Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 73
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1895/0081
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
73

der Heraldik einen entsprechenden Ausdruck.
Bekannt ist das Bildchen der sog. Sünden-
wäsche ans einem alten Holzschnitte. Es
zeigt wie eine Dominikanerin mit dem
Christnökinde Wäsche auswindet, im Hinter-
gründe steht der Kochzuber und vor dem-
selben! klopst mit einem Walkerschlegel das
Christnskind die nasse Wäsche. Wenn auch
diese Darstellung speziell erst von 1520
ist, so war doch schon im 13. Jahrhundert
dieselbe Vorstellung der sog. Sündenwäsche
verbreitet und allgemein gang und gäbe.
Ja, man kann sagen, daß diese Vorstellung
der Reinigung der menschlichen Seele von der
Sünde durch Waschen und Gebleichtwerden
aus Virgils Beneide Buch 6, V. 740 in
die christliche Mystik übernommen wurde;
uliue (nmmne) pemdunkur innnss sus-
pensnc ad ventos. Aehnlich hat man die
Worte in Virgils Beneide 6, 739 vom
Walken und Klopsen der Wäsche verstan-
den: emimne exercsntur pociris, — uliis
emimnbus sub ^ur^ite vnsto inkectum
scelus eluitur.
Die Vorstellung der Sündeuwäsche liegt
auch dem Wappen des Dichters Kourad I.
von Suuegge Nr. 67 im Manesse-Codex
zu Grunde. Der Name wird als Suouegge
oder Saueck an der Sann in Steiermark
erklärt. Aber das Wappen der Steierischen
Familie Saueck stimmt mit dem im Manesse-
Codex gegebenen nicht überein. Man hat
deshalb an Souneck in der Schweiz
gedacht. Ans diesem Grunde suchte man
in den Erklärungen des Wappens Anhalts-
punkte oder Aufschluß für die Person des
Dichters. In einem Schilde sieht man
ansgespannt wie zum Trocknen oder Ge-
bleichtwerden eine viereckige, weiße Tisch-
decke mit quadratischem Muster. Man
glaubt nach dem Dessin des Stoffes, es
wäre ein Stück sog. Kölsch (kölnischer
Zeug) oder St. Galler Weißwaare. Ist
meine Erklärung der Wappenfigur richtig,
so handelt es sich hier nur um ein Emblem
vder ein Phantasiewappeu, das aus der
Vorstellung der Sündeuwäsche entlehnt ist.
Daß die Heroldsfigur im Wappen des
Kv„rad I. von Suouegge auch als Kissen
(pulvimis) erklärt werden kann, indem
u>au als Analogon das Wappen von Küß-
Uttch in der Schweiz — silbernes Kissen
s"it goldenen Quasten in rot — anführt,
IE hier nicht bestritten werden.

Nr. 101 der Taler, Tafel 48 bei
Zangcmeister. Der Dichter Taler,
welcher uni 1234—55 gedichtet haben
soll, wird als ein Ministerial- (Lehens-)
Adel der Abtei St. Gallen und der
Herren von Nheineck betrachtet. Er soll
im Thale bei Nheineck, bezw. Norschach
gewohnt und daher seinen Namen er-
halten haben. Daö Dorf und die Burg
Thal liegen näher bei Norschach als bei
Nheineck unweit der Mündung eines Baches
in den Bodensce, welch' ersterer vom
SommerSberg herabkommt. Es wäre so-
mit der blaue Berg im Wappen des
Thaler als Bodensee mit den fünf Schilf-
kolben von Rohrschilf (IMrn^mites com-
munis) als landschaftliches Bildnis un-
schwer wieder zu erkennen.
Mau ist sogar versucht, das Wappen
des Taler für ein sprechendes zu halten,
da Thal und Norschach nicht weit von
einander entfernt sind. Es ist aber der
Schilfkolben auch das Spottscepter
Christi, nach der Stelle bei Matthäus
27, 79: munclinem in clextrn eins.
(IcLlnmon). Daraus ergiebt sich, daß
eine andere Deutung und Erklärung des
Taler'schen Wappens auch zulässig ist.
Die schwarzen Kolben des Nohrschilfes
mit grünem Schafte finden sich nämlich
auch in solchen Wappen, welche keine
Beziehung zu einem stehenden Wasser
haben. So führt Hans Wilhelm von
Gnttenberg auf Fraucnberg 1604 als
Helmzier den gestülpten Herinelin-Edel-
mannShut mit fünf Rohrkolben. Auch
eine französische Kirche führt als Wappen
in rotem Felde drei ' Kolben von
Schilfrohr.
Die Fünfzahl ließe sich ans die fünf
Wundmale, fünf Arten des Hochmutes
und Ehrgeizes beziehen, oder in ähnlicher
Weise deute». Als. Helmzier giebt der
Manesse-Codex dem Taler einen blauen
Hut mit fünf Rohrkolben mit grünem
Schafte. Der Hut hat mit dem Hirten-,
Matrosen- oder Spielmannshnt einige
Aehnlichkcit.
Um die Symbolik der fünf Schitfkolben
weiter zu verfolgen, verweise ich auf die
fünf Schwerter in schwarzer Scheide,
welche nach Grünenbergö Wappenbuch die
Herren von Langenstein (s. oben Nr. XX.),
loading ...