Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 88
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Schwehr u»d Jörgen Bremakher ans unsere Bürger nnver-
scbcidentlich, und er gab auf Martini im XVII den jar, sein
Erstes." Von datierten Werken dieser Zeit nennen wir zwei
schmale Tafeln einerseits die Heiligen Alexander, andererseits
Eventiuö und Theodolus, bezeichnet 1504 in der Galerie
zu Augsburg (Nr. 63 und 64 des Katalogs), zwei in
Ausführung und Format ähnliche mit dem hl. Cornelius und
Cyprian in der Münchener Pinakothek (Nr. 178; 1373
und 1374 des Marggraffschen Katalogs); die Köpfe stimmen
übrigens nicht ganz mit dem sonst üblichen Zeitblomschen
Typus. In das Jahr 1507 fällt die Fertigstellung eines
leider durch Fenersbrunst zu Grunde gegangenen Altars für
die Kirche zu Süßen; auf den Flügeln waren außen die
Verkündigung, innen die Legenden des hl. Nikolaus und
des hl. Wolfgangs dargcstellt. Von 1511 ist datiert der
Altar in der Prämonstratcnserklosterkirche zu Adelberg mit
der Verkündigung und Krönung Mariä, nenestcns durch die
Maler Dirr und Beutele teilweise restauriert. J»> Schrein
sieht man die Schnitzfiguren der Madonna, St. Katharina,
Liborius, Ulrich und Cntnbilla, eine seltene Heilige. Auf den
Flügeln innen die Verkündigung und Krönung Marias, außen Ge-
burt Christi und Anbetung der Könige. (Diese noch unrestau-
riert). Ans der Rückseite das jüngste Gericht, sehr abgeblaßt. Auf
der Predella Christus mit den zwölf Aposteln. Unverkennbar
tragen diese Bilder das Gepräge von des Künstlers Hand,
besonders in der einfach angelegte», wenig gebrochenen Gewand-
ung und der mild harmonischen, gesättigten, kraftvoll wirkenden
Farbe. Auch bei der Mutter Gottes sieht man wieder die
langen goldgelben, langsträhnig über die Schultern hcrabfal-
lenden Haare, doch hier schon mehr bewegt als beiZeitbloms
früheren Werken. Einige weitere Zeitblomsche Gemälde, die
bisher kaum Beachtung fanden, bergen ferner das bayrische
National-Mnseum und das Germanische Museum. In Mün-
chen zuerst von Janitscheck erkannt und dort als oberbayrisch
bezeichnet, ein Flügelaltar: im Schrein Maria mit dem Kind
zu den Seiten die Heiligen Wolfgang und Bruno (?), auf
den Flügeln innen die Heiligen Sebastian und Rochus;
außen Nikolaus und St. Joseph. Auf der Predella die hl.
Sippe von anderer Hand. Auf den Flügeln unten sind die
Stifterwappen angebracht: rechts i» Not ein schwarzer Schräg-
balkcn mit drei gelben Pflaumen belegt; Kleinod: roter Flug
mit demselben Wappenbild belegt. Links in Gold ein rotes
steigendes Lamm, als Kleinod wachsend. Einige andere dort
dem Zeitblom zngeschriebenen Tafeln mit der Legende des hl.
Johannes des Täufers im VII. Saal halte ich nicht des
Meisters würdig.
In Nürnberg befindet sich außer dem schon genannten
Gemälde noch eine Predella mit der hl. Anna selbdritt, zu
beiden Seiten'die Heiligen Margareta, Barbara, Dorothea
und Magdalena, Halbfiguren ans der früheren Wallersteini-
schen, vormals Nechbergschen Sammlung stammend. Dann
noch zwei kleine Brustbilder, Maria und Johannes auf zwei
einzelnen Tafeln.
Ein letztes Werk, das wir hier anfügen wollen, ist der
sogenannte Nenbronnersche Altar (zwei Flügel) in der Stadt-
kirchc zuBlanbenre n. Bezüglich seiner ästhetischen Würdi-
gung verweisen wir ans die eingehende Beschreibung Dahlkes
im „Repertorium für Kunstwissenschaft" IV, 1881. Nach
einer noch vorhandenen Urkunde stiftete den Altar der Ulmer
Patrizier Martin Neubronner, und seine Ehefrau Barbara
Glockengießer im Jahr 1605, mit der Bestimmung, daß „sol-
ches Gemähl, so oft es die Notdurft erfordere," wieder erneuert
und ansgebessert, auch immer und beständiglich richtig erhal-
Stuttgart, Bnchdrnclerei der Aktie!

