Stcmd oder Bernfsklassc, dreht sich die
Frage. Für die Protestanten in Nord-,
Mittel- und Süddentschland mag das
wissenschaftliche Bedürfnis nach einer christ-
lichen Ikonographie geringer sein, als bei
den Lehrern der katholischen Theologie.
Am Rheine, wo viele kirchliche Kunst-
werke des Mittelalters erhalten sind,
haben selbstverständlich die römisch-katho-
lischen Priester ein größeres Interesse
daran, über die christlichen Bilder sich
Kenntnisse zu sammeln. An Lehran-
stalten, oder in Klöstern, wo das Stu-
dium der Hymnologie oder der mittelalter-
lichen Mystiker betrieben wird, oder wo
Malerschnlcn bestehen, ist selbstverständ-
lich ein regeres Interesse für christliche
Ikonographie vorhanden. Der entsprechende
Ausdruck im Deutschen würde ungefähr
lauten: die bildenden Künste im Dienste
der christlichen Andacht.
In Württemberg ist noch eine ansehn-
liche Zahl von Kirchen und ehemaligen
Klvsterbanten mit Wand-, Decken- oder
mit Altargemälden vorhanden. Es haben
auch hier seit etwa 60 Jahren die Stu-
dien über kirchliche Kunst eine große Ver-
breitung unter den Gebildeten gefunden.
So kann also das Bedürfnis einer christ-
lichen Bilderknnde hier nicht in Abrede
gestellt werden. Es ist einleuchtend, daß
in einem Lande und zu einer Zeit, wo
alte Wandmalerei und Glasgemälde wieoer-
hergestellt oder erneuert werden, das Be-
dürfnis nach einem Lehrbuche der ge-
nannten Wissenschaft bald eintreten mußte.
Endlich darf nicht unerwähnt bleiben,
daß in den letzten dreißig Jahren eine
Anzahl alter Wandmalereien in Kirchen
anfgedeckt und neue in den Gotteshäusern
angebracht worden sind. Das Wieder-
anffinden von alten übertünchtcn Wand-
gemälden ist zudem noch lange nicht ab-
geschlossen. — Alles dieses znsammenge-
nommen hat das Interesse an einer wissen-
schaftlichen christlichen Bilderkunde geweckt
und gesteigert.
Im allgemeinen betrachtet man die christ-
liche Ikonographie nicht mit Unrecht als
die wirksamste Apologie zu Gunsten des
Katholizismus und der katholischen Kirche
der früheren Zeit. Verschiedene Ereig-
nisse haben die Katholiken, wie die Pro-
testanten genötigt, dem Studium der wissen-
schaftlichen Bilderknnde Rechnung zu tragen
und derselben ein größeres Interesse cnt-
gegenzubringcn. Es mußten Kataloge der
Bildergalerien, der historischen Museen,
der Knpferstichsammlnngen und der ge-
schichtlichen Kunst- und Knnstgewerbe-
ansstellnngen von 1875 bis 1896 in
Deutschland gemacht werden. Mehrere
deutsche Staatsregierunge» haben die Kunst-
und Baudenkmale einzelner Länder oder
Provinzen in illustrierten Werken ver-
öffentlichen lassen. Mit der Herausgabe
jener Werke auf Staats- oder Vereins-
kosien wurden Männer von sehr verschie-
denem Bildungsgrade und Lebensbcrnfe
beauftragt. So mußten sich Dilettanten
in der Kunst- und Architektur, Theologe»,
Rechtsanwälte, Maler, Ingenieure, frühere
Offiziere, Aerzte, Finanzbeamte und Zeich-
ner in die mittelalterlichen Kunstleistungcn
hineinstndieren. Da wurde der Mangel
a» einem ikonographischen Lehr- und Hand-
buch allgemein empfunden. Der Kultur-
zwcck des Staates bringt es schon mit sich,
das; man der religiösen Kunst Aufmerksam-
keit znwendet.
Es gehört mit zu den Hauptaufgaben
der christlichen Kirche, die Ikonographie
und die religiöse Kunst, sowie die sämt-
lichen bildenden Künste im Dienste der
Andacht z»m Lehrstoffe für den Religions-
unterricht neben dem Katechismus und der
Kultur- und Kirchcngeschichte in den höhe-
ren Schulen zn machen. DaS ist der
einzige Weg, um ans dem sog. „modernen
Bildnngsschwindel" heranSznkommen.
Mit vollem Rechte begreife man jetzt,
wie es im christlichen Mittelalter erkannt
wurde, daß die Ideen, welche der bildende
Künstler in sein christliches Kunstwerk
legte, Worte sind, die ans dem Munde
Gottes kommen. Von diesen sagt aber
Christus selbst, daß der Mensch lebe, nicht
vom körperlichen Brote allein. Will man
ernsthaft dem Volke die Religion und das
Christentum erhalten, so muß man ihm
auch die religiöse Knust verständlich machen
und ihm ermöglichen, die kirchlichen Kunst-
werke der Vorzeit und der Gegenwart
richtig zn verstehen. Das kann nur durch
eine christliche Ikonographie geschehen, denn
diese ist nichts weiter als die wissenschaft-
liche Darlegung der bildenden Künste,
Frage. Für die Protestanten in Nord-,
Mittel- und Süddentschland mag das
wissenschaftliche Bedürfnis nach einer christ-
lichen Ikonographie geringer sein, als bei
den Lehrern der katholischen Theologie.
