Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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und Betrachtung bis 5 Uhr, 6 Uhr coenu mit Icctio 8piri
tuuIlZ. daun Gebete für die Wohlthäter, Oiachtgebet mit Litanei
zum hl. Franziskus mit Psalm cle prosunUis, au Freitagen
ckisciplinu corpornlis, Angelus morgens 5, abends 7 Uhr.
An den hohen Franziskancrsesten predigten öfters fremde Fest-
prediger. Am Antoniusfest (13. Juni) 1781 predigte Kuno
Schiedmüller, Panliner-Eremit in Nohrhalten und Professor
der Theologie, wobei auch aus Stuttgart die zwei Hostapläne
Hofsmann und Weisser beiwohnten, von Hosen kam hiezu eine
Prozession, darunter auch die Zöglinge des herzoglichen Mili-
tärwaisenhanses. Am 2. August 1781 predigte am Portiuu-
kulafest Ernst Steigentesch, geistlicher Nat des Bischofs von
Hildeöheim und Pfarrer in Unterboihingen. Oesters kamen
auch Besuche ins Hospitinm ans Augsburg, besonders von der
Familie Obwexer, die dem Kloster viele Wohlthaten erwies,
ferner ans Ludwigsburg und Stuttgart, auch von seiten der
dortigen Hostapläne, von welchen drei einstige Kollegen, Seiz,
Jäger und Weisser, 1769—84 Pfarrer zu Oeffingen gewesen
sind?) Am 4. August 1790 sang das Hochamt am Frauzis-
knsfest der Ortspfarrer Zihler, dabei celebrierte zugleich Hos-
kaplan Bleimbimhaus aus Stuttgart und sein Freund und
früherer Amtsbruder Eulogius Schneider, Professor in Bonn
„huonclum l^ranciscunus Urovinciue nostrue, ^u^ustuc
I^ector UlüIosopUine, Xutione k'runco, et Ooncionutor
7Vu1icu.8 LtuU^urcliue, nunc uutcm UispensutuZ", wie der
damalige Superior Julian Burkardt, Epguardiau zu Rastatt,
in der Ehronik ausdrücklich bemerkt hat. Wahrscheinlich war
dies Schneiders letzter Besuch in Schwaben, am 12. Juni
1791 ging er nach Straßburg und starb auf der Guillotine
in Paris 10. April 1794?) Vor dem Hochamt predigte um
9 Uhr der damalige Pater Oktavian Wendelstein aus Rotten-
burg, später Superior der Franziskaner in Oeffingen. Schon
1778 (8. Dezember) feierten letztere unter ihren Festen auch
das I^estum Immuculutue Eonceptionm st. iVluriue Vir-
§inm. (Fortsetzung folgt.)

Das Nloster und die Klosterkirche in Neresheim.
Non Pfarrer A. G.
(Fortsetzung.)
Bevor Kuoller nach NereSheim berufen wurde, war
er Hofmaler beim Statthalter von Mailand, einem hohen
Kenner und Gönner der schönen Künste und Wissenschaften.
Dieser sandte ihn zu seiner Ausbildung nach Salzburg und
Wien. Von dort begab sich Kuoller nach der ewigen Stadt
und war dort Schüler, später Lehrer. Seine Hauptwerke be-
finden sich außer NereSheim in der Pfarrkirche seines Heimat-
ortes. und wurden diese Kunstwerke im Jahre 1853, als
Steinach fast ganz abbrannte, mit übermenschlicher Anstrengung
gerettet. Ferner in der Klosterkirche zu Volders und GrieS bei
Bozen, in der Kirche zu Ettal, und sein Meisterstück soll nach
Kennern sein die heilige Geistsendung im Bürgcrsaal zu
München. Für sechs Jahre soll er engagiert geworden sein,
habe abcr^iu dieser Zeit nur 21 Monate und '17 Tage ge-
arbeitet. Für jede Stunde habe er einen Dukaten erhalten.
In einer Ehronik fanden wir, daß er 18 810 Gulden erhielt
nebst einem Geschenk in Goldwaren von 2055 Gulden, seine
,vrau aber als Geschenk ein Tafelservice von 50 Gulden im
Wert. Ob diese Summe mit der Dukate stimmt, haben wir
nicht ausgerechnet. Abt Benedikt Maria, unter dessen Rc-
Diözes.-Archiv 1888, 3.
*) Diözes.-Archiv 1884, 53.

