Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Page: 166
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wohnt hätte, das; ih» keiner nie beleidigt
hätte und ihm alle Lieb nnd Tren von
ihnen beschehen wäre. Darüber gab er ihnen
seine eigene Handschrift. Ihn trieb auch
keineswegs hinaus weder Neid noch Haß
oder keinerlei Unwillen, den er zn ihrer
keinein hatte. Denn alles Gnte wäre von
ihnen geschehen und andere viel schöne
Worte, die er im Brief gesagt. De» gab
er dem würdigen Vater Jakob, aber er
vermeinte, die Brüder sollten ihm desto
eher Urlaub gebe», so er sie also entschul-
diget in seiner eigenen Handschrift.') Da
man dem Konvent der Brüder den Brief
vorlas nnd ihm (über ihn) eine Stimm
ließ umgehen, da wollt ihm keiner in dem
ganzen Konvent Urlaub geben bis ans
einen.
Da ward er unwirsch, wollt seine
Schrift wieder haben. Da wollt ihm der
würdig Vater die nicht wieder geben nnd
sie ermahnten ihn mit viel guten Ermah-
nungen. Auch schickt die würdig Mutter
nach ihm, sprach ihm auch mit etlichen
Schwestern freundlich zu, er sagte, er
hätte weder Freud noch Lust i» der Welt,
er meinte aber immer zu >— nnd das
wäre seine Anfechtung — er wollt Gott
näher werden in der Freiheit,^) denn
so er gebunden wäre, und er wollt ein
beschaulich, einsiedlerisch Leben anfangen.
Damit betrog ihn der Feind. Und da er
sah, das; ihm niemand wollt Urlaub geben,
da that er, als ob er sich ganz wollt lösen
und davon kehren nnd sprach: so ihr mir
dann je kein Urlaub wollt geben, und wollt
es ans euch nehmen, so will ich ans (bei)
euch bleiben. Und er war fest cingezogen,
ließ sich keine Anfechtung mehr merken,
das; wir alle froh waren nnd vermeinten,
er hätte sich ganz davon gekehrt. Aber
er wartete seine Zeit nnd Hub sich davon,
den nächsten Tag »ach dem Obersten das ist
der hl. 3 König Tag. Man schickt ihm
naeb, und lange Zeit darnach kam ein
Bot von unserem gnädigen K>errn dem
Bischof, der entbot uns, Bruder Jobst
wäre zn ihn, gekommen, er begehrt etlich
Ding von ihm nachznlassen. Das wollt
er nicht thun ohne unser» Willen und
Nachgebnng. Da .schickten wir Herrn
0 Der schlaue Sachse!
ch Evangelische Freiheit.

Wolfgang Nöser,') der dann ans dem
Klvsier Hof bei uns ein Wesen hat; und
da er zu ihm (Zerler) gen Augsburg ge-
kommen war, da war er übel ob ihm er-
schrocken. Der würdig Vater gab Herrn
Wolfgang den Brief, davon früher ist ge-
sagt worden, den Bruder Jobst mit seiner
Hand geschrieben hat nnd den Brüdern
überantwortete in dem Kapitel, da er ver-
meinte, er wollte ein Urlaub damit hcrans-
bringen. Herr Wolfgang gab dem Bi-
schof, Herrn Christoph von Stadion,^)
denselben Brief zn lese», der ihm (Zerler)
ein großen Nachteil brachte und der Bi-
schof wollt seinem Begehr nicht nachgeben.
Doch gab ihm seine Gnaden nach, Messe
zu halten, aber nicht in seiner Gnaden
Bistum, also steht es noch. Was mehr
gehandelt ward, wird hernach geschrieben.
Kommt er aber wieder, des wir alle be-
gehren von wegen seiner Seele Seligkeit,
ob cs der Wille Gottes ist, so werde diese
Gescbrist abgethan und mit einem Bogen
Papier verdeckt nnd verleimt und sein
nimmer mehr gedacht. Also geschehe de»
andern allen, die mit beständigem Vorsatz
wiederkehren zu dem heiligen Orden!
Soweit der Bericht der Schwester Wal-
bnrgis, die zuletzt angekündigte Fortsetzung
ist unterblieben nnd das was sie über
Zerler schreibt, wurde nicht verleimt, ein
Beweis, daß er anszeihalb deö Klosters
blieb, wie die andern auch, bei denen die
Hoffnung der Wiederkehr ausgesprochen
wurde (z. B. bei Bruder Wolfgang).
Beiträge zur Beschreibung de-°
Taudlrapirel-s Hurb (Varusterreu).
Bon Pfarrer Reiter in Vvllmaringen.
l. Altheil».
Außer in der Stadt Horb, wo sich schon
seit dem 13. Jahrhnnc-ert Dominikaner-
innen und FranziSkanerinnen angesiedelt
hatte», gab es klösterliche Niederlassungen
in Nordstetten (Begumen), in Eutingen
(Franziskanerinnen, welche nacb der En-
linger Chronik zur Zeit des 30jährigen
Krieges nach Horb zogen) nnd in Altheim
Neffe des Mitstifters des Klosters, Dekan
Konrad Roser, Pfarrer in Maihingen.
2) Bischof Christoph 1517-1543 stand der Re-
formation sehr nachsichtig gegenüber svrgl. über ihn
„Rngsb. Pvstztg." 1890, Beil. Nr. 5 ff. >.
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