Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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Zur Geschichte des Mletkgaurs.
(Aus dem Nachlaß des rastlosen Lokalgcschichtssorschers Pfarrer
Jvh. Ev. Schüttle in Seekirch.)
(Fortsetzung.)
Konrad von Krenkirigen begleitete den Kaiser Friedrich
Barbarossa auf seinen Reisen durchs Reich und so sein Sohn
Konrad den Herzog Bertold von Zähringen. Unter den
Dynastien des Alpegans war dieses Geschlecht an Macht und
Ansehen gleich groß. Konrad konnte zu Kaiser Barbarossa
sagen: „Ich bin an Besitzungen, Leib und Gut so frei, weil
ich es weder vom Kaiser noch von einem anderen empfangen
habe; daher anerkenne ich de» Kaiser, wie ein Geistlicher, für
m einen Herrn, aber nicht meiner Güte r." n. 1262 er-
hielt Heinrich von Krenkingen, als er eben mit dem Abte von
St. Blasien in einen Streit verwickelt war, von dem Bischof
Otto von Konstanz dieStadt und dasSchloßThiengen
mit aller Zugehör als ein Burg- und Mannlehen, das aber
n. 1413 von Dietrich von Krenkingen wieder an das Kapitel
Konstanz, seinen Oberherrn, verkauft wurde. Dietrich war
nämlich der letzte seines Stammes. Konstanz aber gab izt
Thiengen als Pfand an die Ritter von Blumencgg (s. oben).
Heinrich von Krenkingen verließ seine Stammburg und
wählte Schloß Gutenbnrg zu seinem Wohnsitze, bis sein neues
Schloß in Thiengen erbaut war. Dies war die ältere Linie,
die sich gegen St. Blasien bald wohlthätig, bald feindlich er-
zeigte. II, 32. Die jüngere Linie saß in der Burg Weissen-
burg, die Kaiser Rudolph aber zerstörte, weil sie dem Kloster
Rheinau, dessen Schirmvogtei sie sich schon im 12. Jahr-
hundert angemaßt hatte, feindselig war.
Allerdings waren diese Herren einstens mächtige Schutz-
herren des Klosters Rheinau für dessen Besitzungen im Alpe-
nnd Klettgan. Diese Herren hatten ihre vornehmsten Be-
sitzungen in diesen zwei Gauen; allein im 15. Jahrhundert
kamen sie an die Grasen von Sulz (s. oben).
In einem Wappen wird Diethelm von Krenkingen ge-
schrieben , der übrigens, wie sein Bruder Friedrich, der zu
Wisenburg saß, in einer Urkunde von 1295 Herr von Roggen-
bach genannt wird.
Es sei hier noch bemerkt, daß die ursprüngliche Herrschaft
mit dem Stammsitz Alt-Krenkingen im Steinachthale sich auf
das Alpegau beschränkte, auf die Gegend bei der Wutach, an
der Schlücht und Schwarzach aufwärts bis ins Gebirge, bis
gegen den Schluchsee und hinüber an den Bonndorfer Wald.
Die größere Herrschaft der jüngeren Linie mit dem Haupt-
sitze Neu-Kränkingen breitete sich sowohl im Alpe- als Klettgan
aus und kam durch Verkauf n. 1299 an das Haus Oester-
reich. Dieses aber verpfändete diese Herrschaft an die Grafen
von Habsburg-Lanfenbnrg, deren letzter, Hans IV., nur eine
Tochter Namens Ursula hinterließ, welche die Hand Grasen
Rudolphs v. Sulz erhielt und ihm so das Klettgan mit samt
der Herrschaft Kränkingen znführte, n. 1408. Doch hatte
diese Herrschaft von ihrem früheren Bestände längst schon
vieles verloren gehabt.
Sv hatte Heinrich v. Krenkingen, von Schulden gedrückt,
n. 12 75 an den Abt Arnold von St. Blasien folgende Güter verkauft:
In Tuttlingen 1 Hof, 1 Hube und 1 Scopaze mit Ge-
biet und Jurisdiktion; in der Stadt Schnüringen und anderen
Orten, die gewöhnlich Burgstall genannt wurden, nämlich die
Güter Krenchingen und Jsenegge 'sammt aller Zubehör um die
Summe von 35 Mark Silbers, Währung der Stadt Thüngen.
