Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

Page: 92
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St. Georg im Schwarzwald
Bisthum Constanz, in der Baar und Grafschaft Asenheim
gelegen,
fing nach Buzelin auf Grund eines sehr alten Manuskripts
n. 813 bei dem Dorfe Neckarteskirch gebaut zu werden an.
Die Gründer waren Hezilo und Hesso, zwei sehr angesehene
Männer; auf ihrem eigenen Grund und Boden legten sie
diese Cnlturstätte an. Im Jahr 824 war der Rohbau fertig.
Nach und nach erhob sich dieses Kloster zu großem Glanze,
war ein glücklicher Ort für Männer voll Heiligkeit, die den
von Natnr so düstern Schwarzwald glanzvoll wie das Firma-
ment hinstellten. Crusius sagt: Hezilo hätte nach dem Bei-
spiel seiner Borfahren eine besondere Verehrung zum hl. Ruter
Georg gehabt und darum längst in seinem Herzen das Ver-
langen getragen, ihm zu Ehren ein Klvsterle zu erbauen,
da seine Vorfahren mit dem größten Theil des Landes betraut
waren. Diese hatten schon dem hl. Georg ein Oratorium ge-
baut gehabt, bequem und gut, mit hl. Reliquien, Büchern
und den übrigen Kirchen-Utensilien versehen, zugleich Güter
und Colonisten beigegeben. Indem Hezilo mit diesem Ge-
danken umging, zog er den Hesso in seinen Plan, einen Hof-
mann, mächtig, mit Gütern wohl versehen, der vom gleichen
Bestreben beseelt war und von seinem Eigenthum Gott zu
Ehren gerne etwas opferte. Nachdem sie nun gegenseitig ihre
Neigungen ausgetauscht, faßten sie nun Entschließungen. Jener
wollte von seinem Hofe Walda gebe», dieser aber von seinem
Erbgnte. Sie kamen nun dahin überein, daß sie zu Ehren
des hl. Ritters Georg in Wald ein Klösterle erbauen wollten,
in welchem ein Leben nach der Regel des hl. Beuediktus ein-
geführt werden soll und keiner solle das Recht haben, diese
Regel nmzuändern.
Es war das Jahr 813, Iirckict. VI,, im Monat Januar,
als Hezilo bei dem Orte Neharteskirchuug den Ort Wald
(oder Walda, zwischen Villingen und Schramberg), ein Lehen
vom Grafen Manngold, mit aller Zubehör zur Errichtung des
Klösterleins hergab.
Hesso gab fast alle seine Erbgüter dazu, unter der Be-
dingniß, daß das Kloster von jeglicher Herrschaft befreit sein
soll. Ein Gleiches begehrte auch ein Ritter, namens Eduard,
von Adelbert v. Oceleswane. Damit der Beschluß endlich
vollzogen werde, gab auch Graf Manngold Gott und St. Georg
zu Ehren Wald mit aller Zugehör in Dienst der Mönche,
welche sofort in diesem zu erbauendem Kloster Gott dienen
würden.
Nach anderen Nachrichten soll dieses Kloster schon n. 632,
also in der fränkischen Zeit unter König Dagobert, erbaut
worden sein. Sicheres weiß man nicht, da die Schicksale des
Klosters, die Reihe der Aebte und die Akten rc. nicht mehr
ernirt werden können. Sicheres beginnt erst mit Hezilo a. 1083.
Möglich ist das hohe Alter dieses Klosters, im Wirrwarr der
rohen Zeiten ist es vielleicht wieder ganz zerfallen und nun
wieder erneuert worden.
Nach der wirtembergischen Chronik haben die Edlen von
Degernau a. 1083 dasselbe gegründet und 3.1085, 24. Juni
hat Bischof Gebhard von Constanz die hölzerne Kapelle zum
hl. Georg eingeweiht. Heinrich I. von Hirsau wurde hier
der 1. Abt. Der hl. Abt Wilhelm von Hirsau schickte die
ersten Mönche hicher, daher war es auch> von Hirsau ab-
hängig.
Der 2. Abt sei Konrad gewesen, aber als untauglich
bald entsetzt. Ihm folgte

