dem Krnmmstab ist gut leben." Die
Hoch- nnd Deutschmeister thaten alles, um den Wohlstand zn
heben. So erlaubte z. B. unmittelbar nach Beendigung des
schrecklichen Krieges, am 15. Juni 1650, der Hoch- und
Deutschmeister Erzherzog Leopold Wilhelm schon, wonach in
neuerer Zeit so manche Stadt geseufzt und was sie nnr schwer
erlangen konnte, nämlich die Schleifung der Festungswerke
um Schloß und Stadt zum Behuf der Anbaunng. Von an-
dern Wohlthaten will ich nnr anführen die
12. Wiederherstellung des Kapuziner-Klosters.
Wir haben gesehen, daß das Kloster bei der Belagerung
der Stadt durch Horn gänzlich demoliert wurde. Sein Statt-
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