Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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alten Zinsbrief ein für allemal für annulliert erklären. —
G. Montag n. St. Johannis tag Sonnwenden 1532. — S.
Die Aebtissin von Baindt. — Perg. Orig. Siegel ab. 493.
1532. Novbr. 14. Propst Peter und der. Konvent
von Waldsee beurkunden, daß sie dem Prior und Konvent
des Klosters Weingarten in ihr Siechenhaus 5 Eimer, und
dem Kaplan an der Liebfrauenkapelle daselbst ebenfalls 5 Eimer
besten Weines aus ihrem Rebgarten und Torggel zu Mark-
dorf, der oben an Jakob Hagnaus und Heinrich Binestock von
Ueberlingen und unten an Paradiesen Gut angrenzt, jährlichen
ewigen Weinzins zu geben verpflichtet seien. Diese 10 Eimer
Wein find den Genannten zu Weingarten von dem Priester
Heinrich Lengmos zu seinem Seelenheile verordnet worden ans
dem halben Teil des Fuder Weingeldes, welches Heinrich
Lengmos und Hans Martin von Bickimos seiner ZeitH gemein-
sam von Propst Wolfhart und dem Konvent von Waldsee
laut eines noch vorhandenen Kaufbriefes erworben hatten.
Das bezeichnte Fuder Weinzins wurde jedoch vom Probst
Peter wieder zurückerkauft unter der Bedingung, daß er und
sein Gotteshaus an Weingarten diese 10 Eimer jährlichen
Weinzins für alle Zeiten entrichten müssen, „gen Marchdorff
in die stat in welches huß sie wend", wofür Propst Peter und
der Konvent hierdurch Gewähr leisten. — G. Dunerstag v.
St. Elßbethen tag 1532. — S. Propst Peter und der Kon-
vent von Waldsee. — Perg. Orig. m. 2 Siegeln. 493.
A. Perg. Strf. -st das spitzovale Siegel des Propstes in dunkel-
braunem Wachs: in gotischen! Kapellenhäuschen d. hlg. Petrus, in d.
Rechten d. Himmelsschliissel, i. d. Linken d. Kelch haltend. — Legende:
s ' clonr ' Netri ' p'po°> . . . ' mollasterii' iu ' äValsse. — Ist Das ovale
Siegel des Konvents von Waldsee, ebenfalls in dunkelbraunem Wachs:
der hlg. Petrus i. d. Rechten d. Himmelschlüssel, mit d. Linken e. Buch
vor d. Brust haltend. — Umschrift: MS SLI - - IX MVLI.SL.st
1534. Febr. 14. Jakob Pur zu Jmmenstad verkauft
an die Aebtissin Margarete und den Konvent von Baindt
einen jährlichen, auf St. Mattheistag fälligen Zins von 15
Schilling Pfennig ab und aus seinem Rebgarten, zwischen
Thomas Kunbachs und Jakob Wischers Weingärten bei Jmmen-
stad gelegen, der jährlich einen Eimer Wein Bodenzins unserer
l. Frau zu Küppenhansen giebt, um 15 Pfund Pfennig. — G.
St. Valentins tag 1534. — S. Hans Ried, des Grafen Friede-
rich von Fürsteiiberg u. z. Heiliqenberg, Amtmann zu Jmmen-
stad. — Perg. Orig. m. Siegel. 494.
1536. Jan. 17. Hans Kopp von Wengen, Jorg
Bcrnhart vom Zwings für sich selbst, Jörg Schmid von Ampfel-
bronn und Peter Geiger von Mühlhausen, als Vogt und
Träger der Anna Veserin von Ampfelbronn, Michel Schunds
von da Witwe, verkaufen an Simon Behem von Haidgau
ihre Wiese zu Ampfelbronn, Unterbauhoser Ried gelegen, für
60 Pfund Heller. — G. Zinstag n. Hillari 1536. — S.
Jörg Forstenhäusler, Untervogt zu Waldsee. — Perg. Orig.
m. Siegel. 495.
1536. Aug. 16. Jakob Haller, Christina Rundoltin
seine Hausfrau und eines ihrer ehelichen Kinder, erhalten in
Anerkennung der von ihrem Vater, respektive Schwiegervater,
dem Gotteshaus Baindt viele Jahre hindurch geleisteten Dienste
gegen einen gewisse» jährlichen Zins von dessen Aebtissin Mar-

ch 1392. Jan. 30. ckr. Nr. 278 d. Bdt. Arch. im „Diözesnn-
Archiv" Jahrgang 1891 Nr. 23.
ch Außen Bennert: „Item, disse Gilt ist abgelöst worden von
Jeronimo Schlaich bropst zu Walsee um 200 rhcin. Gulden miintz,
die er dem Siechmaister Herr Hans Jörgen von rischach, conveiitual zu
wingnrten bezalt hat. Montag nach NemiMscere a. ä. lVU'IMV XXXXII".
1:ui5 I^)eo etc."

