Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 67
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1894/0075
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
67

von Hiltrud Sanftschcrerin, Witwe des Hans, Bürgerin
zu stientlingc», 1 Scheffel Roggen jährlich auf Jakobi fälliger
Gült a»S 51/2 Juchart Ackers, gelegen in Sickenhausen, um
5 Schilling und 13 Heller (K. Ä.), am 14. Oktober 1401
vem Ulrich Dt es sing er dem Schmied, Bürger zu Reutlingen,
2 Pfund Heller steter, jährlich auf Michaelis fälliger Gült
aus einem Weingarten auf dem Staiuiberg und einem Banm-
garteu im Breithart um 28 rheinische Gulden (K. A.), am
3. Februar 1426 vem Benz Staiubrecher, Bürger zu
Reutlingen, 1 Pfund Heller jährlich auf Frauen Kerzweih
fälliger Gült aus dessen Haus zu Reutlingen beim ober»
Mühlthürlci» und aus seinem Weingarten au der untern
Hegwiefe um 14 rheinische Gulden (K. A.) und am 12. März
1429 von Adelheid Schniderin, Witwe Peters Nieß,
Bürgerin zu Reutlingen, 15 Schilling Heller steter, jährlich
auf Martini fälliger Gült aus dessen Hans zu Reutlingen
beim ober» Mühlthürlein auf dem Landtag um 10'K rhei-
nische Gulden. (K. A.) Beim letzten Kauf werden neben der
Bleisterin die Pfleger der Sammlung genannt.
Eine Reihe weiterer Besitzungen dieser Sammlung lernt
man kennen aus Gültbriefen. Nach einem derselben vom
31. März 1449 sollten geben Jakob Klocker der Müller
zu Pfullingen und seine Erben den Schwestern in der Holle-
Sammlung 7 Schilling Heller steter, jährlich auf Martini
fälliger Gült aus seinem Garten in Pfullingen (K. A.), nach
einem andern vom 31. März 1449 Hans Tuber von Pful-
lingen 13 Schilling Heller steter, ewiger, jährlich auf Mar-
tini fälliger Gült aus seinem Hans und seiner Hofraithe zu
Pfullingen (K. A.) und »ach einem dritten vom 2. April 1449
Hans Maiger, den man nennt der Pfifferin Mann, zu
Pfullingen 12 Schilling Heller steter, ewiger, jährlich auf
Martini fälliger Gült ans Gütern zu Pfullingen. (K. A.)
Gegenüber dem reichen Besitz der von Rast-Sammlung
blieb derjenige der von Hollen-Sammlnng weit zurück, und so
ist es nicht unwahrscheinlich, daß, wie die Camerer-Laubcn-
bergsche Chronik behauptet, man diese zweite Sammlung die
arme genannt hat, wenn sich auch ein urkundlicher Beleg hier-
für bisher nicht gefunden hat.
Wohl von diesen beiden Sammlungen zu scheiden find
die Schwestern in der willige Armut, an deren gemeine Regel
Hans Lrächsäll der Gerber 1 Pfund Heller steter, jährlich
auf Martini fälliger Gült ans seinem Haus bei der St.
Nikolaus-Kapelle zu Reutlingen am 24. März 1458 verkaufte.
(A.A.)
