Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 30
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Thale Josaphat" (Wiesenstcig) seinem Freunde Vogel, das; der
Heiligenpflcgcr in Mühlhausen 8 zinnerne Leuchter 40 Pfund
schwer, 1 Baldachin, 1 messingenes und versilbertes Rauchfaß,
1 Himmel, 1 grünes Meßgewand, 2 alte Alben und 2 Klin-
gclein „nach anhoffend billigem Anschlag" als Entschädigung
verlange. Da die Heiligenpflege ans Entschädigung drang,
legte Vogel die Sache dem Kirchenrat vor und meinte, es sei
üherhanpt fraglich, ob das Stiftnngskapital, welches nur zu
Messen und Almosen bestimmt sei, Steuer zahlen müsse. Wenn
dies der Fall und die Kirchenpflege Mühlhausen zu entschädi-
gen sei, so gebe es drei Wege: u) Almosen und Stiftungö-
messe sts Jahr testieren zu lassen; b) die zurückgelassene Bib-
liothek der Kapuziner — jetzt in Eislingen befindlich — zu
verkaufen oder c) Paramente hinzugeben. uck d. „Die Bücher
haben größtenteils gar keinen innerlichen Wert, sind meistens
lateinische Spicilegien, Meditationen, Moral, sodann deutsche
Predigten im Geschmack des ?. Cochem und des ?. Abrahams,
mehr zur Verbreitung des Aberglaubens, als der Religiosität
geeignet. Sie dürften schwerlich anders als nach dem Gewicht
verkauft werden können. Buchbinder Hopf von Göppingen
hat ans den Zentner 2 fl., ein Jnd von Jebenhausen aber
4 fl. geboten. Doch würde der Erlös zur Tilgung befragter
Schuld nicht wohl hinreichend sein", all c. Die Forderung
des Heiligcnpflegers von Mühlhausen sei fünffach zu hoch.
Ueberhaupt möchte er „bemerken, daß es sehr ratsam sei,
die dürnauischen Kircheneffekten von Mühlhausen gänzlich zu
entfernen, indem sich dortiger Pfarrer und Mesner derselben
bereits seit 10 Jahren zu ihrem Gebrauche bedienen und die-
selben dermaßen deterioriere», daß nach genauer Schätzung
die dies- und jenseits zu fordernde Entschädigung sich vielleicht
von selbst ausgleicheu würden".
Am 22. März 1815 teilt Stiftnngsverwalter Neuster in
Wiesensteig dem Pfarrer Vogel mit, daß die Oberfinanzkammer
Steuerfreiheit für die Hannibalsche Stiftung abgelehnt, aber
die Ueberlassung folgender Paramente gestattet habe:
8 zinnerne Leuchter — 12 fl.,
1 gelber Baldachin — 4 fl.,
1 Himmel — 5 fl.,
1 Pluviale — 6 fl.,
2 Altarklingeln — 40 kr.,
und eine geringe rote Fahne 40 kr.
zusammen 28 fl. 20 kr.
Soviel betrug jetzt die Ersatzsnmme.
Ferner sei bestimmt worden, daß in Zukunft die Steuern
aus den Zinsen zu bezahlen und um so viel die Kosten für
Jahrtäge und Almosen zu beschränken seien?)
Doch nun zu den 1000 fl. Stiftungskapital.
Die Kirchenpflege Mühlhansen hatte 800 fl. an Nößles-
wirt Rink in Westerheim, die übrigen 200 fl. an Accouchenr
Härtl in Wiesensteig ansgeliehen. Die letztere Summe —

Das Verzeichnis der nach Mühlhausen Überfahrten Paramente
und Geräte aus der Kapnzinerzeit enthält: I I Meßgewänder, darunter
„6 von allerhand Farben", 1 rotseidenes Baldachin zum Tabernakel,
2 gelbe Markige», I großer gelber Baldachin, 3 Cibvrienmäntel, 5 Kelch-
bedecknngen, 1 Kommnniontnch, 1 zinnerner Speisbecher, 2 Alben
mit Hnmerale ohne cinxula, 3 Handtücheln, 3 Meßbücher, deren 2 Ns
Iteguiem, 2 Ministrantenröcklen mit Chvrkleidcrn, 2 Opferkännchen
mit Teller, 1 gelbseidcnes Velnm, 4 Relignienphramiden, 1 Oel-
lampe, 2 kleine und 1 große schlechte Fahne von rotem Zeug, 8 große
Zinnleuchter, 2 Altnrklingeln, 2 größere und I kleinerer Kasten, 2 silberne
Fläscheln zum Taufe», 1 Pluviale, l großgekleidetes Marienbild, 1 Himmel
zur Prozession, 1 großes Kruzifix, 14 Stationen auf Sturz, 4 ge-
malte Bilder hl. Kapuziner. Hier sind die Kelche, Monstranz, Krcuz-
partikcl re. nicht anfgcführt.

