Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 126
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meldet, ein übles Ende. Er wurde am
27. August 1751 iu einem Alter von
61 Jahren nächst St. Martin (d. i. der
Friedhof zu Sch.) auf daselbstigem Wies-
platz unweit der anderletzteu Stations-
saul von unserem berühmten Meister
Erasmo glücklich decapitiert. Er hat sich
dabei sehr wohl und wacker eingestellt
und disponiert; er war vor Jahren unter
Abten Didaco und Siardo unser Kloster-
jäger, zu Hopferbach seßhaft, ein gescheiter
beredter Mann, hat auch bei der Herrschaft
vieles gegolten; weil er aber zugleich auch
Holzammann war, und mit Ausgab und
Verlausung des Holzes zu schelmen (Ha-
lunken) angefangen, so wurde er lehen-
fällig gemacht und ihm nach abgeschworener
Urphed die Herrschaft verwiesen. Darauf
vagierte er das Land hin und her und
verhielt sich mit Wildbretschießen und
Stehlen; er war früher zu Zwiefalten und
Sigmaringen w. eingelegt und wurden ihm
an letzterem Ort zwei Finger an der
rechten Hand abgeschnitten. Item hat er
unweit von hier ein Pferd und in einem
anderen Haus ein Reitknpp (Reitzeug?)
dazu gestohlen, weswegen er und »och
wegen anderer Diebstähle zu Waller-
stein l?) eingezogen, ihm das Todesurteil
verlesen, auch schon bereits auf den Stuhl,
um enthauptet zu werden, gesetzt, aber
annoch pardonniert und statt dessen mit dem
Galgen kanterisiert worden. Dessen unge-
achtet aber fuhr er zu stehlen fort, kam
hier ein und obwohl er vi coimkituki nicht
mehrereS als etwelche lurim eingestanden,
so ist man doch mit ihm als toties cor-
recko et nuncxunm emenckato mit der
Exekution fortgefahren. Als Schelmen-
patres wurden ihm zuverordnet ?. Gilbert
Schütz, welcher trefflich mit dergleichen
Gesellen umzugehen weiß und ?. Jöfried
Strobel, so die Leichpredigt gehalten.
Am 10. April wurde ein verdammliches
abergläubisches Komplott entdeckt, welches
seine Zusammenkunft in Martin Kochs
Hans in unserem nahen Dorfe Kürnbach
Halle, um zwei Geister zu erlösen und
dadurch viel Geld zu bekommen. Der
Anstifter dieses höllwürdigen Frevels war
ein gewisser BalthaS Megele (?), ein Ober-
länder von Geburt, welcher auch wegen
der „hölzernen Herrgotte", die er schnitzte,
der „Herrgottsmann" genannt wurde. Der

Anfang seiner verdammlichen Thätigkeit
bestand darin, daß er vielen Leuten, darunter
auch dem Martin Koch, gewisse Mittel
anerbot, Kraft deren ihre 3. v. Kühe
allein, die übrigen aber keine Milch
lassen würden. Weilen also zu Kürnbach
sich etwelche dieser Mittel bedient, sind
große Feindschaften, Argwohn und Zwie-
tracht in dieser Gemeinde entstanden; seine
Bosheit aber wurde immer größer. Denn
weil er schon eine lange Zeit in des
Martin Kochs Hans aus- und einging,
hat er eine geile Liebe zu etwelchen Dicnst-
mägdlein geheget, um welche auszuführen
er folgende teuflische List erdacht. Er
gab nämlich diesen leichtgläubigen Tropfen,
wie auch dem Mart. Koch und ....
Weib zum öfteren vor, daß in diesem
Hans und dessen Gegend zwei Geister
giengen, welche sich vor 200 oder 300
Jahren ans verschiedene Weise mit einander
versündigt hätten; er sei derjenige, den
Gott allein zur Erlösung dieser Seelen
auserkiesen; doch sei notwendig, daß auch
andere, besonders die Mägdlein, dazu ver-
hilflich seien. Um also seinem geilen
Bocksbegehren genug zu ihn», stellte er
diese Geisterbeschwörung allzeit bei dunkler
Nacht und zwar in Mitte der Mägdlein
an; er knieete nieder und betete mit lauter
Stimme mit anderen einen Rosenkranz w.;
unter diesem Gebet aber waren seine Hände
beschäftigt, venerevZ ek Insc:ivo3 puelln-
runr knckus auszuüben. Als aber diese
in sein Begehren einzuwilligen sich weigerten,
sagte er, daß die Geister, weil sie vormals,, eben
aso" sich mit einander versündiget, ans
keine andere Art erlöst werden können.
Die einfältigen Tröpsinnen glaubten es
und ließen diesen „Susanniter" (er war
60 I. alt) mit sich machen was er wollte.
Sein Versprechen, daß sie nach vollendeter
Erlösung viel Geld bekommen würden,
munterte sie auf, daß sie auf sein Ver-
langen ihre Arme entblößten und ihre
Röcke bis über die Kniee anfstürmten, um
ihm desto besser nach seinem Willen zu
sein. Sein Weib, eine verruchte Kanaille,
mußte indessen einen Geist agieren, kam
dann, während ihr Mann in anmern
anrikLkm, d. i. im Bette sein 6. Spiel
übte, zum öfteren vor das Fenster. Er
unterredete sich hierauf mit ihr und frug,
was ihr zur Erlösung abgienge, worauf
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