Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Seite: 44
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Hofen, Horb, Mehlishofen, Schlichen und
Oberstaig in Bezug ans Taufen, Beerdig-
ungen und österliche Kommunion sich »nä
matricem ecclesinm in UerZ« zu wenden
haben. Wenn nun auch der Pfarrer von
Berg in Blitzenrente durch einen Vikar
sonn- und feiertäglichen Gottesdienst halten
ließ, so gab eS doch »ob villarunr et
praecliorum Oistalitiam« genug Stoff zu
dauernder Unzufriedenheit, zumal der Hilfs-
geistliche beim Pfarrer in Berg wohnte.
Aber auch das Kloster Weingarten selbst
sah eine Trennung der Filialien von der
Mutterkirche nicht ungern. „Nebendem
ermüdeten sowohl den Abt Georg als dessen
Nachfolger die immer anwachsenden For-
derungen, welche die Pfarrherrcn zu Berg
für den Unterhalt ihres Vicarius machten
und ihre Unbescheidenheit ungeachtet die
erhöhten und freiwilligen Beiträge zu hoch
trieben."') So wurde denn Blitzenrente
mit seinen Filialien von Berg losgetrennt
und zur selbständigen Pfarrei erhoben.
Das Ereklionsinstrnment, datirt vom 2. Okt.
1696, in der Handschrift 6c ecclesiis
pnrocliiaiibus p. 304, bestimmte n. a.,
daß der Pfarrherr von Berg wegen Pastor-
ationserleichternng der neuen Pfarrstelle
10 Scheffel Frucht abtrete und daß, »ut
llonor mntricis ecclcsiac in Uer§ serve-
tur«, die Blitzeurenter wie bisher an S.
Marknstag, in der Biltwoche und an S.
Johannes und Paulus die Prozession ge-
meinsam mit den Bergern halten. Der
damalige Pfarrer Feuerstein hat diese Ver-
änderung also in das Verkündbnch einge-
tragen: »Hoc uniro 1696 muitis unten
exortis litibus et oppositionibus unclic^ue
üiiaiis Ucciesine Liirenreutbensis n
matrice ecclesin facta est separatio
Perpetua et Ulmenreutbe parocbia
propria facta est.« III. p. z6i.
Nach Lostreiimmg der beiden Pfarreien Fron-
hofen nnd Blitzenrente war die Pfarrei Berg
innncr noch so groß, daß sie sich in einer Länge
von 2^/2 nnd in einer Breite von 2 Standen
erstreckte. Kein Wunder, daß viele Parvchianen
selten nnd ungern in die wenentlegene Pfarr-
kirche kamen nnd in die benachbarten Kirchen
auslicfen. Pfarrer Ortlieb macht im muakogos
commooimuUMm v. I. 1741 seinen, Unmnte
darüber also Luft: »n-rrockimm vcclde lueruot
in älviuis et raro in ecclesia purc>-
elriLll comparuerum et non ulst ln ^arvo
') de eccl. pcrr. p. zo8.

uunrero: verum Deus Nubit ineremeirtum, ut
ove8 meue voeem meau, uucllant et matileem
eeelesium clill^eotlus visltent et non urlfueentes
eceleslas et monu5terl-i, udi tuntnm un! missae
et raro conclonl intersunt.«
Unter diesen »ncZIi^slitcs« waren ge-
wiß auch die von der Pfarrkirche eine
Stunde entfernten Filialisten voll S ch m a l-
egg und Umgebung. Dort bcfandZsich in
der Feste ein Oratorium, dem hl. Nikolaus
geweiht, dessen cteUicatio an Philipp!
und Jacob! war: »>bi (in lesto aposto-
lorum) est cleclicatio in smaleAA.«')
Der Pfarrer von Berg hatte keine Ver-
pflichtung; „der Pfarrer nnd Helfer sind
nit verbunden zu celebrieren; wan sy aber
celebrierent, gibt man Inen präsent 10
kreutzer, welche der Vogt in seine Raitnng
schreibt ns; befelch Bürgermeisters Schin-
delin"ch (1585 u. 92 Bürgermeister in
Ravensburg).
Als a. 1753 zu Berg eine Kaplanei
gegründet wurde, steuerte die Stadt Ravens-
burg als Grundherrin von Schmalegg zur
Unterhaltung des Kaplans jährlich 60
Gulden bei unter folgenden Bedingungen
a) Gegen obigen Beitrag habe der
Benesiciat alle Sonn- und Feiertage die
hl. Messe zu lesen, Predigt oder Christen-
lehre zu halten und 22 hl. Messen acl
intentioirem iunclatorum zu lesen;
b) sollen einem Pfarrer zu Berg die
jura parociriae et stolae in Schmalegg
verbleiben;
c) sollen die Schmalegger den Benc-
viciaten bei schlimmem Wetter abholen und
heimführen;
6) solle der Kaplan, wenn er krank-
heitshalber nicht gehen könne, es Tags
vorher nach Schmalegg berichten; bei
längerer Krankheit solle er den Gottes-
dienst durch einen anderen Geistlichen zu
halten verpflichtet sein und zwar auf seine
Kosten;
e) werde der Gottesdienst in Schmalegg
eingestellt, so sistire Ravensburg auch die
jährliche Beisteuer von 60 Gulden.
Diese Kaplanei zu Berg wurde durch
K. Reskript vom 14. Oktober 1820 nach
Schmalegg trausferirt und unter Zuteilung

'> Berger Seelbach p. 15.
ch de eecl. par. p. 8.
ch Ebendaselbst x. 301 ff.
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