Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

Page: 88
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Nathschläge in der Still, und ohne schädliches Aufsehen zusammen zu
traben, etwa nicht wohl ein besseres Mittel als unter wohlgcsinncntcn
Höfen, und deren ohnehin zu Francksurth zusammen befindlichen Ge-
sandtschafftcn eine wohlgemäsngte, von niemand zu vcrübeleude Sprach
dcrgestaltcn zu führen, das; man die Uuglaublichkeit so wohl, als allge-
meine änsserste Schädlichkeit dieses Unwesens zu erkennen geben, und
dabey nicht verbergen, sich allenfalls nicht Preiß geben zu können, alle
ans eine solche Unistürtzuug streben mögende Umstände zum sorgfältigsten
zu vermeiden, wird die allgemeine Nothwendigkeit sehn, mithin so wohl
zu jener also zu betanffcn wollender I^xutrallläts- und 8ecurKäts-Armee
keine Hand zu biethcn, als sich selbstcn beh neutralen Betrag und sonsten
Reichs-Satzu»gs-müs;ig zu behalten, vorzüglich ans die Sicherheit seiner
haltbaren Plätze zu gcdcnckcn, und die Entfernung des Kriegs-Sitzes
von unschuldiger Ständen Landen wohl einstimmig zu beeifern.
Ew. Liebden haben Wir die Ehre zu versichern, das; nicht nur
die Herren Ehnrfürsten von Trier und Eölln, sondern auch die Herren
Fürsten von Eonstantz, Speyer und Augspurg hierinnen gäutzlich ein-
verstanden, sondern auch das Aufsehen beh Chur-Sachsen und Brauu-
schweig und übrigen Ständen dnrchgchends dermassen vorhanden sehe,
und zu Francksurth vcroffenbahre, das; ein genügsamer Fürgang pro
L^llemate zu hoffen, mithin unter göttlichen Behstand noch wohl die
Zuversicht zu hegen sehe, das; mittelst vorsichtiger Zusammensetzung es
so weit nicht käme, und an unschuldige Stände die gewaltsame Hand
so knrtz um nicht werde gelegct werden, da beh jener unglückseligen
Lecularilation in dem Westphälischeu Frieden es gantz anderst kund-
barlichen bewandt gewesen, und jene lacrillcirte Ertz- und Stiffter in den
unsäglichen Krieg nicht nur verflochten, sondern auch in denenjenigen
Händen waren, ans welchen darum andere mehrere losgekanffet werden
müssen.
Gleichwie nun Ew. Liebden Wir sothanc der Sachen Betrachtung
freund-dienstlich anheim geben, und mit Demselben auch Ihrer Gesand-
schafft zu Francksurth all disseitigcr vertrauliches Vernehmen so ver-
gnüglich Uns angelegen sehn lassen; also zweifele nicht, Ihres erleuchten
Gntbefiudeus und vermöglicher Behwürcknng des weitern ehebaldigst
verständigt zu werden, und verbleiben re.

Lateinisch-deutsche Redensarten, Sprichwörter
Mitgctcilt von Amtsrichter a. D. P. Beck.
Auslese aus dem »N38ciculu8 acka^iorum latino-^ermani-
corum« vou Joh. Georg Seybold (Ulm bei Balth. Kühne
1654) — als Beitrag zum nlmisch-schwäbischen Sprachschatz.
(Schlns;.)
/wie tubanr trepicl38; du hast ein Hasenherz.
^.nte victoriam triumpbum canere; Jllh schreien, ehe
mau über den Bach kommt; Haß ruseu, ehedaun er im Netz liegt,
^nticiuu ueris po38e88io nobilitat; alt Geld luacht edel,
/cnticpm ckebita pen83t 83epe numero 8ti3men, vel
^Vccipe paleam, 8i non vult 8olvere nec^uam; an unge-
wissen Schulden soll man Haberstroh nehmen.
^.nticpnorn cliplrtbera lo^uerm; dll redest von alten
Jahreszeiten.
^nu3 lnrci833t (cotboni333t); alte Gaisen lecken auch
geril Salz.
^.pucl men83m verecunclari neminem ckecet; bei dem
Tisch soll man nicht schamhaftig sein.
Xciune furtivae clulciore3; gestohlen Brot schmeckt wohl,
^cpiam e pumice po3tul3re; Bratwürst im Hnndsstall
sncheit, von einem Filzigen viel Almosen begehren.
^^niln c3rbone8 (8c. reperit); es ist ihm bekommen,
wie dem Hund das Gras.
^chuilae non §i§nunt columbam; es zellcht kein Nab'
kein Zeißlein auf.
Xciuilnm cornix provocat; es fordert eilte Kräh einen
Adler heraus, ein ungleicher Kamps.
^rkitrii no8tri non e3k, cinicl qui3ciue 1oc;u3tur (Lato);
wer kann jedermann für das Maul sitzen?! Man muß die
Lem' reden lassen, denn die Gans' können's nicht.

