Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 9
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schaft obgegaiigen init 12 Perfonen. und am 16.,
die drei Kutscher eingerechnet, weitere 12 Per-
sonen und 16 Pferde. — Die Rechnungen des
Pächters auf dem Freihvf beliefen sich ans
41 fl. 21 Kr.
Am 17. Mittagstafel mit 19 Couverts,
abends großes Appartement. An diesem
Tage ließ sich Fürst von Oettingen-Spiel-
berg durch seinen Hofmarschall beim Kur-
fürsten zur Visite ansagen. Dieser Hof-
marschall wurde zwar zur Tafel geladen,
entschuldigte sich aber wegen weiter Ent-
fernung seines Schlosses und üblen Weges
beim Kurfürsten, und verfügte sich gleich
nach gemachtem Vortrag und zwar zu Fuß
in sein Abstcigqnartier.
Anderen Tags kam dann der Fürst in
einem mit sechs Pferden bespannten Wagen
hierher, nahm sein Absteigequartier im
Adlerwirtshanse (wahrscheinlich im golde-
nen Adler ans dem Marktplatz). Gegen
halb 1 Uhr ward er durch einen sechs-
spännigen Hofwagen zur Audienz und
Tafel abgeholt, wobei zwei Hoflakaien
hinten auf der Chaise zur Bedienung stan-
den. Nach der Tafel ward er in gleicher
Weise wieder in sein Absteigequartier ge-
fahren. Die vier höchsten Herrschaften aber
fuhren mit ihrem Hofmarschall in sechs-
spännigen Wagen in das hiesige sJesniten-j
Gymnasium, wo sie bis abends halb 7 Uhr
derStnocnlen-Koniödie beiwohnten. Abends
wurde also nicht mehr gespielt.
Am selben Tage ließ sich der Fürst von
Wallerstein durch den Major von Berkie (?)
zur Visite anmelden, ließ aber am 21.
wieder absagen. Nachdem der Kurfürst in
der Schloßkapelle die hl. Messe gelesen,
fuhr cr im Galawagen zur Stiftskirche,
wohnte dort der Predigt an und erteilte
dann bis gegen 2 Uhr die hl. Firmung.
Nach dem mit den übrigen höchsten Herr-
schaften eingenommenen MittagSmahle,
firmte er wieder bis gegen 5 Uhr in der
Stiftskirche, im ganzen gegen 2475 Kinder,
ohne die, die in der Pfarrkirche vom Herrn
Weihbischvf gesinnt wurden. § Es war der
oft anfgeführte Dompropst von Ungeltcr. s
Nach 5 Uhr sing die Gesellschaft bei dein
Herrn Statthalter an, welcher die vier höch-
sten Herrschaften auch beiwohnten bis gegen
9 Uhr abends.
Am 21. beurlaubten sich die meisten
Herrschaften beim Kurfürsten, dcn 22.
morgens uni 8 Uhr ging die „Suite, so

über Miltenberg zu reisen bestimmt war,
von Ellwangen ab, nahm die erste Station
zu Crailsheim". Die Bagage-Wägen waren
schon tags zuvor abgegangen. An diesem
Tage ward auch die Augsburger Diener-
schaft gleich nach der Tafel sortgeschickt.
(Schluß folgt.)
Beitrage zur Geschichte einzelner
Pfarreien.
3. Das A n g n sti n er k lo st e r in
Oberndorf a. N.
Von Sladtpfarrer Brinzinger in Obern-
dorf a. N.
(Fortsetzung.)
(-.Aufhebung des Oberndorfer
A ng n st i n erk lo sie rs 1 806. Das
Fahr 1806 war das Jahr der Säkulari-
sation der nenwürttembergischen Klöster.
Am 1. Januar 1806 wurde die Annahme
der Königöwürde seitens des Kurfürsten
Friedrich von Württemberg proklamiert,
am 2. Januar daö Kirchengut eingezoge»,
bald hernach erfolgte die Aufhebung sämt-
licher Klöster von Ncnwürttemberg. Durch
dcn Preßbnrger Frieden erhielt Württem-
berg 26. Dezember 1805 die Herrschaft
Oberndorf und Schramberg. Am5.Ja»nar
1806 nahm der König von Württemberg
die Grafschaft Ober- und Nieder-Hohen-
berg und Ncllenbnrg in Besitz. „Milte
Januar 1806 wurden beide Klöster in
Oberndorf (Augustiner- und Dominikaner-
sranenkloster) unter Administration gesetzt,
ihre Archive teils weggenommen, teils unter
Siegel gelegt". (Häßler, Chronik von Not-
tenbnrg 1819, 298.) „Am 15. Jan. 1806
kam ein württembergischer Kommissär mit
nenn Dragonern nach Oberndorf, cr nahm
Zivilbesitz von der Herrschaft Oberndorf
und dcn zwei Klöstern. Alle Beamten
mußten das Handgelübde der Treue ab-
lcgen." (Häßler, Aufzeichnungen, Psarrei-
Negistratnr S. 139.) „Den 19. Januar
1806 wurde der letzte Prior des Angnstiner-
klosterS, Pater Servilian Rathgeb, vom
Augnstinertloster präsentiert ans die
Pfarrei Böchingen, OA. Oberndorf, auch
als solcher proklamiert, welcher Akt der
letzte war der Existenz des Klosters."
(Köhler, Geschichte Oberndorfs S. 70.)
Servilian Rathgeb, mit seinem Taufnamen
Franz chaver, ist geboren in Nosenberg,
Pfarrei Hohenberg bei Ellwangen den
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