Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

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für sich »och durch andere Leute, mit noch
ohne Gericht keine Ansprüche mehr an die
Inwohner und das Haus habe.
2. Alles, was das Haus von den Brü-
dern ererbt, verbleibt demselben.
3. Alles haben die Brüder gemeinsam
und soll darin kein Vortheil sein in keiner
Weise. Kein Bruder soll in das Hans
ausgenommen werden, der nicht schwört,
solche Gemeinsamkeit zu halten.
4. Der Schwur ist nur um Gottes
Wille», ohne alle Bedingung zu leisten.
Der Abt von Reichenau als Lehensherr
bestätigte am 10. August und Bischof Hein-
rich von Konstanz am 11. August 1448
diese Statuten.
Dieses gemeinsame Leben, ohne einem
Orden anzngehören, führten die Brüder
fort bis znm Jahre 1503. In diesem
Jahre stellte der Kardinallegat Raimund
dieselben unter die Visitation der patres
Franziskaner 6e observantia vom dritten
Orden der straßburgischen Provinz. Am
28. August 1580 wurden die Brüder in
Bernstein (neun waren es damals) durch den
päpstlichen Kommissär Pleiirricus Ledulius
bei dessen Anwesenheit in Bernstein von
der straßburgischen Provinz getrennt und
der nenerrichteten tirolischen Provinz in-
korporiert.
Der hl. Franziskus stiftete außer dem be-
sonderen Orden der minderen Brüder noch
zwei andere, einen Francnorden durch die hl.
Klara im Jahre 1212 und einen Orden für
Weltleute beiderlei Geschlechts, ledig oder
verheiratet, im Jahre 1221. Mit Rück-
sicht darauf heißt der Orden der »linderen
Brüder auch der erste, der durch die
hl. Klara gestiftete der zweite und der für
die Wcltlente bestimmte der dritte Orden
des hl. Franziskus, letzterer noch mit dem
Beisatze „von der Buße". Dieser dritte
Orden war zunächst nnr für Wcltlente
bestimmt, doch sonderten sich auch bald
gleichgesinnte fromme Seelen in eige-
nen Wohnungen ab und so entstanden
Klöster von Tertiären und Tertiarinnen,
besonders aber von letzteren. ?. Konrad
Enbel führt in seiner vor einigen Jahren
erschienenen Geschichte der oberdeutschen
(Straßburger) Minoritenprovinz vier Ter-
tiarcnklvster (Brnderhänser) an, Hagenau,
Rothenburg a. T., Dachenhansen und Knie-

bis. Diese vier Stiftungen dauerten je-
doch in dieser Form nicht lang. So wurde
noch im 13. Jahrhundert das BruderhanS
Kniebis in ein von Alpirsbach abhängiges
Benediktinerpriorat verwandelt, Dachen-
hausen von Graf Eberhard im Bart in
ein Stift regulierter Chorherr» des An-
gnstinerordenS 1481 verwandelt. Bei der
Aufhebung der Klöster im Anfang dieses
Jahrhunderts war Bernstein, von dem
genannter Enbel nichts weiß, das einzige
Tertiarenhans in Deutschland. Im Gebiete
des oberen Neckars lagen noch zwei weitere,
das seit 1524 leerstehende Bruderhaus im
Dettinger Wald, OA. Rottenburg, und
Bickelsberg, OA. Sulz. Die Brüder in
Bickelsberg traten schon 1409 in den Bene-
diktinerorden und unterwarfen sich dem
Kl. St. Georgen.
Nahe daran war es, daß Bernstein das
16. Jahrhundert nicht überlebt hätte. Im
Jahr 1525 nämlich war die Existenz Bern-
steins sehr gefährdet. Die Amtleute der
Herrschaft Hohenberg in Nottenbnrg schlu-
gen der Regierung in Innsbruck vor, das
Waldbruderhaus aufzuheben. Erzherzog Fer-
dinand ging auf diesen Vorschlag nicht ein.
Im Gegenteil, er befahl am 14. August
1525 ernstlich den Rotleuburger Beamten,
den Brüdern zu wissen zu thun, es sei
sein Wille, daß sie sich wie bisher mit
ihrer Arbeit und ihrem Einkommen nähren,
wobei die Regierung sie schützen und hand-
haben solle und daß niemand gestattet werde,
die Brüder wider Billigkeit zu beschweren.
Im Jahre 1527 inventicrten die hohen-
bergischen Amtleute ans Befehl der Re-
gierung in Innsbruck alles Einkommen,
Hab und Gut der hohenbergischen Mvnchs-
und Nonnenklöster, auch Beginnenhäuser re.
Bernstein wurde vergessen. Erst nach
Verflnß.von 18 Jahren wurde das Ver-
sehen wieder gut gemacht und auch hier
inventiert, damit die Brüder desto fleißiger
Hausen und desto weniger entlaufen, auch
denselben nach ihrem Absterben desto we-
niger entzogen werde.
Am Schluß deS 16. Jahrhunderts scheint
ein böser Geist in unserem Waldbruder-
haus geherrscht zu haben. Am 31. Dezem-
ber 1593 kam ein Befehl von Innsbruck nach
Rottenburg, „wegen des Uebelhausens und
ärgerlichen Lebens" in Bernstein solle man
sofort an den Franziskanerprovinzial be-
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