Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 57
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Wortlaut enthalten und cs ist ans der
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Lreancko iVlgZisbrntu Libernceirsst' n. a.
zu entnehmen, daß der Kaiser den bis-
herigen Rat unter Anerkennung seiner
ersprießlichen Leistungen seiner Funktionen
in Gnaden enthoben, eine Neuwahl des-
selben verfügt und dazu eine Wahlordnung
dekretiert, die jeweils von dem kleinen Nat,
den Gerichtsbeamten und den 20 Mitglie-
dern des großen NateS auch feierlich be-
schworen werden sollte. Hienach haben
die fünf geheimen Räte, samt dem kleinen
Nat in ein Stüblein zu gehen, darnach
der Stadtammann samt den Gerichtsper-
soncn auch in eine besonder Stuben
und der große Nat auch in eine „sondere
Stuben", lieber die Wahl selbst wird
verfügt: „So ist der kayserl. May. Ernst-
lichr will vnd mainnng, daß hinfürtero
zne Ewigtag allweg in dem Rath daselbst
15—20 Persohnen von den Burgern vnd
der Gemain, doch allweg der Burger
8 oder 9 vnd die Vbrigen von der Ge-
main disorts erwählt. Ans welchen 15
Personen (des kleinen NatS, im Gegensatz
zu den 20 des großen Rats) allwegen
drey von den Burgern, das Bürgermeister
Ampt, doch allweg einer nach dem Andern
in dem Jahr 4 Monat tragen vnd sollen
solchen drey Bürgermeistern noch einer
von der Bürgerschaft vnd einer von der
Gemain zuegeordnet werde», welche fünff
der Stadt Gehaime Näth heißen und des
Raths Häupter vnd Vorgehen sein, auch
alle Handlungen vnd Geschafft nach Ge-
legenheit richten oder anbringen sollen.
Weiter sollen zne den Aemptern vnd
Besatzungen des Gehaime», desgleichen
auch des Kleinen Naths, der Gerichts-
persvhnen vnd der 20 des großen Raths,
desgleichen auch zue Bestellung anderer
Stättdiener vnd Amptleuth, als Avocaten,
Stattschreiber vnd dergleichen, nnnhinfürter
Ewiglichen diejenigen, so aines christenlich
Ehrlich Lebens vnd Weßens, auch sonst
geschickt, verständig, schidlich vnd fridliebend
vnd der alte» Religion vnd Angspnrgischen
Confessio» halber indifferenter angenommen
werden Re li gio ne n halber indiffe-
renter vnd Insonderheit die der
Alten wahren christlichen Reli-
gion anhängig oder wonit gar
derselbigen am Nächsten sehen,

Andern in Allweg für gezogen
w e rde»." I
Es kommen nun noch mehrere andere
Bestimmungen über die Ersatzwahlen bei
KrankheitS- und Todesfällen n. a., die
wir hier nicht weiter besprechen wollen,
dagegen mögen die immerhin merkwürdigen
kaiserlichen Verordnungen über die Auf-
hebung der Zünfte und Einteilung der
Bürger bei Fenersgefahr Platz finden:
„Dieweil auch die Notturfft erfordert, das von
Feuers oder andern nothweg Ein besonder» Aus;-
thailung der ganzen gemainen Burgerschafft be-
schehe vnd aber auch der Nöm. Kays. May. Be-
felch vnd Ordnung die Zünfften vfgehebt worden,
so soll ain andere Austthailung nach gelegenheit
der Stadt, als in Vier oder Sechs; viertel nach
der Gassen vnd Pläz gelegenheit fürgenommcn,
deren Jeden ein Hauptmanu, der zum Wenigsten
des großen Naths sein soll, gestalt werden.
Also das in bemelter Feurs oder andern
nöthen ein Jeder Burger bey seinen bürgerlichen
Pflichten schuldig scyn, demselbigen Hnnptinan
zuezulanffen vnd was derselbig aus; Befelch Eines
Naths verschafft zuegehorsammen. Vnd nachdem
Ihr Kays. May. auch befunden, zue was ver-
derben vnd weitläuffigkeit dieZunfstvnd gescheuchte
vandtwcrckh dem gemeinen Mann Vrsach geben,
Also das mancher tag vnd nacht demselbigen
obligt,ch sein Weib vnd Künd daheimben fasten
laßt vnd die Andern, so zue demselbigen etwa»
nit genaigt, zucvilmahlen darzue halten, das Sye
das Ihr nicht allein versäumen, sondern auch
vnnüzlicher verzehren »messen; derohalben so
haben Ihr Kays. May. aus Kayserlicher macht
vnd vollkhommenheit auch vermög Ihrer May.
vnd des Hailigen Reichsordnung, solche Zünfft vnd
geschenckhten Hnndtwerckhern gänzlich vffgehebt vnd
abgetan vnd derglcich zusammenkhünfften vnd ver-
samblung bey Leibstraff verwetten auch dnruff den
Zünfftmnistern vnd andern dero Znnfften vorge-
hern vnd Verwaltern ernstlichen gebicthen lassen,
alle vnd jede dero Zünfften habenden Privilegien
Freyhaiten, Ordnungen, Vertrag vnd brüefflich
Urkhundt alßbald zue des Raths Händen zue
überantworten. Gleicherweis; sollen auch der-
selbigen Zünfften .Häußer vnd Güettern durch den
Rath verkhaufft, zue Gelt gemacht vnd solch gelt
zue gemainer gewesenen Zunfftgenossen vnd des-
selbigen nachkhommen nuz vnd iwtturfft, es sey
nrit Korn Käuffen oder in andern weg nach
Messigung Eines Naths angelegt vnd zue Zeiten
der theurung vinb ein ziembliches vnder Sye
außgethailt."
Daran reihen sich Strafbestimmungen
für Zuwiderhandlungen gegen diese kaiser-
lich festgesetzte Biberacher Wahlordnung.
>) In der Handschrift durch Unterstreichen her-
vorgehoben.
ch Dieser Vorwurf bezieht sich auf die in jener
Zeit vielfach exzessive den Handwerksmeistern
und Gesellen schädlich gewordenen Zechgelage
in den Trinkstuben der Zünfte.
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