gierung der Bau aufgeführt wurde, sah streng daraus, daß du'
Künstler ihre Zeit genau ciuhielteu. Er stellte den Abt
Maurus als Eustos aus über Knoller und werden wir später
sehen, wie originell Knoller seinen Eustos strafte. Diest
Eustodie, verbunden mit andern Mißhelligkeitcn, brachte den
Künstler soweit, daß er eines TagS sein Gemälde verließ und
nach Kaiöheim durchbrannte. Obwohl Benedikt nicht leicht
uachgab, diesmal brach Not Eisen, er ließ Knoller öfters er-
suchen, doch zurückzukehren, und der beleidigte Künstler stellte du
Bedingung, der Abt müsse ihn mit seinen vier Rappen holen
lassem Auf dem Viergespann hielt er denn auch seinen zweiten
Einzug, um andern Tags zum Pinsel zu greifen und sein
halb gefertigtes Bild zu vollenden.
Allen Fresken senden wir voraus, daß es schwer ist zN
entscheiden, ob mau den Vorzug geben soll der herrlichen
Komposition, der trefflichen Zeichnung oder der bisweilen un-
übertroffenen Farbenpracht. Unübertroffen ferner ist, wie wie
des näheren sehen werden, auch die Perspektive besonders an
drei der sieben Freskogemälde. Die erste, vorderste Kuppet
oberhalb des Raumes hinter dem Hochaltäre enthält das heilige
Abendmahl. Im runden Saal befindet sich der Heiland mit
ruhigem Antlitz in der Mitte seiner Apostel. Der heilige
Johannes mit seinem lieblichen Nirgogesicbte ruht au der
Seite des Herrn. Der Saal ist beleuchtet mit der sieben-
armigeu Ampel. Betrachtet man das Bild von der Rundung
aus, so steht der Tisch ganz aufrecht, die Hängelampe hängt
in That und Wahrheit circa einen Meter in den Saal herab
und die sieben Flammen breuuen kerzengerade auswärts, sb
täuschend hat der Meister sein Bild zuwege gebracht. Rechte
gewahren wir einen der Jünger, dessen Füße ziemlich aus-
fallend in ein grünes Beinkleid gesteckt sind. An diese Figur'
knüpft sich folgende Anekdote: Knoller trug grüne Beinkleider
und desgleichen Strümpfe. Wie bemerkt, war sein Eustos
Maurus sehr genau in Verwaltung seines Amtes. Den
Meister ganz zu schauen war ihm wegen des gewaltigen Ge-
rüstes unmöglich, er war aber zufrieden, wenn er das Pedal
desselben mit seinem Zwicker erschauen konnte. Knoller soll
nnn den Fuß dieser Figur längere Zeit vor den anderen Ge-
stalten gemalt haben, um glauben zu machen, daß er oben
bei der Arbeit sitze, wenn gleich er zur selben Zeit iw
Städtchen NereSheim sich befand. In der zweiten Kuppel
unmittelbar oberhalb des Ehores ist dargestellt die Auferstehung
Jesu Christi. Der Heiland, glorreich auferstandcu, steht in
überirdischer Herrlichkeit vor unseren Augen, von hinten ge-
sehen ganz ausrecht, der Faltenwurf der Auferstchuugsfahne
kann nicht schöner geschaut werden, die Engel jubeln ihm zu,
ein Engel, weiß gekleidet, ist wohl der schönste unter den
vielen Hunderten, welche aus den Gemälden angebracht sind-
Unten liegt der besiegte Tod und die überwundene Hölle.
Ersterer ein gewaltiges Gerippe, letztere dargestellt durch Lu-
zifer, Venus und Amor. Luzifer hält eine Gabel, welche
förmlich in die Kirche herabzufallen scheint. Der blaue Mantel
der^Vcnus, ganz in der Luft schwebend, bedarf anscheinend
nur eines Windzuges und er fällt mit samt derjenigen, welche
ihn um ihren Leib trägt, in die Tiefe. Wir möchten jeden
Besucher des Tempels schön bitten, diese Gestalten mit ihren
Emblemen von der Perspektive aus zu beschauen. An den
Wächtern, welche fliehen, gewahrt man so recht deutlich die
Furcht und den Schrecken über das Wunder der Auferstehung-
Im Hintergründe endlich erblicken wir im Dunkel die Stadt
Jerusalem und die drei frommen Frauen, welche kommen, uw
dem Heiland den letzten Liebesdienst zu erweisen. Dieses Bild
ist, wenn nicht daö schönste, so doch dem schönsten das nächste-
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