Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Seite: 79
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dieser Posten kann sich schon dem Betrag
nach und dann, weil ausdrücklich die
Kapelle als Bestimmungsort angegeben
ist, nicht auf das Hochaltarbild beziehen.
Dagegen liegt im selben Archiv eine von
einem des Schreibens unkundigen Em-
pfänger herrnhrcnde Quittung ck. 6. 25.
Hornung 1659 über 100 fl. für „khnnst
und mahlen Arbeit zur fabric Anllendorsf
uxorie uoe wegen weillandt H a n s;
S ch n l i h e i st e n Bürger» und mahlern
zu Wurz ach" vor, wonach also dieser
S ch u l t h e i st der Maler des Hoch-
altarstücks gewesen sein könnte?! Der
an sich niedere Preis für dieses hervor-
ragende Bild dürfte in den auf den
30jährigen Krieg folgenden sehr geldarmen
Zeiten kein Bedenken erregen, wogegen
das Monogramm, welches aber auch im
Laufe der Zeit vielleicht einmal bei einer
Restauration verstümmelt worden sein könnte,
ans diesen Künstlernamen ebensowenig
wie etwa ans den Biberacher Schönfeld
und weitere zeitgenössische Maler, als Stcin-
müller, Sichelbein rc. stimmte, lieber einen
Maler Hans Schnlthci st ist bis jetzt
weder etwas bekannt noch lies; sich etwas
in Wnrzach erfragen. Da aber die Exi-
stenz dieses Künstlers nicht zu bestreiten
ist und eine starke Vermutung für dessen
Vaterschaft zu dem Anlendorfer Hochaltar-
bilde spricht, so wird um weitere Nach-
forschung und Achlhabnng ans diesen Namen
gebeten. 1^. Leck.
Z e i t u n g s w e s e n i » O b e r s ch w a b e n, s p c z.
i ii N a v e ii S b ii r g (zu vgl. diese Zeitsche. Nr. 1,
2N von 1894 und 10 von 1895).
Wie schon früher angegeben, wurde unter
dein 5. Januar 1626 dein Buchdrucker Joh.
Schröter in Ravensburg vom Rat daselbst ge-
staltet, daselbst eine Zeitung zu drucken, „doch
soll niemand damit osseudiert werden," ohne das;
sich bis jetzt darüber hätte Näheres ermitteln,
bezw. auch aus dem Stadtarchive ein Exemplar,
und wäre es auch nur eine Niimmer von dieser
ältesten Navensbnrger Zeitung, welche auch
zugleich eine der ältesten Zeitungen in Deutschland
wäre, bcibriugen lassen. Schon i. I. 1612 war
vom Rat bestimmt worden, das; die Zeitung um
ein gebührend Geld für gemeine Stadt bestellt
werden soll. Das; aber dieser Beschluß wirklich
zur Ausführung gebracht worden und in der
Thnt in Ravensburg zu Ansang des 17. Jahr-
hunderts eine Zeitung gedruckt worden ist, dafür
giebt ein im gräfl. Königseggschen Archiv zu
Antendorf liegendes Schriftstück einen weiteren
Beleg. Nach demselben wurde schon i. I. 1007
von der Herrschaft mit Georg Hayngeu vvu Aulen-

dors abgehandelt, das; er fürohin alle Wochen
am Mittwoch zu Ravensburg die newe Zci-
lung abholen soll, wofür er Herberge im Scel-
heiißtin und jährlich ein Pfund Heller Geldbc-
lvhnnng erhält; auch bleibt der Bote auf die
Dauer dieses Dienstverhältnisses von der Ent-
richtung des bisherigen jährlichen Schirmgeldes
befreit. Möchten die Lokatforscher Oberschwabens
und der angrenzenden Gegenden daraufcinAugen-
merk haben und möchte es gelingen, dieser Ra-
venSbnrger Zeitung auf die Spur zu kommen
und wenigstens der einen vder anderen Nummer
habhaft zu werden!
Den Weingart euer Drucken wäre noch
ein weiterer als einer der letzten von Gg. Fid.
Herckncr anziisügcn i „Marianische Satzungen der
Kongregation Mariä Reinigung in ANdorf gen.
Weingarten. 2. Auflage. 1804." Heck.
Job st F reudne r, Waffenschmied (Schwertjeger)
ans Ulm im 16. Jahrhundert, der
Meister des Reichsschwert eS.
DaS preußische, auch bei den Zeremonien des
deutschen Kaiserreichs benützte (im „Jahrbuch der
kgl. preußischen Kunstsammlungen", XVI, Berlin,
1895, G. Grvtesche Verlagsbuchhandlung auf
Tafel I zu S. 104 ff. abgebildete und daselbst näher
beschriebene), 0,96 m lanze Reichsschwcrt,
i dessen Zierformen und reiche figürliche Dar-
j stellungen durchweg im Stile und nach direkt
nachweisbaren Kompositionen Nürnberger Klein-
! mcister ans der Zeit von 1530—40 gearbeitet
! sind und auf der Vorderseite eine leidlich zu-
sammenhängende Folge von Vorgängen ans
dem alten Testament bilden, ist nach der a. a. O.
S. 103—137 'von Jul. Lessing veröffentlichten
Abhandlung: „Die Schwerter des preußischen
Krontresors," ans welche hiermit bezüglich alles
näheren, namentlich bez. der Beschreibung des
Schwertes verwiesen wird, beziv. auf Grund
der Untersuchungen von vr. Schwenke und Lange
^ über die Silberbibliothek der Universität Köuigs-
^ berg :e. durch einen — von Albr. Weyermann
j in seinen „Nachrichten von Ul mischen Künst-
l lern" w. und sonst gar nicht gekannten, aber jeden-
falls bedeutenden — Meister Jobst Freudner
j aus Ulm i. I. 1540/41 zu Königsberg selbst
für den Herzog Albrecht von Preußen gefertigt
! worden. Freudner war von 1527—1550 fin-
den Herzog thälig. „Vom 27. Januar 1540
an erhält er in mehreren Raten Silber ,,„zn
meines gnädigen Herrn Schwerdt und Stvß-
degen"" im ganzen 13 Mark 4 Slot 1 Quart.
Am 14. November 1541 erhält er 34 ungarische
Gulden, „„damit er das Knresschwert und den
«tvßdegen vergolden soll"". Bei der Schluß-
abrechnung am 28. November 1541 wird sein
Arbeitslohn einschließlich des zngegebenen Ma-
terials „„zur Schwerttaschen"" ans 122 Mark
t 45 Schilling festgestellt. Die Menge des vcr-
! wendeten Silbers und Goldes, die Arbeitszeit
von 1°/« Jahren weisen auf eine besonders reiche
Arbeit hin, wie solche auch in der That dieses
Reichsschwert zeigt. Der Name KnreSschwert-
! Kiirisschwert bezeichnet ein zur vollen Ausrüstung
! des gewappneten RitterS (Knrissers) gehöriges
l Schwert und paßt durchaus ans das jetzige
j Reichsschwert." Die wahrscheinliche Annahine,
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