len werde. Diesem Verlangen ist die Stadt vor einigen Jah-
ren nachgekommen und hat das bisher wenig beachtete Altär-
chen durch Fr. Dirr restaurieren lassen. Die dazu verwen-
deten Bildtafel» sind eigentümlicherweise nicht für den Altar-
neu gemalt worden, sondern ^ offenbar Neste von, ans
der Bilderstürmern geretteten, Altären ans Ulmischen Kirchen.
Das Mittelbild, die Kreuzigung Christi darstellend, ist im
Charakter Altdorfers gehalten, die beiden Flügel (außen) mit
der Verkündigung (in 2 Tafeln), (innen) Geburt Christi und
dem Tode der Maria bemalt, sind ohne Zweifel Arbeiten ans
Zcitbloms Atelier und zwar aus seiner späteren Zeit. Die
mehr rundlichen Köpfe, die vielfach gebrochene Drapierung und
dergl. weise» dahin. Einzelne Männerköpfe sind ganz des
Meisters würdig, dagegen haben die Francnbildnisse einen,
den bekannten Zeitblomschen Typen nicht ganz entsprechende»
Charakter; doch kann auch das auf Rechnung der letzten Pe-
riode gesetzt werden, welche bisher »och nicht genauer studiert
worden ist.') (Bei der wohl nicht zu bezweifelnden Produk-
tivität des Meisters ist die Fertigung noch einer Reihe weiterer
Gemälde durch denselben anzunehmen, von welchen wahrschein-
lich nicht wenige schon dem berüchtigten Ulmer Bilderstürme
znm Opfer gefallen, andere im Laufe der Zeiten verschwunden,
vergangen und zu Grunde gegangen sind. Die Red.)
Nach einer von Pressel anfgefundenen Hüttenrechnnng
von 1518 scheint der Meister in seinen letzten Jahren sich
auch mit untergeordneten Arbeiten beschäftigt zu haben, denn
dort ist von der Bemalung des Gitters am Oelberg die Rede,
welches er mit Marlin Schaffner besorgt hat. Zwischen dem
genannten Jahr und 1521 muß Zeitblom gestorben sein, denn
hier tritt nach den Mitteilungen Häßlers ein Notar May als
Bürge für den genannten Bochsdorfer auf, dem Zeitblom noch
1516 als Bürge beisteht. Ein Sohn Zcitbloms ist offenbar
jener „Barthleme Zeitblom", welcher im Bnrgerbnch untcr
1532 genannt ist, als Steuerpflichtiger wie andere Bürger,
„dieweil er in ledigem Stande ist".
Ein Hans Zeitblom war Hofmaler Kaiser Karls V. In
einem am 18. Januar 1550 ausgestellten Privilegium wird
derselbe genannt „unser Trabant und des Reichs lieber ge-
treuer Meister Hans Zeitblnem". Er machte eine Zeichnung
von dem Streit Karls V. mit dem Herzog Johann Friedrich
von Sachsen im Jahr 1547, wobei letzterer eine Niederlage
erlitt. Die Zeichnung sollte auf besonderen Wunsch des Kai-
sers in Kupfer gestochen werden; ein Abdruck davon hat sich
aber bis jetzt nicht gefunden (Anzeiger des Germanischen
Museums, 1886). Noch 1575 findet man in Ulm einen
Hans Zeitblum als Weinziehcr.
Damit schließen wir unsere Mitteilungen^) möge es
den Forschern gelingen, das Wenige, was wir über die Lc-
bensnmstände des weitaus bedeutendsten Meisters der ganzen
Oberdeutschen Schule wissen, noch möglichst zu vervollstän-
digen! DaS in den letzten Jahren durch Bazing und Vecsen-
mayer durchforschte Ulmer Archiv scheint leider in dieser Rich-
tung wenig zu bieten, doch ist Hoffnung vorhanden, ans den
allerdings nur mit großer Mühe und Geduld lesbaren Rats-
Protokollen der einschlägigen Zeit noch etwas zu holen.

') Anmerkung der Red. Die demnächst erscheinende
sechste (Schlnsj-)Liefernng des schon oben angezeigten Banrschen Pracht-
werkes wird die Abbildung der Gemälde des Altars der Blanbcnrer
Stadtkirche bringen.
-) Anmerkung der Red. lieber im Privat besitze befind-
liche Bilder, Gemälde Zcitbloms, von welchen der Verfasser hier
nicht gehandelt hat, ein andermal! Auch in der fürstlich Lichlensteim
scheu Gemäldegalerie zu Wien befinden sich (im 8. Saal) einige Zeitblom,
gescllschast „Deutsches Vulksblatt".
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