lieber den Untergang der von Rast-Sammlung und von
Hollen-Sammlnng ist man wenig unterrichtet. Die Camerer-
Lanbenbergische Chronik meldet ganz trocken: ^.ruro 15Z4
trugen Blasien (vom Mittelhochdeutschen Kit? —
Kleidung, also Laienkleidnng), rvie auclr iVlünclr uncl Xon-
nen. Unter letzteren sind, da es in Reutlingen um 1500 kein
eigentliches Nonnenkloster gab, die SammlnngSfrauen zu
verstehen. Auch erwähnt die Chronik unter der Rubrik: die
Xonnenciöster: „die reiche LamkIunZz je? Dudwi^ Wö11-
lers Idauss Aenantlr, clie arm LarnblunA, je? Herrn
Veiten uncl alten Haussers Idauss Zenennt, und fährt
fort: be^ der obern /UeAellrtitten 13t ein Llosker §e-
skanden aus der linclclren Leiten, lrincler Lt. Ueonlrarclt
^ennnkln Gaylcr I, S. 34 berichtet sodann: „^an? in der
hddre des ehemaligen Larlrwserldosters, der it?igen Xan?-
Ie/ (des heutigen Ghinnasinms) i8t das nocli so genannte
h'rauenhäusle, i?t ein /Aggregat von Wohnungen, von
Westen her das 4te Oebäude auf der Lüdseite der
Uindlinsgasse; und es ?eigt noch in seiner Ztoclrmauer,

in den Idoimauern, in dem durchs ganr.e Ida>>s ge-
henden massiven Kellergervolbe unverlrennhare lVlerlr-
male einer solchen Lestimmung." Er hält dies Franen-
hänsle für die Schwestersannnlnng bei den Barfüßern oder
von Rast-Sammlung. Nach der neuen Oberamtsbcschreibnng
II, S. 43 zeigt eine zu diesem Franenhänsle gehörige Woh-
nung im Erdgeschoß schöne Stcinfließen. Uebrigens sei das
alte Gebäude des Franenhänsle beim großen Brande 1726
unlergegangen. Es ist nur Weniges, was der Verfasser trotz
eifriger Durchforschung der Archive über die klösterlichen
Niederlassungen für Frauen in Reutlingen ermitteln konnte.
Das Nottenburger Spitalarchiv dürfte vielleicht über den Besitz
der von Rast-Sammlung in Seebronn weiter» Aufschluß
geben. Leider war dasselbe dem Verfasser nicht zugänglich.
Doch sind ja die Urkunden desselben Dank der Thätigkcit
des Herrn Pfarrer bezw. Pfleger Ranch in Fronnnenhansen
epcerpiert »nd harren die von demselben verfaßten Regesten
der Publikation durch die historische Kommission. Vielleicht
wird, wenn dies geschehen ist, ein weiterer Aufschluß über
die Sammlungen möglich sein. Bis jetzt war mehr, als der
Verfasser gab, zu bieten ein Ding der Unmöglichkeit.
Kritik Vor Wappon der Minnesinger ans
Schwaben.
Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben und
Alalnannien.
Van F. Mo ne.
XVII.
Nr. 19, Tafel 10 bei Zangemcister, Gras Werner
von Homberg oder Honberg im Frickthale (Bricovia).
Das letztere zählte man früher politisch und ethnologisch zu
den sogenannten vier Waldstädten: Säckingen, Rheinfelden,
Laufenburg und Waldshut. Vom Ufer des Rheines bei
Säckingen zieht sich das Frickthal südöstlich hinauf bis in die
Nähe von Bruck an der Aar. Die Burg Homberg selbst ist
auf dem Thierberge bei dem Dorfe Wittnau erbant, welches
in einem Seitenthälchen des Frickthales liegt ungefähr zwei
Wegstunden vom Marktflecken Frick selbst entfernt.
Graf Werner von Homberg war 1284 geboren und starb
1320 auf dem Felde der Ehre vor Genna. Er galt als ein
renommierter Haudegen und diente als capikaneus komdardiae
(Corpskommandant der lombardischen Hilfötrnppen) unter
Kaiser Heinrich VII. in Italien, wo er auch nmkani.
W. Scherer, Deutsche Literaturgeschichte Seite 216 ist kurz
über ihn und seine poetischen Leistungen. Eingehender han-
delt von ihm Bartsch, Schweizer Minnesinger, Franen-
feld 1886.
Bei diesem Dichter ist der Freund der deutschen Littera-
tnrgeschichte vor einige nicht unwichtige Fragen gestellt. War
die poetische Veranlagung desselben so bedeutend und nach-
haltig, daß sie den Herrn von Homberg ungeachtet der lang-
jährigen Dienste als Cond.ottiere dennoch immer aufs neue zur
Poesie, zum Dichten, Singen und Nenneschmieden antrieb;
oder waren in jener Zeit die Familientraditivn, die Schule
und oaö Vorbild großer Dichtungen, der Idealismus und das
Beispiel der Zeitgenossen oder die Beschäftigung mit der Dicht-
kunst ein so vorzügliches, pädagogisches Mittel, daß dadurch
auch bei einem rohen und prosaischen Berufssoldaten und bei
einem nicht studierten Manne glänzende ethische Resultate er-
zielt werden konnten? Oder endlich hat der Aufenthalt in
Italien, der Umgang mit gebildeten Italienern, die Beob-
achtung der aufblühenden geistigen Kultur in jenem Lande,
loading ...