Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 126
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Kanzln arbeitet, „Schriber", selbst wenn
er Regierungspräsident oder Minister ist.
Ein Mann vom nieder» Adel in Oester-
reich, Namens von Herberstcin, erzählt in
seiner Selbstbiographie, das; ihm Herren
vom alten Adel eine Schiefertafel und
einen Griffel znm Geschenke machten, —
um ihn zu verhöhnen, als er auf der
Schreibstube eines Herzog von Oesterreich
angestellt wnrde. Dies geschah, um ihn
vor seinen Standesgenossen lächerlich zu
machen und ihn als „Schreiber" zu titu-
lieren und charakterisieren.
Wen» man die Parallele von Gottfried
von Sirastbnrg (Stadtschreiber) und dem
Montforischen Schreiber Rudolf von Ems
weiter auSbeuten will, so würde letzterer
aus dem Wappen der Montfort (rote
Kirchcnfahnc in Gelb) seinen Schild ge-
wählt haben. Da die Kirchcnfahnc ein
AmtSwappen der Pfalzgrafen war, so
konnte er nur die Farben rot und gelb
von den Montfort entlehnen.
Der Schreiber Rudolf von Ems nennt
sich selbst nur „Dienstmann zu Montfort".
Das soeben genannte Schloß bei Nanck-
weil im Wallgau gab bekanntlich der
Herrschaft über Bregenz, Feldkirch, Tett-
nang, Werdenberg den Namen Montfort.
Der Name: von Ems ist durch den ersten
Fortsetzer der Wellchronik, welche der
Schreiber Rudolf verfaßte, anfgekommen.
Er hieß ihn Rudolf von Ems. Es
steht mithin über diesen Dichter gar nichts
fest, als daß er mit dem Taufnamen
Rudolf hieß und wie der Natschrciber
Gottfried von Straßburg der deutschen,
lateinischen und wälschen (italienischen)
Sprache kundig war. — Nach diesen An-
haltspunkten allein konnte man versuchen,
sein Wappen anfznsinden. Seine Sprachen-
kenntnis macht es wahrscheinlich, daß er
unter dem Staufen Konrad IV., gest.
1254 in Italien, als Dolmetscher oder
königlicher Notar in der Kanzlei ver-
wendet wnrde. Grimme in der Zeit-
schrift Alemannia Bd. 22. S. 40 sagt
Imr Rudolf der Schreiber sei kein Ade-
liger gewesen, weil er kein Wappen habe.
Im Texte fehlt das der, nur im jüngeren
Verzeichnisse zum Manessc-Codex sei jenes
Wort beigesetzt. Oben habe ich schon
nachgewicsen, daß mit dem Worte „Herr"

gewöhnlich der Psarr-Nektor einer Kirche
oder ein Kleriker bezeichnet wird.
Veirrngo zur Geschichte einzelner
Vfnrreien.
a) des Navensburger Kar m elitcr-
k l o st e r s.
Von Pfarrer Lnpberger in Denchelried.
Zu den Gntthatern der Karmeliter in
Ravensburg sind neben den Sirgcnstein,
die ihnen im Jahr 1349 zwei Häuser zur
Niederlassung einränmten, den Waldbnrg,
welche ihnen im Jahr 1390 znm Baue
des Klosters die Steine und Felsen ihres
in der Stadt gelegenen, von dieser im
Städtekrieg zerstörten Schlosses überließen,
insbesondere die Hnmpis zu zählen, ein
Geschlecht, das nicht nur im reichsstädtischen
Negimente die höchsten Aemter bekleidete,
sondern auch an der Spitze der berühmten
großen Navensburger Handelsgesellschaft
stehend die übrigen Geschlechter an Reich-
tum überragte. Es ist uns aber hier nicht
darum zu thnn, die Schenkungen und
Stiftungen der Hnmpis an das Gottes-
haus der Karmeliter aufzuführen, sondern
vielmehr zu konstatieren, daß die Hnmpis,
auch nachdem sie anfangs des 16. Jahr-
hunderts sich von Ravensburg verzogen
und sich der Landwirtschaft der teils er-
kauften teils erheirateten Hcrrschaftsgütcr
zu Natzenried, Pfaffenweilcr, Siggen »nd
Schomburg zngewandt hatte», doch noch
in Berührung mit den Karmelitern blieben,
in deren Kirche sie ihr Erbbegräbnis hat-
ten. Wir führen zu diesem Zwecke hier
eine Jahrtagsstiftnng an, welche von Pfaf-
fenweilcr aus in jenes Kloster gemacht
wurde. Im Jahre 1534 Montag nach
Skt. Bartholomänstag (Originalurkunde
in der Pfarrregistratur zu Amtzell) be-
kennen Bikarius und Konvent des Gottes-
hauses U. L. Frauen Brüder in der Stadt
NavenSburg, daß der edle Friedrich Hnm-
piö von Waltrams zu Psaffenweiler ans
Ansehung Jakob Hnmpis seines Schwähers
sel. auch beider seiner Hausfrauen Agatha
Hnmpisscn und Anna Grclterin sel. bei
ihnen anfgerichtet und gestiftet habe eine
ewige Jahrzcit, welche Stiftung sic mit
Gunst und Wissen des Bürgermeisters und
Rats der Stadt wie auch der geordnete»
Pfleger des Seelhanses Klemens Anken-
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