Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

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Verrichtungen genügten seinem Eifer
noch nicht; er suchte auch auswärts zu
nutzen durch Abfassung verschiedener Er-
bauuugöbücher, welche allgemeinen Beifall
fanden. Uebrigenö fühlte er in sich einen
wahren Drang allen zu helfen, die der
Hilfe bedürfiig waren oder auch nur Hilfe
begehrten, so daß er sich oft bis zu eigenen
Verlegenheiten erschöpfte. Für seine Be-
dürfnisse brauchte er sehr wenig. In
Kleidung und Nahrung beobachtete er die
höchste Einfachheit. So kam es, daß
Nack als wahrer Vater der Armen ge-
priesen wurde in der ganzen Umgebung
und auch bei Akatholikeu in hoher Ächtung
stand. Im Jahre 1814 richtete Nack
an den Nuntius della Genga ein Pronie-
inoria, in welchem er sich, wenn auch
vergeblich, für die Wiederherstellung des
Stiftes NercSheim bemühte. Im I. 1821
erhielt er eme Stelle im Domkapitel zu
Augsburg, ohne daß er sich darum be-
worben. Kaum einige Wochen in Augs-
burg zog er sich durch einen Fall eine
schwere Verletzung dcö FußcS zu und
mußte ein langes Krankenlager anshalten.
Auch hier war er ciu Muster unüber-
windlicher Geduld. Geist und Hand waren
immer beschäftigt. Er arbeitete selbst auf
seinem Krankenlager unablässig an kleinen
ErbauungSschriflen, womit er bis zum
letzten Tage vor seinem Tode fortfnhr,
ungeachtet ihm die kranke Hand das
Schreiben äußerst mühsam gemacht hatte.
Die neue Pfründe war für Nack kein
Platz der Ruhe. Der Bischof machte ihn
gleich anfangs zum Großpöniteutiar, als
welcher er nnermüdet mit Beichthören be-
schäftigt war. Den Chor besuchte er so
gcwissenbast wie ehedem im Kloster. Der
Krankenbesuch war seine Lieblingsbe-
schäftigung. Die niedere Dachhütte des
Armen war ihm so wichtig wie das
Verlangen des Neichen nach seinem Tröste.
Sciiie Predigten waren deutlich, einfach
aber dennoch rührend und lief ergreifend.
In seinem letzten Lebensjahre stellten
sich große Gebrechlichkeiten ein. Seine
ganze rechte Seile sing zu schwinden und
zu zittern an. Das Uebel widerstand
allen Hcilversnchen. Mit zitternder Hand
las er täglich bis wenige Tage vor seinem
Hiuscheiden die hl. Messe. Am Morgen
seines Sterbetages wurde ihm der un-

erwartete Besuch eines seiner Ordensbrü-
der (eines ehemaligen Professen des Klosters
Wiblingen), deö Bischofs Gregor Ziegler
von Linz, zu teil, der seinen alten Freund
nicht vergessen hatte. Sichtliche Freude
erheiterte seinen matten Blick und cs
schien, als ob dieser Besuch die gesunke-
nen Kräfte des Kranken wie stärkender
Balsam belebe; allein gegen abend des-
selben Tages, 8. Juli 1828, unterlag
die Natur und Nack verschied eines sanften
Todes. Daß der Gemeinde Neresheim
die herrliche Klosterkirche als Pfarrkirche
bestimmt und dadurch ihr Fortbestand ge-
sichert wurde, hat man fast nur dem an-
gestrengten und klugen Bemühen Nacks
sowie der Achtung, in welcher er auch bei
Großen stand, zu danken. Er reiste des-
halb selbst nach Stuttgart und hier war
Werkmeisters Freundschaft für ihn von
großem Nutzen. Nack war von hehrer
Gestalt, schlankem und sehr magerem
Körperbau; sein Blick verriet Geistesruhc
und Sanftmut; sein Aeußeres war an-
spruchslos aber doch Ehrfurcht gebietend;
seine Sprache sanft und einnehmend; seine
Freundschaft war unerschütterlich, sein
Betragen gegen Andersdenkende duldsam
und entschuldigend; seine Herzensgütc ließ
immer nur Gutes von seinen Mitmenschen
' erwarten, kannte kein Arg und wurde
daher manchmal von Unwürdigen in An-
spruch genommen; in Dienstleistungen war
er zuvorkommend, in Erfüllung seiner
Pflichten gegen sich streng, aber gegen
Mitmenschen, wenn sie auch gefehlt hatten,
immer mehr nachsichtig und selbst ihre
Fehler entschuldigend, als sie streng
richtend; christliche Demut, die sich' aber
nie zur Kriecherei herabwürdigte, war
nebeit großer Religiosität ein Hauptzug
in seinem Charakter, wodurch er allen
Menschen, selbst den Feinden der Klerisei,
verehrnngöwürdig ward. (Aus dem
Nekrologe, den eilt Ungenannter in der
Zeitschrift Athanasia 1829 IV. Bd. I. Hst.
S. 2L3— 268 veröffentlichte. Vergleiche
Konferenzarbeitcn der AugSburgischeu
Diöecsangeistlichteit I. Bd. 239—240;
Felder, Lex. II. 29—34; „Salzburger
Kirchcnblatt" 1879 Nr. 12 S. 92 s<g).
Schriften:
1. Idea reH^ionis cutliolicue i)er inociuin tlresiuin
ex uuiversa 1'keoIoZfiu et iure euu. ^'risiu§ue 1775.
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