Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Page: 165
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fleißiger Bitt, die er an den Konvent
»hat, ließ man ihn heraus, legte ilnn Fuß-
eisen an und ließ ihn bei den Brüdern
umgehen und er half den Laieu-Brnderu
arbeiten. Er zeigte sich fromm und geist-
lich; also ließen sie ihn wieder auf den
Hof. Da war er etlich Zeit und ging
heimlich davon. (Er) kam ins Bruder-
hauö zu Rottenburg,') da hielten sich so
wohl eine Zeit, daß sie ihn zu ihrem
Vater erwählten und seine Brüder waren
etwas unwillig auf ihn, denn er hielt sich
nicht also wohl, als er sich augezeigt hat,
und er ging heimlich davon. Man schickte
ihm nach, denn er hatte seinen Brüdern
Schaden gethan; also betrog er uns, auch
die arme Versammlung (Konvent). Gott
verzeih ihm seine Sünd und Mifsethat! Nach-
dem wir das geschrieben hatten, sagten niiS
unsere Brüder der vorgenannte Bruder Hans
wäre zu Regensbnrg elendiglich gestorben
an den Franzosen. Der allmächtige Gott
sei ihm gnädig!
Der siebente betrügliche Bruder mit
Namen Rudolf St a d ts ehr e i v er von
Gmünd, der war jung und leider ein
Welcher;,Z hatte, wie eS sich erzeigte,
wenig Grund der Geistlichkeit in sich, war
unfriedlich, unwahrhaft, als wir oft innen
sind worden. (Er) machte Zwietracht und
Uneinigkeit zwischen den Brüdern, belei-
digt die arme Sammlung, fiel über die
Mauer und zog erbärmlich um, warf von
ihm den heiligen Orden, ward ganz welt-
lich, ging je in der Fastnacht in Frauen-
kleidern. Wie man uns sagt, war er
leider ganz verwegen. Im andern Jahr
als er entging an St. Brigittentag, da
niedere Brüder und Schwestern sich an-
schickten, zu empfangen die heilige Abso-
lution und man seiner kein Sorg hatte,
da machte er sich davon. Im fünften
Jahre kam er wieder, bat, mau sollt ihn
wieder einnehmen, brachte Briefe von ehr-
baren Leuten, die für ihn baten und ver-
sprachen in ihrem Schreiben, er würde sich
bessern. Also nahmen ihn die Brüder
wieder auf. Da war er leider nicht viel
übers Jahr bei ihnen, fiel abermals aus,
und man sagt, er hätte gesprochen, der
Teufel sollt ihn hinführen, wenn wieder

komme. Also ist er noch ans, und als
man uns sagt, redet er dem heiligen Or-
den übel nach. Gott der Allmächtige ver-
zeih ihm seine Sünd und Mifsethat, ver-
leih ihm der (Gott) eine Erkenntnis und
geb ihm eine wahre beständige Wiederkehr!')
Der achte arme Bruder mit Namen
Jobst Zerler von Erfurt, der ganz
ohne Ursach ausfiel von der Väter Klo-
ster, kam am ersten her in Laienkleidern
und bat um den heiligen Orden, stellt sich
ganz geistlich. Und er zog wieder hin,
da er gebeten hatte. Kam über etlich
Zeit her wieder, that die andern Gebitt,
begehrt eine Weil auf dem Hof zu bleiben
und drückte doch aus, man sollt ihm nicht
viel zeitlicher Geschäft befehlen, er hätte
sich ganz Gott ergeben, dem müßte er
genug sein »ach seinem Treiben. Und er
wohnt eine Zeit auf dem Hof, zog wieder
hin, brachte einen Gesellen mir ihm, (sw)
wohnten mehr denn ein Jahr bei einander auf
dem Hof und der Student lehrte ihn Latein
und unser würdig Vater Bernhardin schickt
ihn dreimal auf die Weihe. Doch legte er
ihm an den Orden (das Ordenskleid) vor
der Schickung, segnet ihn ein zu einem
auswendigen Bruder und da er Priester
ward, ging er ein und hielt sich am ersten
ganz wohl und auf eine Zeit bracht er
mit seiner Demptu? auf in dem Kapitel
und begehrt Urlaub von dem würdig Va-
ter und Konvent. Da wollt ihm niemand
kein Urlaub geben, sie setzen ihm zu und
baten ihn, er sollt ihnen doch sagen oder
auf einen Brief schreiben, was ihm doch
anläge. Da sprach er: es lhut mir nie-
mand nichts, darum wollt er dem würdig
Vater eine» Brief geben und er ging hin,
schrieb einen Brief, darinnen stand und
entschuldigt er alle Brüder, den ganzen
Konvent, wie er die Zeit bei ihnen ge-
tz Bon einem andern Brnder ans Gmünd
meldet das Seelbnch: Niclas Schlecht von Gmünd,
war ein Ehemann nnd seine Fran hat ihm er-
laubt, ein Brnder zu werden nnd das liebe
Mensch hätte so gerne gesehen, daß wir sie zn
einer Lnienschwester Hütten ausgenommen. Das
wollten wir nicht thun, denn sie hatte die Fran-
zosen nnd der liebe Brnder auch die Franzosen.
Er war ein Metzger, war dem Gotteshaus
treu nnd seine Krankheit nahm zn. Er begehrte
eine Zeit Urlaub, hätte- einen reichen F-rennd,
der wollt ihn anshalten nnd heilen lassen.
Also war er eine Zeit ans nnd starb. Gott
geb ihm die ewige Ruhe!

>) An der Tauber.
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