Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 173
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Reformation in dieser Kapelle die Aus-
übung der katholischen Religion immer
stattgchabt hatte, und ließ durch einen
kaiserlichen Notar feierlich protestiere».
Ja, Abt Ulrich reiste selbst nach Reut-
lingen und predigte und laö Messe am
Feste St. Jacobi l723, wobei die Kapelle
so voll war, daß sie nicht alle Anhörer
fassen konnte. U Dagegen blieb 1726 beim
großen Brande der Marchihalcr- wie der
Königsbrouner Hof vom Feuer verschont.')
Am 28. Oktober 1731 beurkundete»
Bürgermeister und Rat der Stadt Reut-
lingen einen Revers ihres Bürgers, dcS
Weingartners Michael Hengst, der von
seiner Küche in seinem vom Stadtwcrk-
meister Andreas Barte» schlager er-
kauften, neue» Hanse einen Wasser- oder
Gnßstein zu nahe an den Marchtbaler
Hof gemacht hatte, daß er ans eigene
Kosten eine ordentliche Rinne an besagtem
Hanse machen und das Wasser bis ans
die Gasse in den Bacb, dem Gotteshaus
ganz unschädlich, leiten sollte. Unterbliebe
dieses aber über kurz oder lang, so müsse
er ipso Incto den Wasser- oder Gnßstein
hinweg thnn. (St.-A.) Im Jahre 1745
war Marchthalischer Hofmeister der mit
Johanna Eberhardiuc Concordia von
Moltke vermählte herzoglich württem-
bcrgische Lieutenant Joh. Philipp Chri-
stian, ein Protestant.
Am 7. Dezember 1802 ergriff Fürst
Thnrn und Taxis Besitz vom Stift
Marchthal und von allem seinem Zngchvr,
also auch vom Hof in Remlingen.")
Doch schon am 19. Februar 1812 wurde
der Hof um 2880 sl. an Johann Marti»
Reich erter, Bürger und Metzger zu
Reutlingen, verkauft.H
Der Hof hatte früher Nr. 447 Lit. 13.,
nachher dritter Stadtteil Nr. 121, jetzt
Nr. 29 der Oberamteistraße als Haus-
nummer.
Christian Adam Kurz, Zinngießcr,
kaufte 8. April 1812 das „Kirchlein"

0 Ebenda, S. 166—.167. Beftbegründete
rechtliche Relativ, 171-1. Bcylage L.
-) Gaylcr II, 85.
'> Kmzgef. Gesch. S. 222.
U Gn>)lcr II, 286. Ans dein felgenden er-
gicbt sich, das; Al. Eyffeit, „Führer dnreh Ncnt-
tingen" 1878, 31 irrt, wenn er meint, daß die
Novelle deS Königsbrouner Hofes als Glocken-
gießerei gedient habe.

von Marlin Neichcrtcr, Metzger. Im
Kantkontrakt wurde bestimmt, daß daS
gewölbte Kirchlein im Marchthalischcn
Hof, welches z» einer Roth- und Glocken-
gießerei eingerichtet werde, nie zu einem
WobnhanS eingerichtet werden dürfe und
daß die vordere Thüre an der Kapelle zn-
gcmanert werden müsse. Hingegen sei
Kurz berechtigt, eine andere Thür in die
HauS- und Hofmaner zu seinem Gebrauch
brechen zu lassen. Doch dürfe dieselbe nur
allein zu den „Röhrstaugen" benützt werden.
Bon Christian Adam Kurz sch 13. März
1827) erwarb eS 1827 sein Sohn Franz
Ludwig sch 9. Okl. 1836). 1831 erhielten
cs dessen Brüder Heinrich (ch 28. Jan. 1853)
und Christian sch 15. Okt. 1856) je
hälftig durch Erbschaft. 1833 empfing
Gottlob Kurz senior, Glockengießer
(ch 9. Dez. 1881), das „Kirchlein" hälftig
von seinem Vater Heinrich Kurz, Glocken-
gießer in Stuttgart, zum Heiratsgut und
erwarb 1838 die andere Hälfte von
Christian Kurz, Seifensieder. 1864
empfing eS der mit Rebekka Sophie Fehl
vermählte Gottlob Kn rz junior, Glocken-
gießer'sch 21. Febr. 1885), um 2200 fl.
zum HeiratSgnt. Von dessen Witwe erwarb
1885 Carlos Majcr, Privatier in Reut-
lingen, die Marchthaler Kapelle um 3500 M.
für die Freimaurerloge „Glocke am Fuß
der Alb"! Beim Umbau fanden sich
mehrere Gräber in der Kapelle, beim
späteren Erweiterungsbau im Hofe nichts.')
5. Der Zw ic satter Hof.
Gewiß der älteste und bedeutendste aller
Klosterhöfc in Remlingen ist der Zwie-
saltcr oder St. Johanues-Hof. Schon
Ernst, ein Dicnstmann des Grasen Lintold
von Achalm, schenkte vor 1138 dem von
Lintold und seinem Bruder Kuno 1089
gestifteten Kloster Zwiefalten eine Mühle
in Ncntliugcn, ch) ein Bruder Gerolt
mnusus und ein Bruder Walter 6 Mor-
gen. Auch schenkten vor 1130 Lintgard
von Beit reu une ihr Oheim, der Priester
Eberhard von Ehre n st ein, dem Kloster-
Vier kleinere Bauernhöfe in Reutlingen.")
Dieses gab nebst einer Mühle, die das
Kloster für 20 Talente von einem de
Pfullingen cintanschtc, sechs von Necho in
Reue Obcrcnnts-Beschr. II, S. 49.
U Fiirstcnb. II. B. I. 22, 27.
-st Rene Obennnis-Beschr. 1., 44, II, 45.
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