Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 159
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Herr» Walther von Gervltzegge z» Sulz der
ze ntingen Vogt und herre ist, das; er
sein Jusiegel hat gehenkt an diesen Brief." Mit-
hin wäre Eutingen im Jahre 1364 in gervlds-
eckischem Besitze gewesen, was in der Oberamts-
bcschrcibung Horb vom Jahre 1865 nicht er-
wähnt ist.
K. W. S. 309. Nordstetten. „Nordstetten
so genannt im Gegensatz zu Stetten bei Haigcr-
loch, Wiesenstetten?" — Diese Annahme mag
für die spätere Zeit zutreffcn, für die früheren
Jahrhunderte gilt sie nicht. In allen alten Ur-
kunden, welche mir zu Gesicht gekommen sind,
heisst der Ort immer Nvrslcttcn, nie Nordstetten.
Es handelt sich mithin darum, das nor zu er-
klären. In seinen; oberdeutschen Flurnamcn-
bnch spricht sich Buck über die Silbe Nor also
ans. „Nor in mehreren Namen wohl ver-
schiedener Herkunft. In einigen drängt sich der
Gedanke an eine Venvandtschaft mit hessisch
Norn, Nur», FelS, Felseck auf. In anderen
dürfte ein Personennamen Noro stecken. Jahr
970 F. Noranstat." Ich möchte mich für das
Letztere entscheiden nnd Nordstetten als den Sitz
dcS Noro nnffassen.
Nochmals alte Zeitungen in Ober-
s ch wabe n
(s. diese Zeilschr., XII, 1894, Nr, 20, S. 80.)
Nach einer uns kürzlich zu Gesicht gekommenen,
vom Neichsvikariate (Kurfürst Karl Albrccht von
Bayern nnd Pfalzgrnf Karl Philipp bei Rhein)
ausgestellten Urkunde ck. 6. Augsburg. 1741,
15. Dezbr , erhielt Johann Benedikt Hcrckhner
Buchdrucker zu Alldorf, gen. Weingarten, wohl
der Vater dcS Buchdruckers Jvs. Jak. Donat
H. das., für sich und seine eheliche Leibes-
crbcu, „nachdem er viele I. das. die Buchdruckcrei
cxercieret und vhne die mindeste Klage hiebei
dem pudlico nützlich und niemand schädlich, je-
doch vhne hiezu privilegiert zu sein, die Zeitungen
nusgehcn laßen", auf sein Ansuchen und Em-
pfehlung der Obrigkeit, Ammann nnd Rat des
FlcckcnS Weingarten, das „Privilegium impres-
sorium, die Kalender nnd wöchentliche ordinär;
Neichs-Pvsl-Zeitung aus 10 Jahre drucken und
diStribuieren zu dürfen, dergestalt, das; keinen;
anderen 12—15 Stunde» in allen umliegenden
Städten nnd Orten ringS uni Altdors gen.
Weingarten situierten Buchdrucker und Bücher-
vcrlcger innerhalb 1<> Jahre nebst dem Kalender
ovrgeineldete Zeitung in Druck ausgehcu zu laßen,
auf irgend eine Weis' nnd Art nachzudruckcn
oder per ximilia was ans; (? s) richten und in
das Publikum weder für sich noch durch andere
ergehen zu laßen erlaubt sein soll bei Ver-
meidung schwerer Strafe (Pvcn von 10 Mark
löthigcn Goldes) und allerhöchster Ungnade", wo-
gegen Hcrckiicr zun; NeichsvikarialShvfgcricht
bziv. künftigen Ncichshofrat wöchentlich 12 Exem-
plare seiner Zeitung gratis einznlicfern hatte.
Wahrscheinlich ist dieses Privileg dann i. I. 1751
der Bnchdrnckerfamilic H c rck n er erneuert worden.
Nach diesem urkundlichen Belege hat diese Ordi-
narircichspvstzciluiig zu Alldorf schon geraume
Zeit vor dem I. 1741 und daun wahrscheinlich
bis zur Mediatisierung bestanden. U. Hecll.