Am Rheine, wo viele kirchliche Kunst-
werke des Mittelalters erhalten sind,
haben selbstverständlich die römisch-katho-
lischen Priester ein größeres Interesse
daran, über die christlichen Bilder sich
Kenntnisse zu sammeln. An Lehran-
stalten, oder in Klöstern, wo das Stu-
dium der Hymnologie oder der mittelalter-
lichen Mystiker betrieben wird, oder wo
Malerschnlcn bestehen, ist selbstverständ-
lich ein regeres Interesse für christliche
Ikonographie vorhanden. Der entsprechende
Ausdruck im Deutschen würde ungefähr
lauten: die bildenden Künste im Dienste
der christlichen Andacht.
In Württemberg ist noch eine ansehn-
liche Zahl von Kirchen und ehemaligen
Klvsterbanten mit Wand-, Decken- oder
mit Altargemälden vorhanden. Es haben
auch hier seit etwa 60 Jahren die Stu-
dien über kirchliche Kunst eine große Ver-
breitung unter den Gebildeten gefunden.
So kann also das Bedürfnis einer christ-
lichen Bilderknnde hier nicht in Abrede
gestellt werden. Es ist einleuchtend, daß
in einem Lande und zu einer Zeit, wo
alte Wandmalerei und Glasgemälde wieoer-
hergestellt oder erneuert werden, das Be-
dürfnis nach einem Lehrbuche der ge-
nannten Wissenschaft bald eintreten mußte.
Endlich darf nicht unerwähnt bleiben,
daß in den letzten dreißig Jahren eine
Anzahl alter Wandmalereien in Kirchen
anfgedeckt und neue in den Gotteshäusern
angebracht worden sind. Das Wieder-
anffinden von alten übertünchtcn Wand-
gemälden ist zudem noch lange nicht ab-
geschlossen. — Alles dieses znsammenge-
nommen hat das Interesse an einer wissen-
schaftlichen christlichen Bilderkunde geweckt
und gesteigert.
Im allgemeinen betrachtet man die christ-
liche Ikonographie nicht mit Unrecht als
die wirksamste Apologie zu Gunsten des
Katholizismus und der katholischen Kirche
der früheren Zeit. Verschiedene Ereig-
nisse haben die Katholiken, wie die Pro-
testanten genötigt, dem Studium der wissen-
schaftlichen Bilderknnde Rechnung zu tragen
und derselben ein größeres Interesse cnt-
gegenzubringcn. Es mußten Kataloge der
Bildergalerien, der historischen Museen,
der Knpferstichsammlnngen und der ge-
schichtlichen Kunst- und Knnstgewerbe-
ansstellnngen von 1875 bis 1896 in
Deutschland gemacht werden. Mehrere
deutsche Staatsregierunge» haben die Kunst-
und Baudenkmale einzelner Länder oder
Provinzen in illustrierten Werken ver-
öffentlichen lassen. Mit der Herausgabe
jener Werke auf Staats- oder Vereins-
kosien wurden Männer von sehr verschie-
denem Bildungsgrade und Lebensbcrnfe
beauftragt. So mußten sich Dilettanten
in der Kunst- und Architektur, Theologe»,
Rechtsanwälte, Maler, Ingenieure, frühere
Offiziere, Aerzte, Finanzbeamte und Zeich-
ner in die mittelalterlichen Kunstleistungcn
hineinstndieren. Da wurde der Mangel
a» einem ikonographischen Lehr- und Hand-
buch allgemein empfunden. Der Kultur-
zwcck des Staates bringt es schon mit sich,
das; man der religiösen Kunst Aufmerksam-
keit znwendet.
Es gehört mit zu den Hauptaufgaben
der christlichen Kirche, die Ikonographie
und die religiöse Kunst, sowie die sämt-
lichen bildenden Künste im Dienste der
Andacht z»m Lehrstoffe für den Religions-
unterricht neben dem Katechismus und der
Kultur- und Kirchcngeschichte in den höhe-
ren Schulen zn machen. DaS ist der
einzige Weg, um ans dem sog. „modernen
Bildnngsschwindel" heranSznkommen.
Mit vollem Rechte begreife man jetzt,
wie es im christlichen Mittelalter erkannt
wurde, daß die Ideen, welche der bildende
Künstler in sein christliches Kunstwerk
legte, Worte sind, die ans dem Munde
Gottes kommen. Von diesen sagt aber
Christus selbst, daß der Mensch lebe, nicht
vom körperlichen Brote allein. Will man
ernsthaft dem Volke die Religion und das
Christentum erhalten, so muß man ihm
auch die religiöse Knust verständlich machen
und ihm ermöglichen, die kirchlichen Kunst-
werke der Vorzeit und der Gegenwart
richtig zn verstehen. Das kann nur durch
eine christliche Ikonographie geschehen, denn
diese ist nichts weiter als die wissenschaft-
liche Darlegung der bildenden Künste,