zuletzt bei Müller Goser in GoSbach — konnte nach dessen
Tode endlich durch Klagen und Verhängung der „Presse" wicder-
erlangt werden.
Schlimmer ging cs mit den 800 fl. Als Nößleswirt
Rink gestorben war, meldete schon die Stimme „aus dem
Thal Josaphat" eine beträchtliche Schuldenlast; alle Liegen-
schaft sei verpfändet. Bis die Witwe „einen konvenablen
Heiratsanstand aufbringt", müsse Vogel sich mit der bisherigen
Hypothek begnügen; das Kapital sei aber nicht gefährdet.
Die Witwe heiratete einen Johann Jochnm, der den
Pfandbrief erneuern ließ, wonach für 800 fl. Kapital das
Haus samt Anbau, Scheuer und Güter im Gesamtwert von
2415 fl. verpfändet wurde. Die Unterpfänder wurden als
„frey und eigen" angegeben.
Vogel kündigte im Jahr 1819 die Summe auf, bekam
aber kein Geld, nicht einmal mehr den Zins. Am 23. De-
zember 1820 klagt er zum drittenmal beim Amtsgericht Geis-
lingen. Die rückständigen Zinsen betragen 60 fl., die Armen
in Dürnau haben seit 18 Monaten kein Almosen mehr be-
kommen; er werde von diesen Armen mit einer Anzeige beim
Ordinariat bedroht. Wirklich wurde er — wie aus einer
vierten Klageschrift vom 15. Februar 1821 hervorgeht —
von den Dürnauern wegen Entziehung des Almosens ange-
zeigt. Aber in Westerheim war nicht mehr viel zu holen —
es wurde 1821 Vermögensuntersuchung angeordnet und infolge
dessen das Gantverfahren eröffnet. Endlich am 23. April 1826
kam die Schuldenverweisnng.
Die Forderung betrug 800 fl., dazu seit 1820 rückstän-
dige Zinsen mit — 272 fl. 30 kr. An dieser Gesamtforde-
rung von 1072 fl. 30 kr. erhielt Vogel bei „Jnd Herzle in
Buttenhausen" — 17 fl. und sich selbst an voransempfangenen
100 fl. — 49 ft. 22 kr. 3 hl. Also zusammen 66 fl. 22 kr.
3 hl. Nestforderung: 1006 fl. 7 kr. 3 hl., welche wegen
Vermvgensnnznlänglichkeit durchfallen. Vogel hatte wohl
sich den Regreß an erkennenden Schultheiß und Richter in
Westerheim Vorbehalten, weil sie die schon früher gerichtlich
verpfändeten Unterpfänder als frei und eigen erklärt hatte».
Aber der Stiftungsfvnd blieb zum größeren Teil verloren.
Jahrtagsmessen und Almosen mußten reduziert werden.
1832 verlangten deswegen die Dürnaner Katholiken beim
Nnggericht, daß samt dem noch übrigen Stiftnngskapital der
Erlös der zu verkaufenden Kirchenparamente ans Eislingen
an die Gemeindepflege Dürnau abgeliefert und von dem jähr-
lichen Zins armen Bürgern, welche die Gemeindepflege zu
unterstützen habe, Austeilung gemacht werden solle. 1834
wurden 200 fl. Kapitalien wirklich nach Dürnau abgegeben,
an einen Bürger ansgelichen, der aber laut einer Anzeige des
Pfarrverwesers Schund in Eislingen 3 Jahre später noch keinen
Zins gezahlt hatte. Die Paramente wurden nicht verkauft.
1840 wurden durch Erlaß des Bischöflichen Ordinariats
die Verhältnisse dahin geordnet, daß „1) statt der 39 gestifte-
ten Messen jährlich um die österliche Zeit bei Gelegenheit, wo
den gebrechlichen und kranken Katholiken in Dürnau die heiligen
Sakramente gespendet werden, in der dortigen Pfarrkirche
eine Jahrtagsmesfe mit Seelenvesper für den Stifter Hannibal
v. Degenfeld und die Degenfeldsche Familie gehalten, wofür
dem Pfarrgeistlichen 1 fl., dem Mesner 36 kr. und der Kirchen-
pflege zu Groß-Eislingen für Wachs, Wein ic. 24 kr. aus
den Zinsen des noch übrigen Stiftungsvermögens zu entrichten
ist und 2) der weitere Zinsertrag durch den Stiftnngsrat in
Dürnau unter Zuziehung des Pfarrers in Grvß-EiSlingen
bei diesem Anlaß unter die katholischen Armen in Dürnau
verteilt werde".
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