Heinrichs Gemahlin Benedikta willigte ein. Der Verkauf ge-
schah bei Guttenbnrg an öffentlicher Straße. Unter den Zeu-

gen waren Ritter Werner von Griesheim, C. genannt an ' em
Rain, C. von Birchidorf. III, 191/92. 141. Urkd.
n. 1279, 18. Juni, verkauft Conrad v. Krenkingen, von
Schulden gedrängt, 1 Hof in Nockersweiler (Noggenschweil),
Majerhof genannt, an St. Blasien;, es war aber dieser Hof
ein Lehen von St. Gallen. Dagegen gab er als Mannlehen
an St. Gallen von seinen bisher eigentümlichen Besitzungen
in Lausheim und Bachthal, obwohl diese an sich jährlich mehr
ertrugen. Konrad v. Krenkingen verzichtete dabei auf seine
Anrechte. Gesch. zu St. Gallen n. 1279, 18. Juni. Unter
den Zeugen waren Heinrich und Hugo von Dürrheim, Walter
v. Ramstein, Hiltebold von Werstein, Marquard v. Beringen,
Ulrich v. Tranchburg und Heinrich v. Läupen, Mönche in
St. Gallen. An weiterem Adel Conrad v. Stöphelen, Diet-
helm v. Rumestein, Rektor der Kirche in Ulm, Magister Hein-
rich von Peterskirch, Magister Albert, Rektor der Kirche in
Nellingen, Magister Berthold, Rektor der Kirche in Wam-
brechten. III, 195—197. 145. Urkd.
n. 1290, 18. Mai, verkauft Heinrich v. Krenkingen an
St. Blasien seine Besitzungen im Orte Betmaringen und zwar
Schulden halber. Zuvor waren sie sein Eigenthnm und
ein gewisser Walter hatte sie gebaut. Er gab sie mit aller
Zugehör um 54 Mark Silbers. Bischof Rudolph von Cvn-
stanz bestätiget diese VerkanfShandlung. Gegeben im Schloß
Gutenburg n. 1290, am Octav-Tage von Christi-Himmelfahrt.
Unter den Zeugen ist Chnnrad, rector ecclssine in Noeggers-
weiler, genannt von Stadgnn (Stadion), Heinrich, Rektor der
Kirche in Tuengen. III, 226/27. 173. Urkd.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erhielten diese Herren
Roggcnbach-Weissenburg und Steineck. Kürz! S. 68.
Im 14. Jahrhundert finden wir aber das Schloß Noggen-
bach im Besitze der edlen Familie v. Roth zu Schafhausen.
Herr Lutholf v. Krenkingen wußte das Ansehen seines
Hauses noch zu erhalten; als aber nach seinem Tode seine
5 Söhne die Herrschaft getheilt hatten, begann eine schmäh-
liche Haushaltung, bis endlich mit Diethelm die ältere Linie
von Krenkingen erlosch.
Die beiden Familien von Krenkingen und von Wiesen-
bnrg waren Schirmherren des Klosters Rheinau und führten
dasselbe Wappen, nämlich:
Schild quer in 2 Felder getheilt, wovon das untere roth
und das obere weiß ist, mit senkrechtem blauem Balken. Die
Helmzierde enthält das einemal einen Schwanenkopf, das
anderemal eine znckerhutförmige, weiß und blau gestreifte Kappe.
Im 12. Jahrhundert schon traten viele Mitglieder dieser
erlauchten Familie in der Geschichte auf.
n. 1128, 25. Februar ist Heinrich von Kr. Zeug, als
Heinrich, genannt Schndi, bekennt, daß er das Majorat in
Glarus von Kloster Säckingen empfangen habe.
L. 1150 kommt Konrad v. Kr. vor in der Grafschaft
König Konrads und ebenso in dem Handel zwischen St. Blasien
und Kloster Allerheiligen in Schafhausen und n. 1152 in
Sachen der Zelle von Ochsenhausen. Er war auch von König
Conrad zu Konstanz zum Schirmherrn des Klosters Lntzeln-
heim aufgestellt und lebte noch n. 1178, wo er bei Beilegung
des Streites zwischen St. Blasien und Kloster Stein in der
Urkunde erwähnt ist. Auch n. 1177 ist er Zeug in einer
Urkunde Herzogs. Berthold v. Zähringen und noch in einer
anderen n. 1187, I, 363. n. 1152, 7. Jener, bestätiget
Kaiser Konrad II. die Stiftung des Klosters in Tiegelnhcim,
welchem Konrad v. Kr. unter Bedingungen als Schirmvogt
beigegeben wird. III, 79. 53. Urkd. (Forts. folgt.)

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Vokksblatt".
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