Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

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licher Obrigkeit und ander solchen Orten,
die nicht in den Hof, sondern ohne Mittel
in das Kloster gehörig, erwachsen, auch
derselbe zu Unterhaltung der Kvnventnalen
und des Klosters Hansbranch unentbehr-
lich sei: so sollen sie solchen Wein unanf-
gehalien nach Zwiefalten verfolgen lassen
und nicht Ursach geben, auf Mittel zu
denken, dem Kloster zu dem seinigen zu
verhelfen." Die Stadt antwortete am
9. September: „Da der Hof samt allen
Pertinenzien und Zngehörnngcn, Rechten
und Gerechtigkeiten geschenkt worden, so
sei die Donation propter excelieirtinnr
auch ans erwähnten, im Hof befindlichen
Wein zn extendieren. Uebrigens möchte
der Administrator des Königs Resolution
erwarten." Darauf erwiderte der Herzog-
Administrator am 8. Oktober 1632: „Dem-
nach gedachter Zwiefaltischer Hof einmal
eine Perlinenz des Klosters Zwiefalten,
welches uns und unserm Hans von un-
vordenklichen Jahren mit aller hoher landeS-
fnrstlicher Obrigkeit und andern davon
dependirenden Rechten und Gerechtigkeit
unverneinlich beygethan gewesen, auch die
Königliche Donation verstandener Maßen
niemand zu Präjudiz vermeint, weniger
erst gefährlich dahin zn extendiren, als
wölken wir uns endlich gegen Euch ver-
sehen, Ihr werdet ohne ferneren Ufenthalt
nicht allein den noch zugegen liegenden Wein
nnsers Klosters Beamten zu Zwiefalten ver-
folgen lassen, sonder» auch de» Hof samt
allen deßelben Zugehörnnge» in
und außerhalb der Stadt alsdann
unserm dahin vcrordneten Beamten gutwillig
abtrelen und uns nicht Ursach gebe», ohn-
beliebende Mittel zu ergreifen, erwähntem
Kloster zn dem Seinigen zn verhelfen,
inmaßen wir auch des allbereit alienirte»
Weins, auch anderer verursachten Kostet'
und Schadens halb uns an Euch durch
erlaubte Weg zn erholen hiemit bester
Form Rechtens per expresnum reservirt
haben wölke»." Am 12. Oktober bat die
Stadt den Administrator nochmals die
Entscheidung des Königs abwarten zu
wollen, bei welchem sie, da auch der andere
Teil gehört werden müsse, sich bereits an-
gemeldet hätten, aber zur Geduld verwiesen
worden wäre». Am 1. Nov. 1632 siel
Gustav Adolf bei Lutze». Nun suchte
Württemberg die Stadt durch Verarrestie-

rung ihrer Einkünfte in Württemberg zur
Nachgiebigkeit und Abtretung dcS Hofs
zn zwingen. Vergebens wies die Stadt
am Shlvesterabend 1632 darauf hin,
daß sie ja wegen der Höfe Schweden einen
Revers ansgestellt hätte, welcher zurück-
gegeben werden müsse, wenn sie nicht mit
zwei Nuten gezüchtigt werden sollte. Sie
erhielt kurze, abweisende Antworten. Herzog
Eberhard III. beharrte im Mai 1633 beim
Beschluß. Die Stadt wandte sich schließ-
lich 10. Dezember 1633 an den schwe-
dischen Feldmarschall Oxenstierna mit der
Bitte, Württemberg zn bewegen, den Arrest
zn relaxiercn. Nun nimmt Württemberg
am 4. Januar 1634 eine Kaution an.
Reutlingen erklärte sich bereit, ein Kapital
von 8000 st. bei der herzoglichen Rent-
kammcr und Kellerei Pfullingen und 9000 sl.
bei der Landschaft zn verpfänden und bat
23. Februar um Ausfertigung des fürst-
lichen Dekretes.') Uebrigens hatte der
Syndikus Or. Banr, der ehemalige Ad-
vokat des Klosters, von Schweden den
Garten des Klosters vor den« Thor er-
halten. Die Schlacht bei Nördlingen
(7. September 1634) änderte mit einem-
male alles. In Zwiefalten hatte natürlich
die Schenkung deS Hofs an Reutlingen
großes Aufsehen hervorgernfe». Erzählte
man sich doch: am 28. April 1632 hätten
zwei Glocken, welche ,,iir nntic^unto nncello
curine nontrae UeutlinALirne", d. h. in
der St. Johanniökapelle hingen und nach
Unterdrückung des Gottesdienstes schon
mehrere Jahre ein trauriges Schweigen
bewabrten, während einer ziemlich langen
Weile, ohne daß jemand sie geläutet hätte,
den lieblichsten Klang von sich gegeben
zum Entsetzen der schwedischen Soldaten.")
Jetzt nach dem Siege der katholischen
Waffen 1634 rührte sich das Kloster und
erlangte am letzte» Oktober durch den
I)r. Joh. Michael Schatz von Mem-
mingen bei König Ferdinand einen Befehl
an die königlichen NegimentSräte in Würt-
temberg, resp. an eine Hiewegen bestellte
Kommission, daß der Hof zn Reutlingen
samt Zngehör restituiert und aller Schaden
ersetzt werde?) (Fortsetzung folgt.)
') Gayler II, 49-53.
SlUger II, 235.
ch Graliaims II, 315.
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