Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Seite: 80
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1896/0081
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
das; dasselbe das durch Jobst F re n d n e r hcrge-
slellte sei, wird betätigt durch den an der Scheide
und am Griff eingcschlagenen Stempel des Gold-
schmieds I, tvelcher auf den Vornamen Jobst be-
zogen werden mns;. Dies ist allerdings ganz
ungewöhnlich, da inan nach allgemeinem Branche
ein K oder I K erwarte» würde. Indes zeich-
neten auch Wenzel und Christoph Jamnitzer mit
einein LV bezw. einem L, aber neben der Hans-
marke, dein Löwenkopse, welcher den Vatersnamen
vertrat. Es muß also angenvmmen werden,
das; Jobst Fr endner sich seinerzeit in Königs-
berg vorzugsweise mit dem Vornamen nannte.
Das; jenes I wirklich sein Zeichen ist, geht un-
zweifelhaft ans der Abstempelung der llnivcrsi-
lätsscepter von Königsberg hervor, welche das-
selbe I tragen und nach den vorhandenen Rech-
nungen im Jahre 1544 durch Jobst Fr endner
gefertigt wurden. - So hat also ein - - allem nach
hervorragender — Ulmer Meister die Wafsen-
schiniedknnst im 16. Jahrhundert nach dem Nor-
den getragen und daselbst zu Ehren gebracht,
und ist also das jetzige Reichsschwert ein Werk
von Ulmer Hand! Lecll.
Ein Gemälde (Porträt) von „Hans
der Maler zu Schwaz" i» Ravensburg.
In einem im „Repertorium für Knnstnnsscn-
schast" (XVIII., 1895, 6. Hest, S. 411 — 423)
eischrneuen Aufsätze: „Hans der Maler zu
S ch w a z" von M. I. Friediä » de r, aas welchen
bezüglich alles Näheren zu verweisen ist, wird
eine Reihe (19) von (früher zum Teil dem
Beruh. Strigel bezw. dessen Schule zngcivicsenen)
Oelbildnisse», darunter ein ans dem Knrmeliier-
tloster von Ravensburg stammendes, jetzt in
der kgl. ä. Pinakothek zu München befindliches
Porträt mit folgender Katalog-Bezcichnnug: „X.
192. Schule des Beruh. Strigel. Brustbild
N on u crs (eines Schwazcr Palricicrs) in halber
Seitenansicht nach links. Der Dargestellte hält
einen Brief in der Hand mit der Ansschrist:
Könner 2u bannclen — Lrv.at?
1529. XXVIII. (Lebensalter.)
Ans der Rückseite Wappen mit Lille ans Halb-
mond. 48 X 88. Holz", sowie eine fast in allen
(se.bst den ileinsten) Partien vollständige, im
Besitze der Schmia Kirsinger Wuwe zn Ravens-
burg, nunmehr in der auf dem dortigen Rat-
hanse neu angelegten Kunst- und Altertümcr-
sammlung befindliche Wiederholung des vorge-
nannten Bi.dnisjes, hauptsächlich auf Grund
eines (auf einem andern, dem gleichen Maler
zngewiesenen Porträt angebrachten) Monogram-
mes mit der Unterschrift: LI. 2. 8. re., einem
Maler Hans von Schwaz (in Tirol) nicht
ohne Wahrscheinlichkeit zugeschriebcn. R. Bischer,
welcher bekanntlich die Maler Strigel, wenn nicht
entdeckt, so doch näher nachgcwiesen und sehr zn
Ehren gelnacht hat, bestimmte diese beiden Bild-
nisse im „Jahrbuch der kgl. prens;. Kunstsamm-
lungen", VI., S. 89 ff., als der Schule des B.