garete des Gotteshauses Hofstatt, Hofraiten und Haus samt
dem Baumgarten, alles an einander und bei der St. Johannis-
kirche in ihrem Kloster gelegen, mit einer großen Anzahl von
näher beschriebenen Aeckern, Wiesen und GraSgarten aus Lebens-
zeit zu Lehen. Sie bekommen dazu ans dem Klosterwalde,
genannt das Frauenholz, jährlich 10 Fuder Holz, das sie an
den von des Klosters Forstwart bezeichneten Stellen hauen
und abführen dürfen, außerdem wird den oben bezeichneten
Lehenträgern von der Aebtissin zugesagt, daß, wenn ihr Haus
einer Reparatur bedürftig würde, das Kloster Baindt hiezu
Zimmerholz, Ziegel, Ziegelsteine, Kalk und alles andere Bau-
material ohne Entschädigung liefere, sie, die Lehensleute, aber für
die Instandhaltung der betreffenden Gebäude aufkommen müssen. st
— G. Mitwochen n. uns. l. Frowen tag Jrer Himmelfart
1536. — S. Junker Jakob von Seckendorf-Noldt, Ünterland-
vogt der Landvogtei in Schwaben. — Perg. Orig. Siegel ab?)
(Fortsetzung folgt.) 496. ch

Miszellen.
Der Esels weg. König Friedrich I. von Württemberg hatte einst
einen sehr schlimmen Bergwcg ans der -Münsinger Alb eingeschlagcn. :
Als er sich darüber anfhielt, antwortete einer der Bauernschnlzen: „Ja,
Herr König, da gehen sonst eben nur die Esel hinauf. Diese mehr
als naive Schlagfertigkeit imponierte selbst einem Selbstherrscher, wie
der „dicke Friedrich" einer war, welcher sonst auf den geringsten Wider- !
sprach gleich mit dem Rohr oder der Reitpeitsche oder dem „Aspcrg"
diente. Er wendete sich nach der Antwort des Albschnlzcn bloß zn
seinem darob ganz perplex gewordenen Gefolge mit den Worten:
„Also jetzt wissen wir wenigstens, wer wir sind." —etc.
Zn der Miszelle betr. Herzog Karl Alexander von
Württemberg in der Beil, znm „Diöz.-Archiv" Nr. 22 von 1891,
S. 44: Ein Gegenstück zn der im „Patriot. Arch." enthaltenen Angabe
von der Belagerung nnd Eroberung von Oed en bürg in Ungarn
(statt Ebcrnbnrg) durch Karl Alexander liefert die (erst im I. 1860
im Verlag der. Expedition der württembcrgischen Bolksbibliothck zu
Stuttgart heransgegebene) „Geschichte von Württemberg bis zum Jahr
>740" von Fricdr. v. Schiller, eine Jugendarbeit des Dichters, wo
(S. 230) gar von einer Belagerung und Eroberung Edinburghs die
Rede ist. — cll.
Bezügli ch der Konservierung von Oelgemäldeu berichtet
der bekannte Maler nnd Restaurator Th. Wedepohl in der Krenz-
zeitnng von seinen über ein neu entdecktes Verfahren angestelltcn Ver-
suchen nnd Erfolgen in einem längeren Artikel und scheint thatsächlich
nun ein Mittel gefunden zu sein, das dem Verfall, wie er sich jetzt bei
den meisten und besten Bildern unserer sämtlichen Museen leider immer
mehr geltend macht, Einhalt zu gebieten im stände ist. Herr Wedepohl
schreibt: „Dr. Büttner in Dessau hat entdeckt, daß gewisse ätherische
Oele die Oelfarbeschicht geschmeidig zn erhalten vermögen und hat ein
restliches Mittel zusammengestellt, welches die Firma H. Schminke
n. Co. in Düsseldorf unter dem Namen „Phöbns" in den Handel bringt.
Mit demselben sollen alte und neue Oelgemäldc etwa alle zwei bis !
fünf Jahre leicht abgerieben werden, wodurch ihre Farbenschicht ge-
schmeidig bleibt nnd außerordentlich vor dem Verfall geschützt wird.
Um dieses Mittel zu erproben, machte ich folgenden Versuch. Ich setzte
verschiedene Stücke eines vor mehreren Jahren gemalten BildeS, welches
znm Teil ungefirnißt, zum Teil mit verschiedenen Firnissen überzogen,
zum Teil mit „Phöbns" angeriebcn war, den heftigsten Wettcreinstüssen
aus. Sonnenglut, Kälte, Regen nnd Dürre ließ ich sechs Monate
darauf wirken. Die mit „Phöbns" behandelten Stellen rieb ich noch
ein- oder zweimal während dieser Zeit an. Schließlich waren alle
Stücke mehr oder weniger gesprungen, zerrissen oder verdorben, manche
Firnisse mehr als die reine Farbschicht, manche hatten der letzteren
Schutz verliehen und sie weniger verderben lassen. Ganz unverdorben
waren nur die mit „Phöbns" behandelten Stellen; diese zeigten aber
auch gär keinen Riß."

st Außen Vermerk: „XL. ist anno 1739 Bernard Wagner ver-
lihen worden, ligt unterm Kirchhof am Bach, hat ehemals ans dem
Frawenholz 10 Ktaffter Brennholz gehabt."
st Das Siegel ist, wie deutlich erkennbar, gleich fast allen Siegeln
der Land- und Untcrvögte in Schwaben, mit einer Schere oder scharfem
Messer abgetrennt worden.

Stuttgart, Buchdrnckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Vvlksblatt".
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