Volksckrachtenwesen.
U»; die in Württemberg leider fast ganz ver-
schwundenen Volkstrachten, so wie sie noch
in den erste;; Jahrzehnten dieses Jahrhunderts
getragen wurden, wenigstens historisch fcstzu-
stellen und zu erhalten, richte ich an alle Freunde
des Volkstümlichen, welche diese (männlichen wie
weiblichen) Trachten noch im Gedächtnisse haben
und kennen, in; Interesse der Sache die er-
gebene Bitte, nur eine genaue Beschreibung der-
selbe», sowie wenn da nnd dort noch ein Exemplar
sich erhalten hat oder treue Trachtenbilder vor-
handen sind, den Namen des Besitzers nebst et-
waigem Preise mitzuteileu. In den Nachbar-
ländern, Bayer», Baden, Tirol :c. bildeten sich
in den letzte» Jahren eigene Vereine zur Er-
haltung der Volkstrachten und ist die Anlage
von eigenen Trachteumuseen in Aussicht genom-
men; so giebt der bayerische, unter der Vor-
standschast des bekannten Vvlksschriftstcllers
Maximil. Schmidt in nächster Zeit in München
eii; eigenes historisch-bayerisches Volkstrachtenfest,
zu welchem nicht weniger wie 126 Gruppen aus
allen 8 Kreisen des Landes, darunter Trachten,
die man sonst kann; mehr sehen dürfte, n. a. die
Lansfener Schiffermiliz mit ihrer hist. Mnsik, die
Jachenauer Gebirgsschützcn, die wendischen Huin-
melbaucrn (aus der Gegend von Bayreuth) er-
scheinen und an welchen außer einem patrioti-
schen Festspiele Nationaltäuze wie der alle Bandl-
lanz, der Perchtenlanz ;c. anfgesührt und die
Sitten nnd Gebräuche der Landsmannschaften dar-
gestellt werden. Ebenso steht in Freiburg i. B. ein
solches Volkstrachteuscst bevor. Dazu wird eS bei
uns vielleicht schon zu spät sein, da die Volkstrach-
ten in Schwaben namentlich aber in Oberschwaben
schon seit längerer Zeit leider fast ganz in Abgang
gekommen sind und nur noch in wenigen Gegen-
den, wie in der Stetnlach, der Baar, in Betzingen,
in einzelnen Schwarzwaldlandschaften, in einen;
Teile des Hohenloheschen angelegt werden.
Sollte durch diesen Aufruf der Sinn für die
alten Volkstrachten neu belebt oder sollten gar
dieselben da, wo sie, was aus volkswirtschaft-
lichen wie ethischen Gründen tief zu beklagen,
verschwunden, wieder hervorgesucht und —z. B.
in glücklicher Vereinigung mit den; Bvlksschau-
spicl zu Ehren gebracht werden, so wäre der
Zweck dieser Zeilen inehr als erreicht. Jeden-
falls sollte aber wenigstens in Bild und Wort
festgelegt werden und erhalten bleiben, wie sich
unsere nächsten Borgeneralionen gekleidet und
getragen haben, und hiezu möchte der unter;., der
diese Gedanken schon vor vielen Jahren den;
Vorstände eines hist. Vereines, leider vergebens,
nahcgclegt, die Anregung geben, und einst-
weilen Materialien (Beschreibung, und soweit
möglich die Objekte selbst) sammeln. Es wird
ja heutzutage in anerkennenswerter Weise sonst
alles Alte in Holz und Stein, auf Stein und
Leinwand ec. zu erhalten und zu schützen gesucht:
es werden die alten Idiome gesammelt, das
Volksschauspiel wieder zu Ehren gebracht; so
wird dieser Mahnruf in Bezug auf die alten
Volkstrachten gewiß auch seine Berechtigung
haben. Einen empfehlenswerten Vorgang in
dieser Richtung bietet das Museum in Bozen
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