Strigel, und zwar einem ganz besonder» Schüler
zugehörig und bemerkt speziell von dem in Ra-
vensburg befindlichen Bildnisse, welches früher
i:i bekannter Weise als Dürer, Holbein, Zcit-
blom ». s. lausend, da und dort zum Verkaufe
angebote» worden war — andererseits wurde
Stuttgart, Buchdruckerei der

gar schon von einer viel späteren (Herrichschen)
Kopie gesprochen —: „. . . gleichfalls 1529 da-
uerte Ncpnk dcS Nvnnci-Porlräts — augen-
scheinlich von einem Schiller SlrigelS, vielleicht
von demselben, welcher das Original (?) in
München ansgesnhrt hat. Es ist geschäsisn,ästiger,
aber einheitlicher ells jenes behandelt." Leider
ist in Ravensburg selbst über tue Herknnst dieses
Bi deS nichts zu erfahren; dem Einsender, welcher
die anderen angezvgcnen l8 Bildnisse gar nicht
kennt und schon deshalb anher stände ist, über
diese Zuschreibung seine Ansicht anszn preche»,
ist auch nicht bekannt geworden, wohin daS
Archiv des vormaligen Navcnsbnrger Karme-
literkwstcrS, in welchem vielleicht etwas zn finden
wäre, gekommen ist. — Nach Friedländer, welcher
übrigens das Ravensbnrgcr Porirät gar nicht
gesehen und bezüglich desselben lediglich Bischer
folgt, erscheint nun dieser Meister Hans schwä-
bisch; „mehr an Utm und Memmingen als an
Augsburg und nnch an Nördlingcn wird der Be-
obachter 'gemahnt". Als besonderes Merkmal
der Werke dieses Porlrätisten bezeichnet Fried-
länder die falsche Siellnng der längen: „Der
Augenstern sieht nämlich im Halbprofil zn schräg,
oben zn weit nnch vorn geneigt; die Abweichung
vor der natürlichen Lage ist zuweilen höchst aussällig
und gicbt den Köpfen einen festen, in das Leere
gerichteten Blick" — ein Fehler, welcher manch
mal auch bei anderen Meistern beobachtet wird,
besonders häufig und ansgcprägtbeiZeilllom, „von
dem der Tiroler Maler die falsche Gewähnnng
direkt oder mittelbar überkommen haben könnte".
Im Vergleich zn Strigel erklärt Frledländer den
(täglichen Bilvnismnler für „gras; und einsacb,
minder eigenartig, petsönlch oder mnnirieA in
der Auffassung, weniger eingehend i» der Durch-
führung und weit weniger interessant in der Kolo-
ristik. . . . Mit Zcitblom hat er sein Ge-
nügen an der grosen Linie, an der Hanptsorm,
dir er mit biederer handwerklicher blühe um-
schreibt. . . . Psychologe ist dieser Port,allst ganz
und gar nicht. Besonders seine späiereu Köpfe
sehen inhaltsleer, gleichgültig uns gedankenlos
aus. . . ." Jedenfalls bildet, immee die Nichtig-
keit der Nenausstellnng dieses Meisters voraus-
gesetzt, diese Annäherung eines lirollsche» Malers
zn Anfang des 16. Jahrhnndeits an die schwäbische
Schule einen interessanten weiteren Beleg für
die Kunstbezichungcn zwischen Tirol und Schwa-
ben, von welchen wie schon im „Archiv für
christliche Kunst" (1893, Nr, 10, S. 93—96)
handelten. Leeic.
sPer svnatu ach r ich t.j Herr Pfarrer Ilr. Engel-
bert Hofel c vv» Ummcndori, der frühere RTda ttenr
dieser Zeitschrift, welcher sich durch deren Grün-
dung ein unbestreitbares Verdienst erworben,
wurde unlängst von Sr. Heiligkeit dem Papst
Leo XIII. durch die Verleihung der Winde eines
päpstlichen Hansprälnten ausgezeichnet
und hat auch die kgl. Erinächlignng zur Annahme
dieser Würde und Führung dieses Titels erholten.
Die Redaktion glaubt im Sinne der Leser und
Freunde dieser Zeitschrift zu handeln, wenn in
derselben Herrn rc. Hofele die anfiichiigste» Glück-
wünsche zn dieser Auszeichnung hienut ausge-
sprochen werden.
Akt.-Ees. „Deutsches VotkSblatt".
loading ...