Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Seite: 137
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verübten die größten Gransamkeitcn und
Zerstörten alles mit wahrhaft kannibalischer
Wnt. Au allein hin brach 1635 die Pest
ans, und nach ihrem Erlöschen war die l
Gegend den (Überfällen des Obersten
Widerhold, Kvnnnandanten der Festung
Hohentwiel ansgesetzt; Teuerung und
HnngerSnvt waren unausbleibliche Folge.
„Lneviednt miles", schreibt der HistorU-
graph des Kloster Weingarten, ..nrnssn-
dntur pestis et rerum omnium enritn3
invalescednt." >) Mehr als einmal mußte
der Pfarrer sich flüchten, wie die spär-
lichen und unregelmäßigen Einträge in den
Kirchenbüchern zeigen. Was ans Pfarrer
Clesselin geworden ist, darüber fand ich
nirgends Nachricht. Bereits 1637 war
ein Stellvertreter für ihn da: stolmnnes
Ulerve, Irma temporig vices n§eim.
Vtdb. I. (Fortsetzung folgt.)

DUe li la frorst(so iu der Krichriftadt
Äruriiugen.
Bon Theodor Schön.
(Fortsetzung.)
Wenn die Klvsterherren dem Wein-
garten von der Kapelle „mit kaincr slaht
Dinge" entfremden wollten, so sollte er
dem Spital zu Reutlingen gehören. Hier-
nach ist zu berichtigen, das in den
Rcutlingcr Geschichts-Blättern 1896, 10,
gesagte, wo die Schenkung in die Jahre
1361 — 69 gesetzt wurde. Am 15. Jan.
1300 hatte bereits König Albrecht I. den
Hof des Kloster zu Marchthal in der
Reichsstadt Reutlingen und alles, was das
Kloster innerhalb der Berzänmnng und
Umgrenzung desselben besaß und künftig
besitzen würde, von allen, Joch mensch-
licher Knechtschaft epimicrt und festgesetzt,
daß jeder, welcher demselben Schaden
thäle, den, königlichen Fiskus 100 Mark
reinen und gewogenen Silbers, den March-
thalern Brüden, aber 50 Mark desselben
Gewichts zahlen sollte.Am 10. April
1312 überließ Propst Clemens V. de»,
Kloster Marchthal die Einkünfte der Ka-
pelle zu Reutlingen und erlaubt den die
Kapelle versehenden Brüdern die Beichte
abznnehmcn, und zu absolvieren. (St.-A.)
NIess LLtgl. udd. p. 456.
-) Lop. viäiin in, Fürstl. Thun,. lind wax.,
Archiv Rcgenslmrg.

Diese Urkunde ist jedenfalls, was die Form
betrifft, verdächtig. Doch kann der Inhalt
darum auf eine echte Vorlage znrückgehen.
Unter Propst Hermann (1329—1333)
wurde ein Hans zu Nenllingen verkauft,
dagegen schenkte unter Propst Eberhard II.
(1340—1344) ein Rentlinger Bürger
dem Kloster einen jährlichen Zins von
27 Pfund Heller, der dort auf einigen
Wohnungen haftete.')
In, Staatsarchiv fand sich folgendes:
In, Jahre 13 l 3 (nicht 13l2> bezeugten
Propst Bnrchard und die Sammlung von
Marchthal die Schenkung einer Gült von
1 Pfund Heller ans des J t e n h n sers Hans
in Reutlingen durch Pfafs Werner selig um
seiner Seelen Heil wille» für das Marchthaler
SiechenhanS „den Siechen zu Trost und
zu Besserung ir Pfründe" mit der Be-
dingung, daß sie die Gült nimmer ver-
kaufen sollte», „wan do eS cwcclich in
der Siech HnS hören svl, es ft banne,
do uns dieBurger dazu twingc»,
do wirs verkofen mnzzen, so svl inan
danne dieselben Phenninge an ain ander
Gut legen, das hinnanfnr in das Sieeh-
hnS diene ze aincr Gehugde, do man sin
dabi gedenke und och sin Jargzit erlich
und löblich begange".
Diese Urkunde zeigt, daß das Ver-
hältnis zwischen Kloster und Reichsstadt
bereits ein gespanntes war.
An, 13. Februar 1316 bestimmten
Bruder Heinrich von H a y ingen, Burger
zu Reutlingen und Schwester Lnigart,
„sin Nnnne und sin Kellerin" als Ver-
mächtnis für den Propst und den Konvent
des Klosters Marchthal verschiedene Güter-
stücke zu Reutlingen, nämlich deö Ve-
rtilgers Gur „ze Wingartcn, ez si
luczel (wenig) alter (oder) vil", 1 Jn-
chart Ackers „ze Behenbrnnne", 1 Jnchart
Ackers „in der Owe" zu Betzingen,
9 Schilling Gült auS einer Wiese „lit
hinter dem Ritter, Hinte,^ St. Peter's
Kirche" und 1 Huhn, 10 Schilling Et
ans einem Garten bei der Walkmühle,
ihr Haus im Marcbthaler Hof, die Hof-
raite°nnd alles, was zum Hanse gehörte.
Am 23. April 1337 kauften Schwester
Jrmcngart und Schwester Adelheid die
Nosnagelin von Propst Heinrich und

l) Kurzgef. Gesch. S. 38, 40.
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