Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

Page: 77
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I Bestellbczirk Stuttgart M. :
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von Schwaben
— zugleich Organ für deutsche Wrchengeschichte —
mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenburg.


Durch alleBuchhan d-
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werden.

Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten herauögegeben
von Dl'. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf.
Kor re spunden zen »vollen gefl. direkt an vr. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. 20. Stuttgart, den 15. Oktober 1888. 5. Jahrgang.

Inhalt: Bilder aus der Geschichte Mergentheims. Von Prof. Sambeth in Ailingen. (Fortsetzung.) 15. Eine Kapuziner-Gruft.— Das Kloster
und die Klosterkirche iu Neresheim. Von Pfarrer A. G. (Fortsetzung.) — Aktenstücke zur Vorgeschichte der Säkularisation. Mitgeteilt
von Amtsrichter a. D. P. Beck. — Miszellen. — Beilage: Augsburger „Reformatoren". Historisch-kritischer Beitrag zur Geschichte der
„Reformation" von vr. Patrizius Wittmann, Ritter des päpstlichen St. Gregorius-Ordens. (Fortsetzung.)

Bilder aus der Geschichte Mergentheims.
Von Pfarrer Prof. Sambeth in Ailingen.
(Fortsetzung.)
15. Eine Kapuziner-Gruft.
Bekanntlich hat das kaiserlich österreichische Haus seine
letzte Ruhestätte sich ebenfalls in den unterirdischen Gewölben
einer Kapnzinerkirche anserwählt. Seit Kaiser Matthias
(ch 1619) ruhen die meisten Mitglieder des Erzhauseö in ku-
pfernen Särgen hier unten. Natürlich lange nicht so groß-
artig wie die Wiener ist die Mergentheimer Kapnzinergrnft,
in welcher der edle und fromme Deutschmeister Stadion bei-
gesetzt sein wollte.
Im Jahr 1671 wurde die Gruft geöffnet. Da brachte
man die Gebeine des Stifters, welche früher in einem ku-
pfernen Sarg geruht hatten, in einen steinernen, dessen Deckel
mit der Jahrzahl der Eröffnung der Gruft und des Stifters
Wappen verziert wurde. Das Haupt des Entschlafenen hatte
ein Kranz von Silberdraht geschmückt; derselbe wurde ihm
abgenommen und als „Andenken" im Mergentheimer Archiv
anfbewahrt, von wo er wahrscheinlich mit den Akten nach
Lndwigsburg gewandert ist.
In derselben Gruft liegt auch seinem letzten Willen ge-
mäß neben den armen Vätern Kapuzinern begraben Augustin
Oswald von Liechtenstein, hoch- und dentschmeisterischer Mit-
direktor auf dem 1662 zu Wien abgehaltenen Großkapitel des
Ordens, Landkomtnr der Ballei Franken n. s. w., der am
9. Juni 1663 in Mergentheim starb. Sein Bild war früher
im Chor der Kapnzinerkirche auf einem Gemälde zu sehen.
Das Bild stellte einen Ritter mit langem blondem Haare vor,
angethan mit dein weißen Ordensmantel. Die Unterschrift
lautete: „August. Oswald von Liechtenstein, der hochfürstl.
Erzherzoge Leopold Wilhelm v. Oesterreich und Karl Joseph
v. Oesterreich Cammerer und Statthalter zu Mergentheim,
63. Jar seines Lebens, 40. der Statthalterschaft, 9. Juni
1663 seelig entschlafen und bei den Kapuzinern begraben."
Ebenso gab der Hoch-und Deutschmeister Johann Kaspar,
der letzte des Namens und Stammes der Herrn von Am-
pringen ans dem Breisgan, bei Lebzeiten den Wunsch zu er-
kennen, einst in derselben Gruft, in der schon einer seiner
Vorfahren ruhte, seine Ruhe zu finden. Er starb am

9. September 1684 zu Breslau. Wegen der weiten Ent-
fernung von Mergentheim konnte seinem Wunsche nicht ent-
sprochen werden, er wurde deshalb in der dem Hoch- und
Dentschmeistertum eigenen Stadt Frendenthal in der Stadt-
pfarrkirche beigesetzt, aber die Liebe, die er zu den Kapuzinern
und zu Mergentheim in seinem Herzen trug, wurde dadurch
geehrt, daß gerade sein Herz, in einer Kapsel verwahrt, dahin
gebracht und in der Kapnzinergrnft beigesetzt wurde.
Am 7. Oktober 1830 wurde die Gruft abermals ge-
öffnet. Acht schmale steinerne Tritte führen ans der Kirche
in dieselbe, die eine Nute 12 Schuh breit, 20 Schuh lang
und 9 Schuh hoch ist. Zn beiden Seiten auf bloßer Erde
lagen die Skelette von acht Kapuzinern, in deren Händen die
Rosenkränze noch ganz unverwest waren.
In der Mitte der Gruft, ungefähr 4 Schuh von der
hintern Mauer entfernt, stand ans einem etwa 2 Schuh hohen
Gerüste der offene Sarg des am 9. Juni 1663 in Mer-
gentheim verstorbenen deutfchordenschen Landkomtnrs Augustin
Oswald von Liechtenstein, auf dessen Leichnam zwei gerostete
Degen lagen und dessen Kleider und große Allonge-Perücke
zum Teil noch ganz unverwest waren.
Hinter diesem Sarg stand ein anderer von Stein, etwa
3 Schuh lang, 2 breit und ebenso hoch, welcher die Gebeine
des Stifters Johann Kaspar von Stadion in sich barg.
Darin wurden aber nur noch Stücke nnverwesten Tuches und
Gebeine unter einander gefunden. Der Sargdeckel trug fol-
gende Inschrift in lateinischer Sprache: „Im Jahr 1641 am
21. November ist gestorben und im folgenden Jahre am
25. Februar hier begraben worden der hochw. und durch-
lauchtigste Fürst und Herr Johann Kaspar von Stadion, des
deutschen Ordens Hochmeister, dieses Klosters und der Kirche
Stifter und Wiederhersteller. Am 13. Oktober 1671 wurden
seine Gebeine in diesen steinernen Sarg gebracht ans Befehl
und Kosten des hochw. und erlauchten Fürsten und Herrn
Johann Kaspar von Ampringen, desselben Ordens Hochmeister
und des vorgenannten Fürsten von Stadion Großneffen (Sta-
dions Schwester war die Großmutter Ampringens). Was der
Mensch im gegenwärtigen Leben säet, das wird er ernten."
An der hintern Mauer der Gruft, gerade in der Mitte,
ist ein 3 Fuß breiter und 2 Fuß hoher Stein eingelassen, der
folgende lateinische Inschrift trägt: „Hier ruht Johann Kaspar
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