3. B. Theogvrus, welcher auch das Fundament zur
St. Georgs-Kircke legte, daun zur Kapelle der hl. Mutter
Gottes und zum großen Klosterbau, wo 3. 1090, 30. Sep-
tember Bischof Gebhard den Altar zum hl. Johann Baptist
weihte, nachdem er 3. 1085 schon das Kloster eingeweiht hatte.
4. Abt Manngvldl. Dieser wurde 3. 1117 Bischof
in Mez. Ihm folgte
als 5. Abt Wern her ns I., Baron v. Zimmern,
1117—1134, wo er starb. I, 286.
Schon n. 1105 hatte Pabst Paschalis II., 3. 1095
Urban II., das Kloster in seinen Schutz genommen, 3. 1108,
28. Jener aber ertheilte Heinrich V., römischer König, dem
Kloster ein Privilegium. Es hatten ihm auch gegeben Fol-
mar, Stadtpräfekt aus Mez und sein Sohn Folmar all ihr
Eigenthum in den Orten Lukesheim und Alba, an Kirchen,
Feldern, Zehnten, Leibeigenen, Wald. Wiesen, Waiden, Jagden,
Erträgnissen und Einkünften aller Art; ebenso ein Gut, das
eine gewisse Matrone namens Richinger in dem Ort Gennen-
heim hatte. Gegeben zu Mainz 3. 1108. I, 41—43. 29. Urkd.
Der 6. Abt war Friedrich, von 1135—1138, wo er
abdankte.
Der 7. Abt war Johannes v. Falkenstein, 1138
bis 1141.
Im Jahre 1139, 14. April bestättigte Pabst Innozenz II.
alle Güter und Privilegien des Klosters. Es sind da aus-
gezeichnet
1) der Ort, welcher Stetten genannt wird;
2) der dritte Theil des Ortes Phiezin (Fützen);
3) ein Gut im Orte Cambit und Flausiugen;
4) der Ort Walda und Eckha; sodann
5) Degernau, 6) Jngoldingen (beide O.A. Waldsee);
7) Eystetten, 8) das Gut Onningen, 9) Leidringen, 10) Deze-
wingen, 11) Magerbein, 12) Wluolingen, 13) Baltrams-
hosen, 14) Tindeuhofen, 16) Gugenwaldt, 17) Achaua,
18) Schlatta, 19) Betechoven, 20) Gruningen, 21) Schwe-
lungen, 22) Ascheim, 23) Embach, 24) Arnoldsbach, 25) Mule-
heim, 26) Drudenheim, 27) Altheim, 28) Endingen, 29) Schopf-
heim, 30) Butenheim, 31) Eggebvldesheim, 32) Osthozen,
33) nebst einigen anderen tributären Sitzen in Wormatiu.
(Fortsetzung folgt.)

Miszellen.
Doktor Eysenbart ein Bayer! Ueber diesen merkwürdigen
Mann entnehmen wir einem Aussap Burkhardts (in Meyers „Zeit-
schrift für deutsche Kulturgeschichte" III, I, 1892) folgendes: Nach ge-
druckten weimarischen Regiernngspatenten ist Or. Eysenbart geboren zu
Viechtach bei Regensbnrg. Leider beginnen die Kirchenbücher dieses
Ortes erst 1662, so daß sich über seine Herkunft nichts ermitteln ließ.
Seine Wissenschaft erlernte er bei dem. geprüften Okulisten Alexander
Biller in Bamberg. Er wandte sich zunächst in das Fürstentum Alten-
bnrg, wo er von ärztlichen Autoritäten geprüft und zur Ausübung
seiner ans Angen-, Bruch- und Krebsschäden gerichteten Praxis zngetassen
wurde. Dann kam er 1688 nach Weimar, hierauf nach Erfurt, wo er
auf Grund seiner Zeugnisse überall Hervorragendes geleistet hat, ohne
sich je den Doktorgrad angemaßt zu haben. Da er sich überall Privilegien
für die Ausübung seiner Praxis erwarb, arme Leute auch unentgeltlich
operierte und besonders darauf Bedacht nahm, unwissende Kollegen un-
schädlich zu machen, so mag das den Neid seiner Konkurrenten wach-
gerusen und Anlaß gegeben haben, daß man früh feine unliebsame
Thäligkeit geißelte, wie das in dem nach und nach entstandenen be-
kannten Liede der Fall ist. Ob er 1661 geboren ist, ist zweifelhaft,
da er schon 1668 in Weimar als Vater einer starken Familie erscheint,
l Sein Grabstein steht zu Minden a. Werra. — alc.

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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