Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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^6 more.-; iiLturu recurnt; Art läßt voll Art nicht.
^.6 8uum c^uemciue ciu3e8bum 3ec(uum 68t 633e 02!-
liäum; ein jeder ist in seiner Hantierung ein Dieb.
^6ver3U3 Dunnm (8oIem) ne lo^uitor (me^to); es
sollt's wohl ein Narr merken.
^.eclidu8 in proprim 021113 e8t mor62cior oinnm; der
Hahn ist kühn auf seinem Mist.
^.e6idu3 e6uctu3 p2trii3, Ii2ditu8c(ue licenter
^uo3 vitulo more3 e33e vi6emu3, Ii2det.
Ein übel heimbgezogen Kind
Halt sich nicht besser als ein Nind.
TLe^u-ilem tibi uxoiem c(u2eie; überweib' dich nicht.
^.e8ox>icn8 §r2culu8; einer, der mit ander Leut' Gut
prangt.
^.e8t33 non 8emper clurabit, con6ite iiicko8; nian soll
Pfeifen schneiden, alldieweil man im Röhrich sitzt.
^etbiop>8 non nlbe8cit; die Kräh' läßt ihr Hupfen nicht,
fronte praecipitium, 2 terZo lupi; er sitzt wie eine
Laus zwischen zween Daumen — er weiß nicht, wo hinaus.
/V§nini8 I3ctibu8 2l1i§2ie Eanem; den Hund über den
Schmerlaib setzen, den Hund an eine Bratwurst binden.
Ii§u3trn 0261111t, V200iii2 ni^rre 1e§untur (Vii§i1);
nach schwarzen Kirschen steigt man hoch, oder: Schwarz ist
Lündisch, weiß ist Futtertnch.
^,Ibu8 nn nter 8it, iie8oio; ich weiß nicht wer seine
Enten oder Gänse sehn.
^Io2 rnultm exitio kuit; es spielen sich eher zehn arm,
als einer reich.
^1ieno8 3§ro3 iiii§23 tui8 8itientidu3; du willst andern
Leuten Ratzen fangen, dir selber aber kannst du nicht Mäns
sangen.
?6ieiiulii ter§u3 in I2t28 6i38002ie corri§m8; von ander
Leut' Leder breite Riemen schneiden.
^lii 8ementem ickoimit, nlü metuiit; der eine macht
den Beutel, der andere schneidet sie ab; der ein' hat den Beutel,
der ander hats Geld.
/^.li^uicl mnli piopter vioinum N12U1111; ein Nachbar
ist dem andern ein Brand schuldig.
^Iiu6 8tan3, n!iu6 3060113; er bleibt bei seinen Wor-
ten, wie der Haas bei der Trummen.
Eltern 11121111 seit Inpiclem, puiiom 08tentnt 2U012;
die seynd böse Katzen, die vornen lecken und hinten kratzen.
Xmieu3 ollnrm; ein Hässelins Freund, Schmarotzer.
^iioop8 e8t 1u6i ulen (ovontu.3); es spielen sich eher
zehn arm, als einer reich.
^Lneilla 8omo1, 111111^112111 I1012; es ist nicht gut, wann
eine Magd Fraw wird.
^.nimu8 in x>o6o3 6ooi6it; er hat ein Hasenherz,
Hasenfuß.
^Lnno ma§no ?l3toni8; Pfingsten auf dem Eis.
^Vnno80 pro8poot2n6uni Intrante rno1o88o; wann die
alten Hunde bellen, so ist's Zeit, daß man hinausschant.
^.nte dnrbnm 60003 3ene8, ante pi1o3 82pi3; das
Ei will klüger sein wie die Hänn.
^-iito lontom andere ollam; der Tochter einen Mann
geben, ehe sie geboren; die Bärenhaut verkaufen, ehe der Bär
gestöcken.
(Schluß folgt.)
Misxellrn.
Intoleranz. In Hamburg, der freien Stadt, war voll der
Zeit der Reformation an bis zn Anfang dieses Jahrhunderts die katho-