^rbore clejecta cpiivm 1i§n3 colle§it; wo der Zaun
am niedrigsten ist, da will jedermann hinübersteigen; wer da
fällt, über den läufst alle Welt; wann der Wagen fällt, so
hat er fünf Räder.
^.rdore8 cackunt po3t tolia; wann man einem Bauern
den Finger bietet, so will er gleich den ganzen Arm haben.
^.rcanum clemen8 cleteZit ebriet33 (Vir§.); ein Trun-
kener redt Heralls, wie ein Ketz, die kein Boden hat.
^.rckuum conllcit iter, <^ui 3b3o1vitur 3 8corto; wer
von einer Huren scheidet, verrichtet eine gute Tagreiß.
^.r8 cleluclitur arte; man muß Fuchs mit Füchsen
fangen.
^8mi caput ne 1ace3 nitro (a8inu3 8tramen mavult,
ciuLm aurum). Was soll einer Kuh ein Muskat, es thnt's
ihr wohl ein Löcklin Häw; es thuts ihm wohl ein schlechterö
Höltzlein.
^8lnu8 36 Fw3m; ein Esel bei der Sackpseisen.
/r8inu3 e8urien8 ku3tem ne§li§it; es muß gessen seyll,
wären schon alle Bäum' Galgen.
^Vsper ec^uu8 6uri8 contunckitur or3 1upatl3 (Ovick);
Vlarren muß man mit Kolben lauseil. Ans einen grindigen
Kops gehört eine scharse Laug'.
^8periu8 nilnl e8t bumili, cum 8ur§it in altum.
Kein Schermesser schärfer schiert,
dann wann ein Bauer ein Herre wird.
^tllenne nilnl babent commune cum I4iero8ol)mn8;
wie stimbt Christus mit Belial?
^.uckit carniücem, nolen8 auckire Narentem; unge-
ratene Kinder kommen dem Henker unter die Hand.
^Vuloecku8 bat, c^ui citb3roecku8 6886 ne^uit; wer kein
Harpsscn Schläger werden kann, der bleibe ein Pfeiffer.
Xuri3 Natava; er ist so grob als Bohnenstroh.
^ut dik)33 3ut 3de33; man muß mit der Gesellschaft
entweder unten und oben liegen oder sich wcgmachen.
^uxilio incki§ent, c^uac 6c novo emer§unt; Kinder
nlüssen an den Bänken lernen gehen.
Narba viro3, birtaeciue clccent in corpore 8etae
(Ovi6); ein Mann soll nicht zart und glatt, sondern rauh
und wild aussehen.
IZenekicium invito non ckatur; wer das Ferklein haben
will, muß den Sack aufheben.
Nene c^ui latent, bene vixit; unter der Bank neidet
mail niemand.
Ne3tia beginne novit; es keilllt eiil Schalk den andern.
i;i8 ac ter <pio6 pulcbrum e8t; eiil gut Lied soll man
zwei- oder dreimal singen.
Ni8 nwerum e8t 5ui38e felicem; llack guten Tagen
laßt es sich der bösen Nebel gewöhnen.
Noeoticum inZenium; ein grober Gsell, ein grobs
Höltzlin.
Nolum e f3ucibu8 eripere; einem daS Brot vor dem
Mund abschneiden.
Nom p33tori8 63t tonckere pecu8, non 6e§Iubere;
man soll die Schaaf zwar scheren, aber ihnen die Haut nicht
gar über die Ohren abziehen.
Nonum 68t cluabu3 niti 3ncbori3; es ist gut, wann
einer ein Fickmühlen hat.
N08 3lienu8 8ubincke sorÜ8 pro8pectat; ein frembder
Ochsen verlangt immer zu nach Hans.

Stuttgart, Buchdruckerci der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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