Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

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zur Erkundigung und mit dcr Anfrage
nach der Persönlichkeit des Verfassers aus-
geschrieben, ohne daß sich eine Lösung
dieser Anfragen in der Zeitschrift finden
ließ. In der Ausschreibung KiefhaberS,
in welcher auch nicht der geringste Aus-
zug aus der Flugschrift gegeben und K.
der irrigen Ansicht war, die Schrift komme
nicht in Panzers Annalen vor, ist der
Umfang der Schrift mit 3 Bogen ange-
geben, während Panzer 3'/e Bogen ver-
merkt; auch setzt letzterer für die Vollen-
dung: „XXI iar", während K. „zwain-
tzigisten" hat. Maltzahns „Deutscher
Bücherschatz re." (S. 149, Ziff. 923),
woselbst 14 Bl. (also 3sts Bogen) unter
Anführung des CingangsverseS: „HAb
osft gehört vor jaren sagen ..." und
unter Bezugnahme aufGoedeke, „Grund-
riß zur Geschichte der d. Dichtung" I,
S. 155, Nr. 1 und Weller a. a. O.
Nr. 1963 angegeben sind, ebenso der
Nachtrag hierzu: „Der Bücherschatz der
d. Nationallittcratnr rc." von K. H. (Berlin
bei Stargardt, 1854), woselbst die Schrift
unter 1494 (S. 97) gleichfalls mit drei
Bogen aufgeführt ist, nehmen zwei (?)
Ausgaben an. Ohne Zweifel gehörte die-
ser NeformationSschriftsteller HanS Wali-
ser einem Geschlcchte der seit Ende des
13. Jahrhunderts aus dem Wallis in ver-
schiedene Gegenden Vorarlbergs, so nament-
lich in das nach ihnen benannte große
Walserthal, in welches auch der Rothe-
brnnne», die Heimat des Schriftstellers,
gehörte, eingewanderten „freien Walser"
an, welche allezeit echte Deutsche, und
zwar Alemannen waren und in Vorarl-
berg schon im 14. Jahrhundert mehrfach
den Geschlechtsnamen Walser führten.
Ein weiterer unter den Vorarlberger Walsern
frühzeitig vvrkommender, auch für Schwaben
bedeutsamer Geschlechtsnamen ist Lamparter,
welcher auch in Bibernch (wo die Lamparter von
Greifenstcin zum Patriziat zahlten) und in Alt-
württemberg (Reutlingen rc.; s. darüber: „Die
Nentlinger Pntrizicrgeschlechter rc." von Schön in
„Rentl. Geschichtsbl.", VII, 1896, S. 15/16)
verkommt. Den den Appenzeller Krieg beendigen-
den Konstanzer Frieden vom 4. April 1408 be-
schworen alle Walliser, darunter auch die „znm
Snnnentag" (Sonntag), wohin der Rvthebrnnnen
eingepfarrt ist (s. „Die freien Walser" von Sani.
Plaltner im Svnntagsblatt des (Berner) „Bund"
Nr. 35—38 vvn 1879, insbesonders S. 297).
In der Pfarrkirche zn Sonntag ist für die 46
in der Schlacht bei Frastanz im Schwabenkricg
gefallenen tapferen Walser ein ewiger Jahrlag

gestiftet mit vier Messen; ihre Namen wurden
in früheren Zeiten znm ehrenden Gedächtnis
abgelesen und sind noch in den Verkündbüchern
zu finden. Ein Urbarbnch der Herrschaft Feld-
kirch ans der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
hat bereits einen Walser znm Verfasser, indem
ans der Außenseite steht: „Veldkirch 1431
Urban Wals;er" (s. Jos. Zösmaier: „Die Ansiede-
lungen der Walser in der Herrschaft Feldkirch
ca. 1300—1450" im 32. Jahresbericht des
Vorarlberger Mnsenmvereins von 1893. S. 16).
Fast um die gleiche Zeit, um die Mitte des 15. Jahr-
hunderts begegnet man in Tirol einem bedeuten-
den Maler Thomas Wo)ser (wohl Walser).
Unten au einem auf der Südseite der Halle des
Ai er an er Pfarrlnrmes angebrachten berühmten
Gemälde, welches nach Atz „Kunstgeschichte von
Tyrol rc" (S. 362) zwei ernste Männer ohne
Nimbus, „der eine in säst orientalischer Tracht
hinweisend auf ein leeres Kreuz, der andere
davor betend" zeigt, liest man in spätgotischer
Schrift: fecit . . . Ihomas wvlser. Die gegen-
über stehenden, gleichzeitigen Eiuzelfiguren unter
reichen Baldachinen it. Gotik: St. Barbara.
Leonhard. Florian. Christoph (mit dem Jesuskind
ans dcr rechten Schulter) und Katharina stammen
wohl vom gleichen Meister? — In „S. Chri-
stophen ans dem Arlperg Bruderschaft Buech"
vom Jahre 1386 finden sich schon aus den ersten
Jahren des Bestandes dieser Bruderschaft mehrere
Wappen Walliser Familien. Die Walser in
Feldkirch führten im roten Schilde zwei goldene
Halbmonde, welche auch auf dem offenen roten
Flugs über dem Helme wiederholt erscheinen;
Helmdccken golden und rot. Dieses Wappen ist noch
in der dortigen Friedhofkapelle zu sehen, ebenso
au der Front eines alten Hauses in der dortigen
Marktgasse, welches früher die Nr. 89 trug. Am
selben sind drei Wappen in Stein gehauen mit
der sehr geschnörkelten Jahrzahl 1465: das obere
alleinstehende gleicht dem österreichischen Schilde
mit dem silbernen Querbalken im roten Felde;
rechts unter demselben enthält das eine zwei
Halbmonde mit ausgebildeteu Gesichtern, die
Bogenliuien laufen in der Mitte zusammen,
und wo sie oben und unten auseinander gehen,
ist ein Stern angebracht (Waizenegger-Merkle,
Vorarlberg, II, S. 146). Auch Bncelin in seiner
„6enealo§ica üermanias irotltia" (S. 503) schreibt
dieses Wappen dem Wasserscheu Geschlcchte zu
und führt von letzterem den Wachtmeister Joh.
Jak. W. und Amtmann Andr. W. in Stocken
an. Ein anderes späteres laut (im Tiroler
Wappenbnch zu Wien XIV. 132 liegenden)
Wappenbriefes von Erzherzog Leopold au den
Landammaun des Gerichtes Nnnkweil und Sulz
Thomas Walser d. d. 20. Mai 1626 verliehenes
Walsersches in Or. Fried. Wilh. Lorinsers
„Gedenkblatt der Familie Lorinser rc." ans Wappeu-
tafel IX abgebildetes Wappen setzt sich folgen-
dermaßen zusammen: Schild in Gold und Rot
qnergeteilt, darin auf grünem Dreiberg ein Stcin-
bock (!) aufrecht, oben schwarz, unten silberne
Helmdecken rechts (vom Schilde) gold und schwarz,
links silbern und rot. Auf dem Helm eine Wulst
vvn gleichen Farben, darüber der schwarze Stein-
bock wachsend, eine Partisane mit roten Fransen
haltend. Dieses Wappen muß indes schon lauge
früher geführt worden sein, soserue dasselbe —
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