lische Religionsübnng verboten. Der kaiserliche Resident daselbst hatte
sich aber als exterritorial im Jahre 1719 in seinem Hause eine katholische
Privatkapetle einrichten lassen. Die zclotischen Prediger hielten dies,
wenngleich es sich nur um eine Hauskapelle und um Privatgottesdienst
handelte, für eine Entweihung des bisher reinen Hambnrgischcn Zion,
und da der Magistrat ihnen zu nachsichtig schien, brachten sie den Pöbel
ans, welcher sich dies nicht zweimal sagen lies; und seiner Erbitterung
gegen die Katholischen oder — besser gesagt — gegen die „Vornehmen"
lind seiner ganz in schwedischer Weise bethätigtcn Zerstörungslust durch
Vernichtung der anstößigen Kapelle und barbarische Plünderung des
Hauses des Gesandten in rohester, in Deutschland wohl noch nie da-
gewesener Weise Luft machte. Natürlich verlangte der darob ergrimmte
Kaiser energisch Satisfaktion. Der gestrenge regierende Bürgermeister
mit einem Ratsherrn und zwei „Ober-Alten" der stolzen Freistadt Ham-
burg mußten sich im Jahre 1721 nach der Kaiserstadt Wien ausmachcn,
vor den Kaiser Karl VI. auf den Knien hinrutschen und demselben in
dieser Stellung im Namen der Stadt Abbitte für die dem Haus und
Reich Habsburg in seinem Vertreter angethane Schmach leisten, allen
Schaden vergütigcn, das Hans und die Kapelle des Residenten wieder
Herstellen und außerdem dem Kaiser 100 000 Reichsthaler Strafgelder
zahlen. — Ist seitdem die Toleranz auch in Hamburg «ungezogen, so
erfreut sich doch die katholische Kirche daselbst immer noch nicht eines
besondern Wohlwollens. Die katholische Gemeinde, welche vielfach
fluktuierende Elemente, namentlich auch Portugiesen, in sich begreift,
ist inzwischen nicht unbeträchtlich angcwachsen und infolge dessen die
ganz unansehnliche und ungenügende Kirche längst viel zu klein geworden.
Den schon längst gehegten Gedanken, einen neuen Tempel zu bauen,
hatten die Hamburger Katholiken in der letzten Zeit der Verwirklichung
nahe geglaubt und zu diesem Zwecke 40 000 M. zusammengcbracht.
Der Papst hatte 10 000 M. gespendet. Der Senat hatte großmütig
einen Bauplatz in Aussicht gestellt; aber — siche da — in letzter
Stunde zog er seine Zusage wieder mit der Motivierung zurück, daß
man mit einem so kleinen Kapital doch keine Kirche bauen könne. Uck.

Laufende Litteratur-Nvtiren
über neue einschlägige Veröffentlichungen in Zeitschriften w.
Von Amtsrichter a. D. P. Beck.
(Fortsetzung.)
155. „Seelc nnd Geist, Begriffc und Bczeichnungen d er
Mystik", von Will). Daniel, a. a. O.
156. „Indische Mystik, das Wesen der Bndd halehrc",
von Sumangala, dem obersten Hohenpriester von Adams Peak in Ceylon,
a. a. O.
157. „Agrippas Oecultismus, ein Auszug seiner
Lehren ans der Occulta pllilosopbla", a. a. O.
158. „Paracelsus, Philipp Aureolus Bombast von
Hohenheim" (mit Abbildung), von K. Kiescwetter, a. a. O.
159. Joh. Jos. Gaßner, von dems., a. a. O.
160. Mesnerismus und strafrechtliche Bemerkung. —
Die Kirche und der Vegetarismus. — Einc 2 pukgeschichte
auf dem Aschcberg, a. a. O. Glaube und Beweis im Gebiete
mystischer Forschung, von Charles E. Masscy, in „Sphinx" 1887.
161. „Der goldene Schnitt und seine unbewußte An-
wendung in Kunst und Technik", von Prof. T. Pfeifer, ebendas.
162. Mich. Nostradamus. — Apollonius von Tyana.
Jnlianus Apostala. — Alchymic. — Astrologie, ebendas.
163. „Der Salemer Hexenprozeß, eine Erinnerung an
alte böse Zeiten" von O. Blümachcr, ebendas.

Erklärung.
Gegenüber der Einsendung betr. die series d>w Baindter Aebtissin-
nen in Nr. 16 d. Bl. S. 64, vergl. mit Nr. 14 S. 56, sieht sich der
Unterzeichnete, um etwaigen Verdacht unzuverlässiger und leichtsinniger
Geschichtsarbeit von sich abzuwehrcn, zu erklären veranlaßt, daß der
Unterzeichnete seiner Zeit aus dem Nachlasse des f Pfarrers Vaecano
einige — anscheinend ans dem Kloster «schussenried stammende — ge-
schriebene series von Pröpsten, Aebten bezw. Acbtissinneu oberschwä-
bischer Klöster zn Händen bekommen hatte, welchen dann die in Nr. 14
d. Bl. bloß als Notiz bezw. Miszelle gebrachte Reihenfolge entnom-
men wurde. Bon dem Unterzeichneten selbst wurde hiebei diese Reihen-
folge, welche, wie derselbe sich erst hernach überzeugte, Crusins'
schwäbischer Chronik (Mvsersche deutsche Ausgabe I. 2. 765, II. S. 645)
entstammt, als nicht zuverlässig und lückenhaft bezeichnet und
in keiner Weise historisch beglaubigt. UcK.

Stuttgart, Bnchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Bolksblatt".
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