Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

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von Wicsensteig verbrannt. Zn der Nähe,
in dein znr Grafschaft Friedberg-Scheer
gehörigen Pfarrdorfe Untingen wütete
nin dieselbe Zeit der Truchseß von Wald-
bnrg nicht minder wie in den ihm
nnierstehenden Städtchen Saulgau und
Waldsec ec. als Hexenrichter mit Feuer und
Schwert (siehe darüber Torsen. LuIZer,
anirales ^wielaitenses etc., II. S. 174).
Unter den zahlreichen Opfern war auch
die Ehegattin eines Wirts, eine ganz recht-
schaffene, unbescholtene, achtbare Frau;
sie wurde wie ihre Mitangeklagten wieder-
holt schrecklich gefoltert, gestand der Qualen
wegen auf der Folter, obwohl offenbar
unschuldig, jedeSmal ein, leugnete aber
hernach immer wieder. Endlich bekannte
sie anhaltend, um den Martern ein Ende
zu machen, bezeugte indes dem Scharfrichter
feierlich noch im letzten Augenblick ihres
Lebens während der Verbrennung ihre
Unschuld. Noch im letzten Atemzuge habe
sie gesagt, der Pfahl, an dem sie auf dem
Scheiterhaufen angebunden worden, werde
zum Zeichen ihrer Unschuld nach ihrem
Tode grünen und in der That sei auch
dieser Pfahl, obwohl vom Feuer bereits
stark angegriffen, zum Zeichen ihrer Un-
schuld bald darauf belaubt worden —
eine Sage, welche nebenbei bemerkt, auch
bei anderen Hexenprozeduren vorkommt.
Ans dem Stift Marchthalschen Dorfe
Alles ha usen am Federsee, auch einem
alten Hexengän und einer ehemaligen so-
genannten Freigemeinde, wurden fünf an-
gebliche Hexe», darunter ein Weib Bar-
bara Bingeßerin, welche zweimal die schau-
erliche Tortur der Folter überstanden, zu
Marchthal verbrannt. Ueberall dasselbe
herzzerreißende Trauerspiel, welches den
Menschenfreund Spee, leider damals
einen Nufer in der Wüste, in die ergrei-
fende Klage ansbrechen ließ: „. . . Ich
wandte mich und sah Unrecht leiden unter
der Sonne, ein Weh über alle Weh der
Erde und Thränen derer, die Unrecht
thaten; da pries ich die Toten mehr den»
die Lebendigen und hielt den, der noch
nicht ist, für glücklicher denn beide, daß
er des Bösen nicht inne wird, das unter
der Sonne geschieht." So begegnen wir
ans diesem Boden auch noch i. I. 1746
und 1747 solch traurigen Prozeduren!
Den 2. März 1746 ging daselbst eine

erschreckliche Exekution vor sich, da Ka-
tharina und Maria Dornhauserin, Mutter
und Tochter puncto Mariae hingerichtet
wurden. Der Tochter, die den Verfasser
unseres ckiarii, wie dieser selbst schreibt,
öfters für „ein Veitl gehabt", wurde im
Angesichte ihrer Mutter der Kopf abge-
schlagen, der Körper aber nochmals auf
dem Scheiterhaufen vor ihre Füße gelegt.
Die Mutter als pessima reckuctrix tiliae
wurde in dem 77. Jahre ihres Alters an
ein Pferd gebunden und lebendig ver-
brannt, nachdem sie halb erdrosselt und
ihr an den Hals ein Pnlversack von zwei
Pfund gehängt worden war; von ihrer
Bekehrung wollte man nichts sonderliches
gehört haben. Die Tochter dagegen soll
bessere Zeichen haben von sich blicken lassen.
Der Beichtvater, der sie zum Scheiter-
haufen begleitete — der Marchthaler
Prämonstratcnsermönch ?. Modest Moy
ans Augsburg — erzählte, die Tochter
hätte ihm noch gerade vor ihrem Tode
beteuert, sie sterbe unschuldig und nur
die Schmerzen der Tortur haben sie ver-
mocht, sich für das zn bekennen, was sie
niemals gewesen.
Man redete in der Gegend sehr viel
von dem bösen Lebenswandel der beiden
und sollen sie Wettermacher, Zauberer und
Nerlähmer der Menschen und deS Viehs
gewesen sein; überhaupt sollen ihre Ver-
brechen so entsetzlich gewesen sein, daß die
Herrn Juristen, denen dieser Prozeß ack
censuram gegeben worden, nichts dgl.
niemalcn gehört haben, denn die Mutter ist
nach dem Tode ihres ersten Mannes so
weit gegangen, daß sie ^ivc ex ockio sive
cleZperatione sich dem Gottseibeiuns ver-
schrieben und sich überdicShin mit einem
wirklich verheirateten Schweizer kopulieren
ließ, ans welcher gottvergessenen Ehe die
saubere Frucht, ihre Tocbter erzeugt wor-
den. Bei vorgenommener Prodeznr sprangen
die Nuten wie SpieSglas in Trümmer,
bis endlich ?. Theobald, ein Kapuziner,
durch kräftige beneckictiones das pactum
aufgelöst, worauf sie dann eingestanden,
aber gleich darauf wieder alles geleugnet
hat (zn vrgl. über diesen Hexenprozeß auch
Soldan-Heppe II, 279 ff). Vermöge des
coiwtituti sollen noch mehrere in Verdacht
gekommen sein und ist im Oktober 1746
wieder eine Frauensperson aus Alleshausen
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